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Goingpublic Kolumne: Management-Können à la DFBDPA-Datum: 2004-07-14 13:49:31

Wolfratshausen (Goingpublic.de) - Lebt Rudi Gutendorf noch? Ja, in der Nähe von Koblenz. Man sollte den rüstigen Trainer darauf vorbereiten, dass ihn bald ein Anruf des Deutschen Fußballbundes (DFB) ereilen wird: Nach Absage der bislang gehandelten Kandidaten läuft alles auf ihn zu.

Wolfratshausen (Goingpublic.de) - Lebt Rudi Gutendorf noch? Ja, in der Nähe von Koblenz. Man sollte den rüstigen Trainer darauf vorbereiten, dass ihn bald ein Anruf des Deutschen Fußballbundes (DFB) ereilen wird: Nach Absage der bislang gehandelten Kandidaten läuft alles auf ihn zu.

In seiner Karriere, die ihn vom SV Renksdorf (Kreisklasse) bis auf die Nationaltrainerposten unter anderem von Tibet, Antigua und Botswana führte, hatte er es zumeist mit untalentierten Fußballern zu tun. Das ist die mit Abstand beste Vorbereitung auf die deutschen Rumpelkicker. Derzeit trainiert Rudi, der Diplomat im Trainingsanzug, die Toto-Lotto-Auswahl Rheinland-Pfalz. Da sollte die Vertragsauflösung keine unüberwindbare Hürde darstellen. Derzeit stehen in Gutendorfs Vita 54 Trainerstellen. Seine Frau wird bestimmt nichts dagegen haben, dass er das runde Jubiläum voll macht.

Böse Zungen behaupten ja, die Trainersuche sei Spiegelbild der Managementqualität in Deutschland. Das ist wirklich arg gehässig. Schließlich kann DFB-Präsident Gerhard Mayer-Vorfelder (MV) nichts dafür, dass dem Otmar Hitzfeld seine Frau es ihrem Mann nicht erlaubt hat. Dem Gedanken, den Job Otto Rehhagel anzubieten, liegt indes ein Denkfehler zugrunde: Der Mann ist nicht mit Griechenland Europameister geworden, obwohl er kein Griechisch spricht, sondern weil: Alle anderen Nationen hatten einen Coach, den die Spieler verstanden. Darüber sollte man mal nachdenken. Der DFB besteht aber auf einen Trainer, der fließend Deutsch spricht. Damit scheiden auch Lothar Matthäus und Max Merkel aus.

Mittlerweile haben ein Dutzend Übungsleiter, die gefragt wurden, abgesagt. Dazu kommen fünf Dutzend, die nicht gefragt wurden. Unter anderem Holger Osieck, was man sich auf der Zunge zergehen lassen muss. Tina Theune-Mayer hat auch keine Lust, weil sich Birgit Prinz keiner Geschlechtsumwandlung unterziehen will. Ohne guten Stürmer macht es wirklich keinen Sinn. Zyniker haben Bernd Stange nach dessen Rückkehr aus dem Irak vorgeschlagen, mit der Begründung, er könne so gut mit Diktatoren. Doch diese Diskussion hat MV unter Androhung von Kerkerhaft gleich unterbunden.

Winnie Schäfer, das ist der, in dessen Frisur nach Informationen des Fachdienstes "blutgraetsche" bedrohte Vogelarten aus Kamerun nisten, wurde deswegen von Greenpeace vorgeschlagen. Doch die Kameruner, die mit einteiligen Fußballanzügen Fifa-Chef Sepp Blatter so erregten, geben ihn nicht frei. Nein, alles läuft auf Rudi Gutendorf zu, zumal Detmar Cramer nicht mehr unter uns weilt. Das muss man MV und der Findungskommission vorwerfen: Auf diese nahe liegende Lösung hätte man gleich kommen können. Und damit viel Schaden vom Standort Deutschland abwenden können.

Im Ausland sorgt die Personal-Posse allseits für Erheiterung. Das ist nicht wirklich lustig. Und auch die Sponsoren, die nationalen Förderer, dürften nicht vollumfänglich glücklich sein. Imagetransfer stellt man sich anderen Inhalts vor. Bislang galt Deutschland als ein Ort, an dem man, wenn schon nicht inspiriert kicken, so aber doch ordentlich organisieren, produzieren und entscheiden kann. Dieses Image leidet durch das höchst öffentlichkeitswirksame DFB-Scheitern. Von daher sollte der Posten schnellstens besetzt werden.

Ach ja, noch etwas spricht für Rudi Gutendorf: Er kann fließend auf vier Sprachen und stockend in Suaheli erklären, warum sein Team verloren hat. Das ist gerade bei internationalen Turnieren wichtig.

Goingpublic ist allein für die Inhalte der Kolumne verantwortlich. Informationen zu einzelnen Unternehmen stellen keine Aufforderung zum Kauf bzw. Verkauf von Aktien dar. Die Kolumne erscheint wöchentlich in Zusammenarbeit mit dpa-AFX.

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