GM kehrt zur zinsfreien Finanzierung zurück
US-Autokonzerne locken mit Sonderangeboten

Die US-Autohersteller haben eine neue Runde mit Sonderangeboten eingeläutet. Nachdem ihre Verkaufszahlen im Mai so schlecht ausfielen wie seit drei Jahren nicht mehr, wollen sie den Absatz mit aggressiven Angeboten ankurbeln.

NEW YORK. Branchenprimus General Motors (GM), Detroit, kehrt zur Null-Prozent-Finanzierung für den Kauf auf Raten zurück, um die Verkaufsräume der Händler zu leeren und Platz für neue Modelle zu schaffen. Gestern liefen bereits die ersten Werbespots unter dem Slogan "Summerdrive" im amerikanischen Fernsehen.

Der weltgrößte Autobauer hatte nach dem 11. September als erster Wettbewerber begonnen, seine Autos für wenige Monate zinsfrei auf Raten zu verkaufen und damit einen Preiskampf in der Branche angezettelt. Die Verbraucher sprachen darauf an und kauften trotz der schlechten wirtschaftlichen Lage Neuwagen. Anfang dieses Jahres kehrte der GM-Konzern aber wieder zu traditionellen Sonderangeboten zurück und bot seinen Kunden einfache Rabatte an.

Im Mai setzte der GM-Konzern 12 % weniger ab als ein Jahr zuvor und reagierte: Das Unternehmen bietet den Käufern der Marken Chevrolet und Cadillac jetzt einen zinslosen Kredit mit einer Laufzeit von ganzen fünf Jahren an.

Auch die Ford Motor Co. geht mit neuen Angeboten auf Kundenfang: Mit dem Slogan "We will rock you" senkt der Traditionskonzern in seiner Kampagne bei einigen Modellen den Preis um bis zu 3 000 $. Und bei einzelnen Wagen bietet der Hersteller aus Dearborn im Bundesstaat Michigan ebenfalls eine Null-Prozent-Finanzierung an. Die Verträge bei Ford haben eine Laufzeit von über drei Jahre. Die neuen Angebote sind bis Ende September gültig.

Chrysler, die US-Tochter des Daimler-Chrysler-Konzerns, will offenbar kontern. Das Unternehmen mit Sitz in Auburn Hills im Bundesstaat Michigan erwägt nach Informationen des Wall Street Journal, sein Garantie-Programm zu verlängern. Chrysler gibt für seine Marken Chrysler, Dodge und Jeep bislang zwar Garantien über sieben Jahre oder 100 000 Meilen. Ursprünglich sollte das Angebot aber Anfang der kommenden Woche auslaufen. Der Chrysler-Konzern spricht sich jedoch eindeutig gegen eine breit angelegte Null-Prozent-Finanzierung aus. "Das würden wir nicht gerne sehen", sagte Chrysler-Sprecher Marc Henretta dem Wall Street Journal. Der Autobauer werde auch nicht nachziehen, hieß es.

Für die Hersteller bringen die Sonderangebote höhere Kosten und damit niedrigere Gewinnspannen mit sich. Im Wettbewerb mit der ausländischen Konkurrenz sind die Rabatte aber fast unverzichtbar: Ausländische Anbietern wie Toyota, Honda, Mercedes-Benz oder BMW schneiden bei Qualitätstests meist besser ab und können ihre Autos deshalb auch mit weniger Preisnachlässen verkaufen. BMW teilte gestern mit, das der Absatz in Nordamerika im Juni um 10 % auf 22 465 Stück gestiegen sei. Insgesamt verbuchte das Unternehmen im ersten Halbjahr ein Absatzplus von 16 % auf 124 475 Fahrzeuge.

Analysten beobachten die Sonderangebote kritisch. Einige bezweifeln, dass die Nachfrage auf diesem Weg langfristig gestützt werden kann. "Die Verkäufe sind derzeit hauptsächlich von Sonderangeboten getrieben", sagt Christopher Manuel, Analyst des Investmenthauses McDonald Investments in Cleveland. "Wenn die Hersteller versuchen, die Sonderangebote zurückzufahren, würden ihre Absätze schrumpfen". Andere Analysten glauben aber, dass die künstlichen Kauf-Anreize in schwierigen Zeiten wichtig sind, und dass die Nachfrage wieder steigen wird, sobald die Konjunktur anzieht.

Für GM sieht Analyst Christopher Manuel schon wieder bessere Zeiten kommen. Die Qualität sei besser geworden und die Kosten deutlich gesunken. "Sie haben eine niedrigere Kostenstruktur als andere, insbesondere Ford", lobt der Analyst.

Katharina Kort
Katharina Kort
Handelsblatt / Korrespondentin
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