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«Gold des Meeres» - Bernstein-Saison an der KüsteDPA-Datum: 2004-06-26 16:54:49

Friedrichskoog (dpa) - Wenn die Frühjahrsstürme aus Nordwest bis Südwest toben und die Nordsee aufwühlen, werfen sie das «Gold des Meeres» an die Küste. Dann kommen die Bernstein-Sammler an Schleswig-Holsteins Strände: Angestrengt schauen sie zu Boden und stochern im Sand, heben etwas auf, halten es prüfend gegen das Licht, werfen es oder stecken es ein.

Friedrichskoog (dpa) - Wenn die Frühjahrsstürme aus Nordwest bis Südwest toben und die Nordsee aufwühlen, werfen sie das «Gold des Meeres» an die Küste. Dann kommen die Bernstein-Sammler an Schleswig-Holsteins Strände: Angestrengt schauen sie zu Boden und stochern im Sand, heben etwas auf, halten es prüfend gegen das Licht, werfen es oder stecken es ein.

«Viele Kinder bessern mit dem Bernstein ihr Taschengeld auf», sagt Bernsteinschleifer Anton Köllmann aus Friedrichskoog in Schleswig- Holstein. Der 58-Jährige kauft den Jungen und Mädchen regelmäßig ihre Funde ab. Auch Krabbenfischer bringen ihm Bernstein, der ihnen als «Beifang» ins Netz gegangen ist. Nordsee-Bernstein wird am häufigsten vor St. Peter-Ording und Büsum (Schleswig-Holstein) und an der dänischen Westküste (Jütland) gefunden, aber auch vor den ost- und nordfriesischen Inseln.

Bernstein entstand vor 40 bis 50 Millionen Jahren in den moorigen Waldgebieten Südskandinaviens. Es ist das Harz einer Kiefernart aus dem Tertiär, dem Zeitalter der Säugetier-Entwicklung. Der meist hell- bis goldgelbe Nordseebernstein fühlt sich warm und weich an. Er ist nur wenig härter als Gips und nur etwas schwerer als Wasser (Dichte um 1,07), schwimmt also im Salzwasser.

Köllmann hat kistenweise Rohbernsteine in seiner Werkstatt gelagert. Häufig wird ihm auch jüngeres Baumharz zum Kauf angeboten, so genanntes Kopal. «Kopal sieht aus wie Bernstein, ist aber keiner», sagt der 58-Jährige: Einige zehntausend Jahre alt und noch nicht völlig zu Bernstein umgebildet. Kopal zerbröselt und brennt im Gegensatz zu Bernstein nicht, sondern schmilzt in der Flamme. Denn der Name «Bernstein» bedeutet ursprünglich «Brennstein». Köllmann erkennt echten Bernstein sofort: «Ich muss den Stein nur in die Hand nehmen, dann fühle ich es.»

Auch so genannter Press-Bernstein wurde ihm schon von Urlaubern zum Prüfen gebracht: Das sind minderwertige Bernsteinstückchen, die auf 320 Grad erhitzt und bei einem Druck von 400 bar in Formen gepresst werden. Press-Bernstein ist zwar kein «Naturbernstein», doch darf ihn der Handel als «echten Bernstein» verkaufen. «Man kann auch Spinnen oder Insekten mit hinein tun, um ihn wertvoller erscheinen zu lassen», sagt Köllmann. Sammler zahlen viel Geld für «Inklusen» - so das Fachwort für Einschlüsse. Schon im 18. Jahrhundert versuchten Betrüger, Eidechsen oder Frösche in Bernstein einzuschließen.

Im Samland (Ostpreußen), das heute zu Russland gehört, wird Bernstein heute im Tagebau gewonnen. In Polen wird er häufig mit Spülbohrungen aus tiefer gelegene Schichten illegal hochgespült und dann von der Oberfläche abgesucht. Kürzlich zog die russische Polizei in Kaliningrad (früher Königsberg) mehr als neun Tonnen Bernstein aus dem Verkehr. Bei einem Geschäftsmann wurden 8,2 Tonnen gefunden, ein anderer Einwohner hatte 1,2 Tonnen zu Hause versteckt. In beiden Fällen fehlten Dokumente über die Herkunft des Bernsteins.

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