Götz Werner ist Inhaber und Chef der Drogeriemarktkette dm
Anthroposoph und Unternehmer

Seine Methoden sind ungewöhnlich, sein Erfolg auch. Werner hat aus dm in Deutschland die Nummer zwei der Drogeriemärkte gemacht - und ist dabei auf dem Teppich geblieben.

KARLSRUHE. Götz Werner ist Optimist und dazu noch sehr bescheiden. "Ich hatte das Glück, ganz bei null anzufangen." So ein Satz passt zu dem Inhaber und Geschäftsführer der Karlsruher Drogeriemarktkette dm - und er sagt ihn häufig.

Der 59-Jährige präsentiert sich seinen Gesprächspartnern nicht als überheblicher, erfolgsverwöhnter Unternehmer. Er kommt als maßvoller Mensch rüber, als jemand, der sich als einer von vielen Mitarbeitern seines Unternehmens sieht. Wie als Zeichen für diese Philosophie trägt er stets eine kleine dm-Anstecknadel am Revers seines Jacketts.

Seine Mitarbeiter sind für Werner der wesentliche Erfolgsfaktor seines Unternehmens, das er vor 30 Jahren gegründet und zur Nummer zwei in der Branche gemacht hat. Zwar seien auch die Standorte, Produkte und Preise von Bedeutung. Doch die Angestellten seien das Differenzierungsmerkmal gegenüber seinen Wettbewerbern. "Mit Preisen allein kann man keine Schlacht gewinnen", stellt sich Werner gegen den momentanen Billigtrend.

Branchenbeobachter bestätigen, dass sich dm seit Jahren besser als seine Wettbewerber entwickelt. Die Flächenrentabilität liegt deutlich über der des Marktführers Schlecker. Jahr für Jahr steigert dm seinen Umsatz im zweistelligen Prozentbereich. Auch im laufenden Jahr soll er sich von 2,6 Milliarden Euro (inkl. Auslandsgeschäft) trotz Wirtschaftsflaute um rund acht Prozent erhöhen, die Zahl der deutschen Filialen um etwa 50 auf 667.

Werner folgt einer Strategie, die in keinem BWL-Lehrbuch steht. Er spricht von einer "ästhetischen Unternehmensführung" und meint ein "wahrnehmungsgeleitetes Management". So bringt er künstlerische Ansätze ins Unternehmen, indem er Auszubildende auf Theaterworkshops schickt, um ihnen Schlüsselqualifikationen zu vermitteln. "Jeder Mitarbeiter muss sich nicht nur einbringen, er muss sich auch ausdrücken können."

Verantwortung ist ein Wort, das er häufig benutzt. Der Chef von weltweit knapp 20 000 Mitarbeitern handelt nach der Lehre der Anthroposophie, der Menschenweisheit, nach der jede Erkenntnisfähigkeit entwicklungsfähig ist. Deshalb hat er seine sieben Kinder in die Waldorfschule geschickt.

Ein esoterischer Spinner ist er deshalb keineswegs. Geschäftspartner bestätigen seine große Professionalität. "Götz Werner hat geschafft, was in Deutschland noch eine Seltenheit ist: Er hat eine Handelsmarke etabliert", sagt Michael Gerling, Geschäftsführer des Kölner Euro-Handelsinstituts.

Trotz des Erfolgs hat Werner nicht die Bodenhaftung verloren. Der Ex-Leistungssportler - er hat im Einer gerudert - sieht das Erreichte als Befriedigung und als Ansporn zugleich. Das Geld, das er verdient habe, mache nur den Erfolg sichtbar, findet er. Luxus ist ihm fremd. Er fährt nicht mit dem Dienstwagen zu seinen Terminen, sondern mit dem Zug. "Ich habe keine Grillen im Kopf", sagt er schmunzelnd und hält seine Hände einmal ruhig im Schoß. Mit den "Grillen" meint er einen "Sammeltrieb oder Derartiges".

Branchenkollegen würden es aber als Luxus bezeichnen, dass Werner weitgehend autark in seinem Unternehmen wirken kann: Er ist alleiniger Geschäftsführer, obwohl das Firmenkapital zur Hälfte bei dem zweiten Gesellschafter, Günther Lehmann, liegt.

Werner ist Unternehmer durch und durch. Für ihn gibt es keine Trennung zwischen Arbeit und Freizeit. Das sei keine Frage der Zeit, sondern der Einstellung, sagt der Badener. "Man darf sich eben nicht ablenken lassen" - von Hobbys wie Golf oder der Jagd, "autistischen Sportarten eben". Der schlanke, große Mann verbringt seine Freizeit lieber mit seiner Familie. Möglich, dass diese Einstellung sein Erfolgsrezept ist.

Geschäftspartner nennen ihn authentisch. So will er sich in keine Abhängigkeiten begeben. "Man muss sich freimachen von äußerlichen Konventionen", sagt er. Deshalb habe er keine Laster. "Trotzdem bin ich beim Essen kein Kostverächter", merkt er fast entschuldigend an. "Aber ich kann auch problemlos drei Wochen fasten."

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VITA

Götz Werner wird im Februar 1944 als Sohn einer Drogistenfamilie geboren. Nach der mittleren Reife und einer Lehre zum Drogisten arbeitet er für Drogerieunternehmen. Als 1973 die so genannte "Preisbindung der zweiten Hand" fällt, die Produzenten dem Handel also keine Preise mehr vorschreiben dürfen, gründet Werner im Alter von 29 Jahren seinen eigenen Laden. Die Idee der Drogeriemarktkette - kurz dm - ist geboren. Bis heute sind etwa 1370 Filialen weltweit hinzugekommen. Werner ist bekennender Anthroposoph und stellt den Menschen bei seiner Unternehmensführung in den Mittelpunkt. Er ist in zweiter Ehe verheiratet und Vater von sieben Kindern, die er auf Waldorfschulen schickt.

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