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«Göttliche» Griechen vor Fußball-Olymp

Porto (dpa) - Sie machten die «La Ola»-Welle mit den Fans, skandierten «Olé» und feierten das Unentschieden gegen Titelkandidat Spanien wie einen Sieg. Doch Trainer Otto Rehhagel und die griechischen Medien mahnen vor dem Showdown gegen Russland zur Vorsicht.

Porto (dpa) - Sie machten die «La Ola»-Welle mit den Fans, skandierten «Olé» und feierten das Unentschieden gegen Titelkandidat Spanien wie einen Sieg. Doch Trainer Otto Rehhagel und die griechischen Medien mahnen vor dem Showdown gegen Russland zur Vorsicht.

Durch das 1:1 in Porto gegen die Iberer benötigen die Hellenen nur noch einen Punkt, um sicher zum ersten Mal in das Viertelfinale einer Fußball-Europameisterschaft einzuziehen. «Die Jungs sollen sich jetzt zwei Tage wahnsinnig freuen - dann müssen sie den Kopf frei haben für das Spiel gegen die Russen», meinte der überglückliche Rehhagel, nachdem Angelos (deutsch: Engel) mit seinem Ausgleichstreffer die «göttlichen» Griechen auf Wolke 7 weiter Richtung Fußball-Olymp schweben ließ und tausende Fans auf die Athener Straßen trieb.

Eng könnte es indes für die Spanier werden - allen voran für Trainer Iñaki Saez. Mit vier Zählern liegen sie punktgleich in der Gruppe A hinter den Griechen und vor dem nächsten Gegner Portugal (3), so dass es in Lissabon zum gefürchteten und alles entscheidenden Duell der beiden iberischen Titelkandidaten kommt.

Erst Portugal mit einem 2:1 gestürzt, dann Spanien mehr als ins Stolpern gebracht. «Rehhagels Piraten treiben alle zum Wahnsinn», titelte die griechische Sportzeitung «Sporttime». Und «Goal» schrieb: «Eine neue griechische Sage. Wenn das ein Traum ist, weckt uns nicht!» Die Kommentatoren warnen aber vor Übermut und erinnern an das russische 6:1 im letzten WM-Gruppenspiel 1994 gegen Kamerun - damals ging es für die Russen ebenfalls um nichts mehr.

Ein böses Erwachen will Rehhagel unbedingt vermeiden. Gegen die bisher tor- und punktlosen Russen, die ohne Chance aufs Weiterkommen sind, fordert der 65 Jahre alte Trainerfuchs mehr Übersicht und Souveränität. «Wir konnten uns in den letzten 20 Minuten der Partie nicht vom Druck der Spanier und aus den Spielsituationen befreien. Das ist noch ein Manko, das wir beheben müssen», betonte Rehhagel.

Maßgeblichen Anteil am Teilerfolg, der das Tor zum Viertelfinale sperrangelweit aufstieß, hatte neben dem früheren Coach des SV Werder Bremen ausgerechnet Charisteas. «Goldenes Tor von Charisteas gibt goldenes Unentschieden mit Spanien», meinte die politisch orientierte Zeitung «Eleftherotypia». Doch auch der Bremer Edelreservist wird nicht übermütig. «Gegen Russland wird es schwierig. Nur weil wir noch ungeschlagen sind, sind wir nicht automatisch der Favorit auf den Einzug ins Viertelfinachtel», meinte der 24-Jährige.

Die spanischen Medien gingen mit dem 61 Jahre alten Sáez bereits ziemlich hart ins Gericht, nachdem er mit derselben Formation begann wie beim wenig überzeugenden 1:0 gegen Russland. Er ließ «Joker» Juan Carlos Valéron einen Tag vor dessen 29. Geburtstag bis zur 65. Minute auf der Bank schmoren. «Unentschieden wegen Dickköpfigkeit», meinte die Zeitung «Marca».

Einen Gang zurückschalten können die Spanier gegen ihren Nachbarn nicht, nachdem König Juan Carlos neben dem portugiesischen Staatschef Jorge Sampaio den Führungstreffer gegen die Griechen durch Fernando Morientes (28.) hatte bejubeln dürfen. «Dieses Resultat ist nicht gut für uns», gab Coach Sáez hinterher zu, «wir werden den Rest der Woche unter Hochspannung stehen.» Die Sportzeitung «Marca» schrieb: «Wir müssen nun leiden und schwitzen wie nie zuvor gegen Luis Figo & Co.»

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