"God bless America"
1. Kickoff nach den Terroranschlägen

Dem amerikanischen Sport wurde wieder Leben eingehaucht. Sechs Tage nach den grausamen Terrorakten in New York und Washington folgte am Montag die Major League Baseball (MLB) als erstes Profi-Unternehmen der Aufforderung von US-Präsident George Bush, "zur Arbeit zurückzukehren".

dpa LOS ANGELES. Im Eishockey wurde mit sieben Partien die Vorbereitung auf den am 3. Oktober beginnenden Titelkampf wieder aufgenommen. Der erste Kickoff in der National Football League (NFL) soll nach der erstmaligen Streichung eines Spieltags am Wochenende ausgeführt werden.

Die Ballparks glichen einem gigantischen rot-weiß-blauen Fahnenmeer. Die Fans schwenkten frenetisch die Nationalflagge und drapierten damit die Stadionwände. Die Spieler trugen das "Star Bangled Banner" auf dem Rücken ihrer Trikots und auf ihren Basecaps. Mit Herz zerreißenden Zeremonien, wie sie der US-Sport letztmals bei seiner Renaissance nach dem Ersten Weltkrieg erlebt hatte, wurde den tausenden Opfern der heimtückischen Anschläge gedacht. "USA, USA" schallte es minutenlang durch die Arenen, als die letzten Töne der Nationalhymne und von "God Bless America" verklungen waren.

21 Salutschüsse ließen den Abendhimmel vor über 30 000 Augenzeugen in St. Louis erschüttern, wo vor dem Duell im "Busch Stadium" zwischen den gastgebenden Cardinals und den Milwaukee Brewers (2:1) 600 Feuerwehrleute und 400 Polizisten ihren getöteten Kollegen im World Trade Center die Ehre erwiesen. In Pittsburgh, wo die Pirates unplanmäßig auf die New York Mets (1:4) trafen, wurden an 28 000 Zuschauer kleine Buttons mit dem Aufdruck "I love New York" verteilt.

"Wir sind jetzt alle New Yorker. New Yorker haben ein großes Herz", war in großen Lettern auf Plakaten zu lesen. Vor den Einlasstoren sammelten die Anhänger über 100 000 Dollar für einen Rettungsfond der Polizisten und Feuerwehrleute. Ursprünglich sollten die Mets vor heimischem Publikum spielen. Ihr "Shea Stadium" dient jedoch noch als zentraler Anlaufpunkt für die Rettungsarbeiten in Manhattan.

"Dass wir wieder spielen, ist unser größter Sieg. Baseball ist Leben, und das haben wir jetzt zurück", sagte Mets-Star Mike Piazza, der wie jeder andere Stadionbesucher durch die strengen Sicherheitskontrollen musste. Der Catcher musste sein Portemonnaie öffnen und seine Tasche durchsuchen lassen. Die Anzahl der Polizei und Sicherheitskräfte, die zudem erstmals mit Bomben-Spürhunden arbeiteten, wurden in allen Ballparks verdoppelt. Mit größeren Taschen, Rucksäcken oder Getränkekühlern gab es keinen Einlass mehr.

Etwas Gutes hatte die spielfreie Zeit aber auch. Die NFL hat sich mit ihren 119 Schiedsrichtern in Gehaltsfragen geeinigt, so dass die "Zebras" am Sonntag und Montag wieder das Sagen auf dem Feld haben. Da sich ihre Forderungen nach mehr Geld nicht erfüllten, waren sie stur geblieben und hatten für den ersten Eklat der am 9. September begonnenen Saison gesorgt. Anstelle der streikenden NFL-Referees hatten Schiedsrichter aus der College-Liga und NFL-Europe die Partien des 1. Spieltags geleitet.

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