Gold im Visier
Kanuten hoffen auf Playboy-Bunny

Trainer-Aufstand, geheime Software und sogar ein paar Zauberkräuter: Die deutschen Slalomkanuten schöpfen für die Rückkehr auf den Olympia-Thron alle Möglichkeiten aus.

Vier Jahre nach der Gold-Pleite von Athen ist Doppel-Weltmeisterin und Playboy-Bunny Jennifer Bongardt bei den Rennen von Montag bis Donnerstag die größte Hoffnung der erfolgreichsten Wildwasser-Nation überhaupt.

"Gold ist wieder mal fällig", sagte Cheftrainer Jürgen Köhler. Zwei Medaillen in den vier Kategorien bleiben das erklärte Ziel des 62-Jährigen, auch wenn Verbandsboss Olaf Heukrodt nur eine Plakette für realistisch hält. Seit der Olympia-Premiere 1972 feierten die deutschen Slalomkanuten insgesamt sieben von 20 möglichen Siegen, nur 2004 klappte es nicht.

Für die erfolgreiche Mission gab der Verband auch dem Druck der Kajak-Spezialisten Bongardt (Köln) und Alexander Grimm (Augsburg) nach, tauschte vor wenigen Wochen den ungeliebten Bundestrainer Helmut Schröter gegen Bongardt-Heimcoach Sven Peiler aus. "Das hat sich bezahlt gemacht, es wird jetzt in Ruhe gearbeitet", sagte Köhler.

Außer den beiden Rebellen starten die Canadier Jan Benzien (Leipzig) und Felix Michel/Sebastian Piersig (Spremberg), die bei der nationalen Qualifikation immerhin die Olympiazweiten Marcus Becker/Stefan Henze ausbooteten. Erstmals gab es pro Land und Disziplin nur ein Ticket. Weltverbands-Präsident Ulrich Feldhoff hält diese unter den Top-Nationen umstrittene Regelung für die Internationalität der Sportart für zwingend erforderlich.

Ein Trumpf der deutschen Paddler - am Montag stehen zunächst für Benzien und Grimm die Vorläufe auf dem Programm - ist die perfektionierte Video-Auswertung. Der Deutsche Kanu-Verband (DKV) stellt für alle Nationen die Bilder von der Strecke zur Verfügung, ein erstmals bei Olympia eingesetztes Computer-Programm haben Bongardt allerdings exklusiv.

Nur wenige Minuten nach einem Lauf erhalten die Deutschen so über die Streckenabschnitte exakte Vergleichsdaten zur Konkurrenz und können mit beispielsweise veränderten Anfahrtswegen an die Tore reagieren. "Wir haben ja sonst nur eine subjektive Sicht - die wird so objektiviert", erklärt Köhler.

Zum Wohlbefinden tragen möglicherweise auch Ernährungsprodukte eines Kräuterhauses von der Schwäbischen Alb bei. Bongardt, die im Vorjahr für den Playboy posierte, und Grimm nutzen diese. Im Shunyi Olympic Park, rund eine Autostunde vom Zentrum Pekings entfernt, werden laut des erfahrenen Köhler auch die Nerven eine wichtige Rolle spielen. Immerhin 12 000 Sitzplätze fasst die neue Anlage - eine einmalige Kulisse für die Abwärts-Paddler.

Die Entscheidungen fallen am Dienstag (Canadier, Einerkajak Männer) und Donnerstag (Zweiercanadier, Einerkajak Frauen), die Vorläufe stehen jeweils einen Tag vorher auf dem Programm. Die Canadier Tony Estanguet (Frankreich) und Pavol Hochschorner/Peter Hochschorner (Slowakei) können dabei als erste Slalomkanuten der Geschichte den dritten Olympiasieg in Serie schaffen.

© SID

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