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GM-Europachef: Bis 2006 keine Werkschließungen bei Opel

Im Konflikt um mögliche Massenentlassungen und den Abbau von 10 000 Stellen bei Opel droht der Europachef des US-Autobauers General Motors (GM), Fritz Henderson, mit einer Schließung des Bochumer Werkes. Derweil berät der Bochumer Opel-Betriebsrat über eine Forsetzung der Proteste.

dpa BERLIN. Im Konflikt um mögliche Massenentlassungen und den Abbau von 10 000 Stellen bei Opel droht der Europachef des US-Autobauers General Motors (GM), Fritz Henderson, mit einer Schließung des Bochumer Werkes. Derweil berät der Bochumer Opel-Betriebsrat über eine Forsetzung der Proteste. Das Werk steht weiter still.

Die Gefahr einer Werksschließung sei nicht vom Tisch, sagte Henderson der "Welt am Sonntag". Das Bochumer Werk stehe von allen deutschen Opel-Werken am schlechtesten da. Dem "Spiegel" hatte er zuvor noch gesagt, es drohten derzeit keine kompletten Werksschließungen. Das Sparprogramm, mit dem die Kosten jährlich um 500 Mill. Euro gesenkt werden sollten, sei "für 2005 und 2006 ausgelegt. Es kann erreicht werden, ohne eine Fabrik dichtzumachen".

"Wenn es um die Planung neuer Modelle wie der nächsten Mittelklasse geht, müssen wir klären, wo deren Produktion sinnvoll konzentriert werden kann. Aber das steht erst 2008 an, sagte Henderson. Er fügte hinzu, bei Opel in Rüsselsheim und Bochum seien die Lohnkosten "einfach zu hoch". Andererseits sei Opel "ohne deutsche Produktion nicht vorstellbar".

Unterdessen brachte Hendersons Vize, der frühere Opel-Chef Carl-Peter Forster, eine Auffanggesellschaft zur Abfederung der GM-Sparpläne ins Spiel. Damit könnten betriebsbedingte Kündigungen vermieden werden, sagte Forster der gleichen Zeitung. Die vom Stellenabbau betroffenen Beschäftigten könnten in die Gesellschaft überführt werden, hätten damit eine Arbeitsplatzgarantie für zwei Jahre, müssten aber dafür Lohneinbußen akzeptieren.

Nach den Gesprächen des Opel-Aufsichtsrats in Rüsselsheim berät der Betriebsrat in Bochum am Samstag über den weiteren Kurs im Kampf gegen den geplanten Stellenabbau des Mutterkonzerns General Motor. Die Sitzung werde bis zum Nachmittag dauern, sagte Betriebsratsmitglied Lothar Marquardt der dpa. Einzelheiten wurden zunächst nicht bekannt gegeben. Auch die IG- Metall wollte sich vor dem Ende der laufenden Sitzung nicht zur aktuellen Lage äußern.

Die Produktion des zweitgrößten deutschen Opel-Standorts steht weiterhin still. Die Bochumer Belegschaft protestiert mit Frauen und Kindern vor den Werkstoren. Auch am Sonntag sollen die Proteste fortgesetzt werden. Die Arbeiter wollen mit ihrer Arbeitsniederlegung die Produktion in den europäischen Werken in Belgien, Polen und England stoppen. Für den kommenden Dienstag ist ein europaweiter Aktionstag in den Opel-Werken geplant.

Am Freitagabend hatte sich der Bochumer Betriebsrat für eine Fortsetzung der so genannten "Informationsrunde" ausgesprochen. "Wir haben die Pflicht, das Informationsbedürfnis der Menschen zu stillen", sagte Betriebsratsvorsitzender Dietmar Hahn. Die Nachricht, dass die Geschäftsleitung vom geplanten Abbau von 4 000 Stellen abweiche, reiche an Information nicht aus. Der Betriebsrat fordert nach wie vor den Verzicht auf betriebsbedingte Kündigungen sowie auf Stellenabbau sowie die Sicherung des Bochumer Standorts über 2010 hinaus.

Auch der nordrhein-westfälische Arbeitsminister Harald Schartau zeigte Verständnis für die Aktionen der Bochumer Arbeiter. "Die Leute haben Angst um ihre Zukunft. Es ist verständlich, dass sie sich informieren wollen", sagte Schartau am Freitagabend.

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