GMAT: Die erste Hürde

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GMAT: Die erste Hürde

Der GMAT ist die schwierigste Etappe auf dem Weg in ein gutes MBA-Programm. Doch mit Vorbereitung ist auch der gefürchtete Test zu knacken.

Kein MBA ohne Dschi-Mät. Wenn es in der großen, weiten Welt der Business Schools eine Regel gibt, dann diese: Vor die Aufnahme in ein gutes MBA-Programm, vor die saftigen grünen Wiesen der hohen Einstiegsgehälter und fabulösen Gehaltssprünge, hat der Herr den GMAT gestellt.

Kaum etwas ist unter MBA-Aspiranten so gefürchtet wie dieser Graduate Management Admission Test. Er bedeutet fast vier Stunden geistigen Stress am Computer, wobei mathematisch-analytische und sprachliche Fähigkeiten gefordert sind - also keine BWL-Kenntnisse oder Allgemeinwissen. Getestet wird das möglichst schnelle Erfassen und Analysieren komplexer Zusammenhänge. Es geht aber durchaus auch darum, in einer Stress-Situation zu "überleben".

Das Ergebnis des Tests, der so genannte "score", liegt zwischen 0 und 800. Doch erreichen jährlich nur circa 50 Testteilnehmer weltweit die Höchstzahl. Die meisten schneiden mit 400 bis 600 Punkten ab. Jede Business School der Welt, die auf sich hält, verlangt diesen Test als Aufnahmevoraussetzung. Ist das nicht der Fall, kann man bis auf wenige Ausnahmen davon ausgehen, dass die Schule zweit- oder gar drittklassig ist.

Dabei unterstreichen alle Schulen, dass der GMAT nur eines von mehreren wichtigen Aufnahmekriterien ist. Viele Schulen - darunter einige der besten wie Columbia, Stanford oder Wharton - behaupten sogar, dass es bei ihnen keinen Mindestwert gibt, den man erreichen muss, um für eine Aufnahme überhaupt in Frage zu kommen. Solche Behauptungen relativieren sich allerdings sehr angesichts der Tatsache, dass der durchschnittliche GMAT-Score der MBA-Studenten an der Columbia Business School bei 700, an der Stanford Graduate School of Business sogar bei extrem hohen 725 liegt.

Man kann es so sagen: Ein schlechter GMAT-Score bedeutet den Knockout, ein guter oder sehr guter ist aber noch keine Garantie, in ein MBA-Programm aufgenommen zu werden. Ein GMAT-Score zwischen 550 und 650 eröffnet realistische Chancen für die Aufnahme in ein gutes MBA-Programm, wobei die Erwartungen an US-Schulen etwas höher liegen als in Europa.

Warum ist der GMAT so wichtig? Für die Schulen ist das GMAT-Ergebnis, wie man etwa an der Business School IESE in Barcelona erklärt, "ein wichtiger Indikator des voraussichtlichen Erfolgs." Und an der City University Business School (CUBS) in London heißt es, er helfe zu ermitteln, "wie schnell ein potenzieller Student in dem MBA-Programm Leistung zeigen würde, und er streicht auch seine Schwächen heraus".

Umgekehrt ist der GMAT auch für den MBA-Bewerber von Nutzen. Denn wer beim GMAT Schwierigkeiten hat, der dürfte sie auch später beim Studium haben, vor allem in den USA, wo mehr Wert auf mathematisch-statistische Fähigkeiten gelegt wird. Damit ist der GMAT auch ein Selbsttest.

Knifflig ist die Frage, was man macht, wenn man beim ersten GMAT-Versuch schlecht abgeschnitten hat. Im Prinzip können MBA-Bewerber den Test beliebig häufig wiederholen. An der Wharton School in Philadelphia, die derzeit als die beste Business School der Welt gilt, empfiehlt man sogar ausdrücklich, den Test zu wiederholen, "wenn Sie glauben, dass Sie mit zusätzlicher Vorbereitung ihren Score verbessern können". Doch Achtung! Der Test-Ausrichter GMAC teilt den Business Schools die Ergebnisse sämtlicher GMAT-Tests mit, an denen man teilgenommen hat.

Der GMAT ist ein vollständig computerisierter Multiple-Choice-Test. Seine Besonderheit besteht aber nicht nur darin, dass er komplett am Computer-Schirm abgelegt wird. Er ist auch ein so genannter Computer-adaptive test (CAD), was bedeutet, dass der Computer nicht einfach von einer Multiple-Choice-Frage zur nächsten springt, sondern bei richtiger Beantwortung einer Frage zur nächstschwierigeren Kategorie. Damit wird das gute Abschneiden im GMAT auch zu einer Frage der richtigen Zeit-Strategie.

Der Test besteht aus einem mathematisch-analytischen Teil (quantitative skills), wo es darum geht, 37 Fragen in 75 Minuten zu beantworten. Daran schließt sich die "verbal sections" mit 41 Fragen an, wo in ebenfalls 75 Minuten sprachliche Fähigkeiten getestet werden. Und am Ende warten dann noch zwei "essay questions", für die jeweils 30 Minuten zur Verfügung stehen.

Man hat dem GMAT alles Mögliche vorgeworfen. "Er ist Ausdruck des US-amerikanischen Kulturimperialismus", meint etwa die deutsche MBA-Expertin Bärbel Schwertfeger. Natürlich wird das auf amerikanischer Seite heftig bestritten, auch wenn offenkundig ist, dass Länder, die mit Multiple-Choice-Tests und - amerikanischem - Englisch nicht vertraut sind, Nachteile haben. Doch auch die Deans einiger der führenden europäischen Business Schools wie der Spanier Carlos Cavallé vom IESE in Barcelona oder der Deutsch-Kanadier Kai Peters von der Rotterdam School of Management halten den Vorwurf der kulturellen Schlagseite für nicht gerechtfertigt.

Die echte oder vermeintliche Amerikalastigkeit des GMAT ist im Übrigen kaum erstaunlich: Die meisten der führenden Business Schools liegen dort, und auch das Graduate Management Admission Council (GMAC), die in einem Vorort von Washington D.C. beheimatete Organisation, die den GMAT konzipiert und organisiert, ist eine weitgehend US-amerikanische Veranstaltung.

Egal. Denn für jeden, der die Aufnahme an einer Business School anstrebt, sind solche Diskussionen eher theoretischer Natur. Für sie steht ganz pragmatisch die Frage im Vordergrund, wie man den GMAT am besten schafft.

"Die Antwort heißt Vorbereitung", sagt Gerhard Grueter, der derzeit an der renommierten Johnson Graduate School of Management der Cornell University ein MBA-Studium absolviert. Denn wie bei allen Intelligenztests hängt auch der Erfolg beim GMAT von der Vertrautheit mit einem bestimmten Typ von Fragen ab. Es ist also eine Frage des Trainings - im Übrigen auch des sprachlichen Trainings, denn wer schon die englische Frage sprachlich nicht versteht, ist von vornherein aufgeschmissen. Manche schwören sogar darauf, dass man den GMAT "schlagen" kann, indem man seine Struktur durchschaut.

Wie man sich vorbereitet, ist weitgehend eine Frage des persönlichen Geschmacks. Es soll Leute geben, die sich monatelang jeden Abend eine Stunde mit dem "Official Guide to GMAT Review" hingesetzt haben oder mit der "GMAT Powerprep Software" ausgestattet am Computer geübt haben. Die Software kann nach Registrierung kostenlos von der Website heruntergeladen werden (www.gmac.com). Der Regelfall ist wohl eher, sich mehrere Wochenenden komplett freizuhalten, um zu üben. Mittlerweile gibt es auch in Deutschland GMAT-Vorbereitungs-Seminare.

Die Frage, die sich jeder selbst beantworten muss, ist also: Welcher Weg und welche effiziente Nutzung einer raren Ressource, nämlich Zeit, führt zu dem besten Ergebnis? Damit wird die GMAT-Vorbereitung zur ersten Übung im (Selbst-)Management.

Quelle: Junge Karriere, weitere Informationen zum Thema MBA finden Sie auch unter www.jungekarriere.com/mba

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