Go verhandelt über 75 neue Flugzeuge
Easyjet und Go gemeinsam gegen Ryanair

Die beiden britischen Fluggesellschaften Easyjet und Go wollen zum größten europäischen Billiganbieter fusionieren. Der irische Konkurrent Ryanair reagiert erst einmal gelassen.

and LONDON. Im boomenden Markt der europäischen Billigflieger zeichnet sich ein Machtkampf ab. Die geplante Fusion der beiden britischen Fluggesellschaften Easyjet und Go Airline würde die größte Low-Cost-Airline in Europa formen und den irischen Marktführer Ryanair kräftig unter Druck setzen. Dieser hatte erst vor wenigen Monaten mit einer Flugzeug-Großbestellung einen milliarden-schweren Expansionskurs eingeschlagen. Mit der Luftfahrtkrise nach dem 11. September verzeichnen Billiganbieter auf den europäischen Kurzstrecken einen deutlichen Zuwachs bei den Passagierzahlen.

Ryanair-Chef Michael O'Leary reagierte am Wochenende zur möglichen Go-Übernahme durch Easyjet jedoch gelassen. Sein Unternehmen habe ein anderes Geschäftsmodell, so O'Leary, "darum wird die Kon-kurrenz immer höhere Preise und höhere Kosten haben". Easyjet-Chairman Stelios Haji-Ioannou will dagegen mit der Go-Übernahme in die Top-Klasse der Branche aufsteigen. We-der Go noch Ryanair seien für ihn die Wettbewerber am Himmel, so der gebürtige Grieche, sondern Na-men wie British Airways oder Air France. Sein Unternehmen, das durch aggressive Werbung und eine knallig orange Markenfarbe auffällt, plane mit dem Go-Kauf "die weitere Expansion im europäischen Kurzstreckenmarkt".

Überraschungscoup

Easyjet hatte am Freitag für einen Überraschungscoup in der Branche gesorgt, als die Billig-Airline in London bestätigte, sie sei "in exklusiven und fortgeschrittenen Gesprächen" mit den Go-Eigentümern über eine Übernahme des Rivalen. Wie es in Verhandlungskreisen hieß, laufen die geheimen Kontakte schon seit Monaten. Im Zentrum steht dabei die Londoner Venture-Capital-Gruppe 3i, die 67,5 % von Go besitzt. Zehn Prozent hält Barclays Privat Equity, 22,5 % sind in den Händen von 18 Go-Managern.

Diese stehen einer Übernahme keineswegs ablehnend gegenüber, wie das Handelsblatt aus Verhandlungskreisen erfuhr. "Da werden ja einige ganz schön Kasse machen", sagte ein Insider. Go war erst 1998 von British Airways für 110 Mill. Pfund verkauft worden. Schon da-mals hatte sich Haji-Ioannou für die Airline interessiert, war aber nicht zum Zuge gekommen. Nun muss er nach Einschätzungen von Marktbe-obachtern rund das Drei- bis Vierfa-che für den Billigflieger bezahlen. Allein Go-Chefin Barbara Cassani, die 4 % an ihrem Unternehmen besitzt, dürfte mindestens 10 Mill. Pfund bekommen.

Analysten skeptisch

Zum Kaufpreis äußerte sich keine der beteiligten Parteien. Analysten zeigten sich skeptisch, wie Easyjet die Übernahme finanzieren will. Das Unternehmen bereitet momentan eine Kapitalerhöhung vor, ist in London zu hören. Der Aktienkurs des Billigfliegers, der erst seit Herbst 2000 an der Börse ist, legte nach der Bekanntgabe am Freitag um fast fünf Prozent zu. Das Unternehmen hat momentan einen Börsenwert von 1,4 Mrd. Pfund.

Scheinbar will auch Chairman Haji-Ioannou, der mit seiner Familie auch größter Aktionär von Easyjet ist, Kasse machen. Er hatte erst vor kurzem seinen Rückzug von dem Führungsposten angekündigt. Er will angeblich in Kürze Aktien im Wert von 100 Mill. Pfund verkaufen. Die Finanzierung seiner Easygroup, zu der Autovermietungen und Internetcafes in Europa gehören, ist wenig durchsichtig und wird wohl durch die Einnahmen einer Reederei des Milliardärs Haji-Iannou gespeist.

Chance für Wachstumsschritt

Nach Ansicht von Experten macht eine Fusion der beiden Airlines wirtschaftlich durchaus Sinn. "Das ist eine große Chance für einen großen und schnellen Wachstumsschritt", so ein 3i-Sprecher. Beide Billigflieger haben ein ähnliches Geschäftsmodell: Sie fliegen ohne großen Service direkt Metropolen in Europa an und setzen auf Geschäftsreisende. Ryanair dagegen sucht sich vor allem kostengünstige, aber abgelegene Flughäfen in der Region und bedient vor allem Freizeittouristen.

Sowohl Go als auch Easyjet nutzen Maschinen vom Typ Boeing 737. Beide verhandeln derzeit mit Boeing und Airbus über eine Großbestellung. Nach Angaben des Wall Street Journal Europe verhandelt Airbus mit Go über den Verkauf von rund 75 Passagiermaschinen mit 130 bis 190 Plätzen. Eine Airbus-Sprecherin bestätigte dies. Das Geschäft würde sich nach Katalogpreisen auf rund 3,3 Mrd. Euro belaufen. "Die Fusion würde die Flugzeugbauer kräftig unter Druck setzen", sagte ein Londonder Analyst. Gemeinsam hätten beide Fluglinien rund 56 Flugzeuge und jährlich mehr als 12 Mill. Passagiere.

Eine Fusion ergeben Einspareffekte bei Verbindungen in Großbritannien sowie Urlaubszielen in Frankreich und Spanien. Die übrigen Destinationen ergänzen sich nach Expertenansicht zu einem dichten Streckennetz in Europa.

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