Glosse
Ein Herz für Hedge-Fonds

Wer hat Angst vor einer Heuschreckenplage? In Deutschland kämpfen Hedge-Fonds im Gegensatz zu Großbritannien noch immer mit dem Image des hässlichen Spekulanten, der für Geld seine eigene Großmutter verkaufen würde. Um das zumindest ein wenig zu ändern, hatte die Düsseldorfer Apano GmbH eine Idee.

LONDON. Die Apano GmbH, die in Deutschland die Produkte des weltgrößten börsennotierten Hedge-Fonds Man vertreibt, ließ T-Shirts drucken. Auf den weißen Hemdchen prangt der Slogan „ein Herz für Hedge-Fonds“. Aber vielleicht sollte Apano die T-Shirts nicht an deutsche Kleinanleger, sondern besser an die Chefs der großen Konzerne der Welt verteilen.

Eine Untersuchung der britischen Fachzeitschrift Financial News zeigt, dass Hedge-Fonds mittlerweile an fast 40 Prozent aller größeren, an der Börse notierten Gesellschaften Anteile halten. Bei fast jedem fünften Konzern besitzen die Fonds mehr als ein Zehntel der Aktien.

In Holland wären die Apano-T-Shirts im Moment echte Ladenhüter. Erst vor wenigen Tagen zwangen zwei Hedge-Fonds den Einzelhandelskonzern Ahold, sich von einem großen Teil seines Geschäfts zu trennen. Der Angriff auf Ahold kommt nur wenige Wochen, nachdem Hedge-Fonds die Aktionäre des Mischkonzerns Stork überzeugten, für eine Aufspaltung des Unternehmens zu stimmen.

Kein Zweifel, die Macht der Spekulanten wächst. Damit gewinnt auch die Diskussion an Brisanz, ob der Druck der Aktionäre für mehr Effizienz und höhere Gewinne sorgt, oder ob die Hedge-Fonds Unternehmen skrupellos ausschlachten.

Grundsätzlich können kritische Aktionäre wie Hedge-Fonds eine wichtige Kontrollaufgabe erfüllen und Eskapaden machthungriger Manager verhindern. Ein Problem bleibt aber ungelöst, nämlich das des unterschiedlichen Zeithorizonts. Vorstände müssen langfristig planen, Hedge-Fonds sind oft an schnellen Gewinnen interessiert. Aus diesem Konflikt kann ernsthafter Schaden für ein Unternehmen entstehen.

Das dachte sich wohl auch der kanadische Versicherer Fairfax, als er fünf Hedge-Fonds auf fünf Mrd. Dollar Schadenersatz verklagte. Der Versicherer wirft den Fonds vor, mit einer Schmutzkampagne den Aktienkurs gezielt unter Druck gesetzt zu haben. Die Fonds bestreiten das, aber seit die Klage läuft, hat sich der Fairfax-Kurs um mehr als 30 Prozent erholt.

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