Gold für Obergföll, Hoffen auf Friedrich
Nur ein Lichtblick für die Leichtathletik

Der Druck war immens. Immerhin hatte ein deutscher Funktionär bereits eine "nationale Katastrophe" für den Fall angekündigt, dass die deutschen Leichtathleten keine Medaille gewännen. Zwei sollten es mindestens werden. Nummer eins hat Christina Obergföll geliefert, Hochspringerin Ariane Friedrich soll die Bilanz aufbessern.

PEKING. Dass es ein Zweikampf werden würde, machte schon das Einwerfen deutlich. So lässig wie möglich schleudert Christina Obergföll ihren Speer an die 65-Meter-Marke. Bloß keine Schwäche zeigen, so tun, als ob sie längst nicht alles in diesen Wurf gelegt hätte. Auch Barbora Spotakowa beherrscht dieses Spiel, ihr Speer fliegt weiter. "Speerwerfen wird im Kopf entschieden", sagt Obergföll. Sie ist als erste an der Reihe: 66,13 Meter. Damit erreicht sie sicher den Endkampf, zufrieden aber ist sie nicht. Sie sucht Hilfe bei ihrem Trainer, der bedeutet ihr, dass sie den Speer zu steil angestellt habe. Steiler als vor zwei Tagen in der Qualifikation, als ihr gleich im ersten Versuch 67,52 Meter gelangen.

Während sie nun beim Trainer in der Kurve steht, wirft die Russin Maria Abakumowa 69,32 Meter - russischer Rekord und acht Meter mehr als bei der WM vor einem Jahr. "Was geht denn hier ab", denkt Obergföll, als auch noch Spotakowa Landesrekord wirft - 69,22 Meter. Da weiß sie schon, dass auch sie weiter als je zuvor werfen muss, um zu gewinnen. Ihre Bestweite liegt bei 70,20 Meter - das ist Europarekord.

"Es ist ein irrsinnig geniales Gefühl, wenn der Speer richtig weit fliegt, wie an der Schnur gezogen", beschreibt Obergföll ihre Entscheidung fürs Speerwerfen. Nur fliegt ihr Speer auch im zweiten Versuch nicht wie an der Schnur gezogen. Weil sie die Speerspitze beim Anlauf nicht nah genug am Kopf geführt hat, ist das Gerät außerhalb des Sektors gelandet. Ungültig. Dabei hatte sie doch vor zwei Tagen gesagt, dass sie körperlich in der Form ihres Lebens sei. "Aber wenn man unbedingt will, geht's manchmal nicht." Und sie will unbedingt. Aber ihr misslingt der Wurf, weil die Flugkurve zu steil ist - nicht mal über 64 Meter.

"Speerwerfen ist ein Zusammenspiel von Kraft, Schnelligkeit und Technik. Diese komplexe Bewegung macht es so einzigartig", erklärt sie. Aber dann fängt es an zu regnen. Es wird rutschig, die komplexe Bewegung gestört, "meine Beine waren ganz schön knuffig", sagt Obergföll später.

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