Glosse
Gaaanz dicke Freunde

Ganz klar, Knut ist Schuld: Seit der kleine Eisbär im Berliner Zoo die Massen anlockt, haben plötzlich Politiker ihre Tierliebe entdeckt. Neuestes Beispiel: Grünen-Fraktionsvorsitzende Bärbel Höhn, die allen Ernstes in den Tierpark Berlin-Friedrichsfelde tourt, um ein neugeborenes Elefantenbaby zu besuchen.

BERLIN. Umweltminister Sigmar Gabriel hat sich bereits mit Knut ablichten lassen. Quer durch die Republik dienen öffentliche und private Zoos Neugeborene Lokalpolitikern an, die sich dankend vor die Kameras stellen. Der Hintergedanke ist klar: Die einen wollen zahlende Besucher anlocken, die anderen vom Sympathie-Bonus der Kleinen profitieren.

Auffallend ist dabei , dass der Trend für gemeinsame Fototermine zum dicken Großtier geht. Keines der Baby-Meerschweinchen im Zoo Hannover, kein junger Wolf bei Hagenbeck, keine neugeborene traurig dreinschauende Schildkröte und kein knuddeliger Jung-Adler hat es bisher vor die Kamera geschafft. Partei-Strategen raten eindeutig zu Gewichtigerem, um auch die Bedeutung der besuchenden Politprominenz zu unterstreichen. Geier, Hyänen und Affen sind wegen missverständlicher Schlagzeilen ohnehin verpönt, so süß die Kleinen auch sein mögen.

Klarer neuer Spitzenreiter im Schwergewichts-Wettstreit der Parteien sind seit Freitag die Grünen. Lässig haben sie das Pummel-Duo Gabriel-Knut überboten und ganz offiziell in den Berliner Tierpark Friedrichsfelde eingeladen. Dort besucht die stellvertretende Grünen-Fraktionsvorsitzende Bärbel Höhn allen Ernstes ein neugeborenes Elefantenbaby.

Schon wird in den Parteizentralen hektisch nach neuen Ideen gefahndet. Besonders gesucht sind derzeit von Politstrategen in Deutschland trächtige Nilpferd-Kühe - das könnte im Sommer dann den alles toppenden Pressetermin ergeben, bei dem Mr. X in Badehose zum Plantschen mit einem Nilpferd-Jungen ins Wasser steigt. Auch die Geburtssaison bei den Walen hat man fest im Blick?

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