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GoingPublic Kolumne: Warum Fußball-Aktien kein Kauf sind

WOLFRATSHAUSEN (GoingPublic.de) - Fußball ist immer das Gleiche, wussteschon des Vereinten Königreichs Wunderstürmer Gary Lineker: 22 Mann balgen sichum einen Ball, der Schiri macht eine ganze Menge dumme Fehler, und am Endegewinnt Deutschland. Heute würde der Angreifer wahrscheinlich andersformulieren. Etwa: Und am Ende fallen die Aktienkurse.

Fußball-Aktien zu besitzen sei in etwa so amüsant wie seine KreditkartenIvana Trump zu überlassen, bilanzierte jüngst ein Händler in London, als er denFTSE Soccer-Index betrachtete. Allein in den vergangenen drei Jahren verlorendie Kick-Aktien in Großbritannien zwei Drittel ihres ohnehin ausgebombtenWertes. In Italien und bei Borussia Dortmund sieht es nicht gerade besser aus.

Woran liegt?s? An erster Stelle ist das verblüffende Rekrutierungsschema fürleitende Positionen zu nennen. Noch immer reicht es aus, gut kicken zu können,um als Manager, Trainer, Sportdirektor, Merchandising-Verantwortlicher oderChef-Scout geeignet zu erscheinen.

Das mag bei zwei, drei Lichtgestalten funktionieren - doch in der Masse gehtdiese Annahme fehl. Woher auch sollte ein ehemaliges Kopfball-Ungeheuer dieKenntnisse haben, die andere nach Studium, Auslandsaufenthalt, Trainee-Programmund MBA-Zusatzqualifikation besitzen? Die Fußball-Clubs brauchen viel mehrbetriebswirtschaft- und sportwissenschaftlichen Sachverstand, als sie auch nurim entferntesten ahnen. Eine Folge dieses ungenügenden Management-Levels: Eswerden zumeist emotionale Entscheidungen getroffen. Und diese überwiegend zumfalschen Zeitpunkt.

Ansonsten gilt: Wer in einer Fußball-Liga spielt, braucht keine Feinde mehr.Jean-Paul Sartre sagte einst, Fußball sei ein einfaches Spiel, nur dieAnwesenheit des Gegners verkompliziere die Sache ungemein. Die Clubs in Europabenötigen noch nicht einmal Gegner wie die EU-Kommission: Gerne grätscht mansich unter seinesgleichen in die Hacken. Die Unfähigkeit, gemeinsam Ziele zuverfolgen, kostet viel Geld. Wie sich Schalke-Manager Rudi Assauer aggressiveine Mannschaft zusammenkaufen will, darf als Paradebeispiel gelten: Einer machtimmer die Preise kaputt. Von den Gil y Gils, Stronachs, Abramovichs oderBerlusconis dieser Welt ganz abgesehen.

Daneben gibt es strukturelle Probleme: Es können zum Beispiel nur acht Clubsunter die letzten Acht in der Champions-League kommen. Wenn vier britische, vierspanische, vier italienische, zwei deutsche, drei türkische, zweiniederländische, drei portugiesische und zehn weitere Clubs aus verschiedenenLändern aber eben genau das als Saisonziel ausgeben, muss es Verlierer geben.Man sollte meinen, diese Erkenntnis sei recht eingängig, doch jedes Jahr gibt esdas gleiche Wehklagen über ebenso verpasste wie fest einkalkulierte Einnahmen.

Und dann sind da noch die Führungsspieler. Auf dem Platz sollen sie Spieleentscheiden, aber hinterher im Interview als Durchschnittsangestelltediplomatische Antworten geben und natürlich auch sonst schön brav sein. Esgehört überhaupt zu den Grundmißverständnissen der Branche, von 25 jungenMännern auf einem Haufen, fern der Heimat und mit viel zu viel Geld in derTasche zu verlangen, sich immer so zu benehmen, dass es am nächsten Tag nicht in"Bild", der "Gazzetta dello Sport" oder dem "Daily Mirror" steht.

Fazit: Fußball-Aktien sind nicht nur derzeit keine Anlage-Alternative,sondern auf lange Sicht zu vernachlässigen. Dies gilt auch für Anleihen. Nichtsdeutet darauf hin, dass ein breit angelegter Lernprozess in der Brancheeingesetzt hätte, um den Berg an Problemen abzuarbeiten.

Die GoingPublic Kolumne ist ein Service des GoingPublic Magazins,Deutschlands großem Kapitalmarktmagazin. Bezogen werden kann das Magazin unterwww.goingpublic.de. GoingPublic ist allein für die Inhalte der Kolumneverantwortlich. Informationen zu einzelnen Unternehmen stellen keineAufforderung zum Kauf bzw. Verkauf von Aktien dar. Die Kolumne erscheintwöchentlich in Zusammenarbeit mit dpa-AFX.

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