Going-Public-Pläne zurückgestellt
Auch für den Bankkredit muss sich das Unternehmen neu qualifizieren

Eine KPMG-Studie kam kürzlich zu dem Schluss, dass der Zugang zum Kapitalmarkt und die Nutzung seiner Möglichkeiten für die mittelständischen Unternehmen künftig zu einem - wenn nicht zu dem - Schlüssel ihres Erfolges wird.

HB DÜSSELDORF. Obwohl die neuen Eigenkapitalrichtlinien des Baseler Bankenausschusses erst 2006 in Kraft treten sollen, wenden zumindest alle Großbanken längst die Basel II-Kriterien zur Bonitätsbeurteilung an.

Als Folge der schwierigen Konjunktur und ihres veränderten Risikobewusstseins haben die Banken ihre Kredite seit Mitte 2001 erheblich zurückgefahren. Für die mittelständischen Firmen bieten die Herausforderungen von Basel II aber auch Chancen - Chancen zur Verbesserung von Qualität und Transparenz der Unternehmensführung und zu einer stärkeren Inanspruchnahme der Kapitalmärkte. Wer sich rechtzeitig auf die neuen Umstände einstellt, kann von den Veränderungen an den Kredit- und Kapitalmärkten profitieren.

Akuter Handlungsbedarf ist jedoch gegeben. Charakteristisch für den deutschen Mittelstand ist nämlich nicht nur die geringe Eigenkapitalausstattung, sondern auch die Neigung zur Verschlossenheit und infolgedessen die oft fehlende Fähigkeit, nach außen verständlich und überzeugend aufzutreten. Bisher genügte die traditionell enge Verbindung zur Hausbank. Heute sind professionelle Creditor Relations gefragt - also offene und aktive Kommunikation mit den Kreditgebern.

Zu den neuen Anforderungen gehört neben dem Ausbau der Controlling-, Risikomanagement- und Risikofrüherkennungssysteme die kontinuierliche Information über die eigene wirtschaftliche Situation. Dabei müssen quantitative und qualitative Aspekte des Unternehmens transparent gemacht kommuniziert werden. Die quantitativen Faktoren lassen sich an Hand des Jahresabschlusses, der Rentabilitäts- und Cash-Flow-Kennzahlen und der Branchenvergleichszahlen eindeutig bestimmen, soweit diese Zahlen übersichtlich präsentiert werden.

Wichtiger für die Entscheidung der Banken sind die so genannten "soft skills", die qualitativen Faktoren - die auch im hohen Maße den Wert eines börsennotierten Unternehmens beeinflussen. Dazu gehören die Kompetenz und die Erfahrung des Managements, Marktstellung, Wettbewerbsfähigkeit und Zukunftsaussichten des Unternehmens und nicht zuletzt die Qualität seiner Informationen über die wirtschaftlichen Verhältnisse.

Die Fülle der Daten und qualitativen Aussagen sollte in einem Factbook aufbereitet werden. Diese Darstellung des Businessmodells hilft nicht nur bei der Vorbereitung des internen Bankenratings, sondern wird auch für die Zusammenarbeit mit einer Ratingagentur vorausgesetzt. Unabhängig von der gewählten Finanzierungsquelle - ob Aktie oder Kredit - wird Rating für jeden Mittelständler unumgänglich. Die Vorbereitung sollte deshalb veranlassen, die eigenen Strukturen und Kontrollsysteme zu optimieren.

Wer einen Kreditgeber überzeugen will, muss für sich und seine Zukunftsperspektive werben können. Dabei wird sich ein Banker weniger für die Spezifika der thermischen Oberflächenbehandlung eines Maschinenbauteils interessieren als vielmehr für die Konkurrenzfähigkeit und Zukunftsaussichten dieses Produkts. Der Mittelstand muss also lernen, in der Kommunikation mit den Banken "die Brille" der Kreditgeber aufzusetzen. Eine höhere Professionalität wird aber auch in anderen Bereichen walten müssen, etwa bei der Kommunikation über die Unternehmens-Homepage, die für alle Zielgruppen die richtigen Informationen bereitstellen sollte.

Axel Haubrok ist Vorstandsvorsitzender der Haubrok AG in Düsseldorf.

Quelle: Handelsblatt

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