Goldman Sachs mit starkem Ergebnisrückgang
US-Investmentbanken droht Durststrecke

Die Terroranschläge auf das World Trade Center in New York haben die großen amerikanischen Investmentbanken in einer Schwächephase getroffen. Wie die jetzt vorliegenden Quartalsergebnisse von Morgan Stanley, Lehman Brothers und Goldman Sachs zeigen, befand sich die Branche bereits vor der Katastrophe am 11. September in einer wirtschaftlich äußerst schwierigen Lage.

tor NEW YORK. Der Einbruch an den Aktienmärkten sowie der starke Rückgang bei Neuemissionen und Firmenübernahmen haben bei den Banken zu hohen zweistelligen Ergebniseinbußen geführt. Diese Negativtrends sind durch die Terrorakte noch verstärkt worden, so dass auch für die nächsten Monate kaum Aussicht auf Besserung besteht. Hinzu kommen jene materiellen und immateriellen Schäden, die direkt durch die Anschläge entstanden sind. Morgan Stanley, Lehman Brothers und Merrill Lynch mussten Tausende Mitarbeiter aus dem Krisengebiet im Süden Manhattans verlagern und in Notunterkünfte unterbringen. Obwohl nur wenige Investmentbanker direkt zu Schaden gekommen sind, steht doch die Mehrzahl der Händler und Analysten noch immer unter dem Schock des Desasters.

Morgan Stanley, mit 22 Stockwerken früher der größte Mieter des World Trade Centers, beziffert die Kosten für Gebäudeschäden und die Verlagerung von Arbeitsplätzen auf 150 Mill.$. Hinzu kommen die noch nicht abschätzbaren Einnahmeausfälle durch die Geschäftsunterbrechung während der viertägigen Zwangspause der Börsen. Lehman Brothers, die kurzerhand das Hotel Sheraton in Manhattan als Ausweichquartier gemietet haben, machten keine Angaben zu den Schäden. Beide Banken gehen aber davon aus, dass die Kosten von den Versicherungen getragen werden.

Noch am besten hat Goldman Sachs die Katastrophe überstanden. Dank der sicheren Entfernung von der Unglücksstelle gab es keine unmittelbaren Schäden. "Die Terrorattacke wird jedoch kurzfristig unser Geschäftsumfeld weiter beeinträchtigen und den Aufschwung der US-Wirtschaft verzögern", sagte Goldman-Chef Henry M. Paulson Jr.

Goldman Sachs fuhr im dritten Quartal das schlechteste Ergebnis seit dem Börsengang 1999 ein. Als weltweit führende Investmentbank bei der Beratung von Fusionen und Übernahmen ist Goldman Sachs durch das Auslaufen der Fusionswelle besonders hart getroffen. Der Wert der von Goldman begeleiteten Firmentransaktionen fiel im Jahresvergleich um fast ein Viertel auf 157,5 Mrd. $. Darin spiegelt sich auch der weltweite Rückgang von grenzüberschreitenden Direktinvestitionen. Nach Angaben der Uno haben sich diese Transaktionen gegenüber dem Vorjahr auf 760 Mrd.$ halbiert.

Die Einnahmen von Goldman Sachs aus dem Bereich Investmentbanking, der auch das Geschäft mit Neuemissionen umfasst, sanken gegenüber dem Vorjahresquartal um 17 % auf 1,1 Mrd.$. Analysten rechnen mit einem weiteren Rückgang im vierten Quartal, da sowohl Börsengänge als auch Firmenübernahmen durch die Terroranschläge zurück gestellt würden.

Erhebliche Einbußen mussten alle Investmentbanken bei den Einnahmen aus dem Aktienhandel hinnehmen. Die Börsenflaute bescherte Goldman Sachs einen Rückgang von 25 %, bei Lehman Brothers waren es 58 %.

Die Einbrüche im Investmentbanking und beim Aktienhandel konnten nur teilweise vom starken Anleihegeschäft aufgefangen werden. Insbesondere Lehman Brothers verbuchte in diesem Bereich Zuwächse. Dank niedriger Zinsen und einer verstärkten Kreditaufnahme von Unternehmen stiegen die Einnahmen aus dem Bond-Geschäft um 19 % auf 663 Mill.$. "Die im Vergleich zur Konkurrenz starke Stellung im Geschäft mit festverzinslichen Wertpapieren ist jetzt eine wichtige Stütze", sagte Richard Strauss, Analyst bei Goldman Sachs.

Alle Investmentbanken werden auf die angespannte wirtschaftliche Lage mit Kostensenkungen reagieren. Angesichts der tragischen Ereignisse mag zwar derzeit niemand über einen neuerlichen Stellenabbau reden. Die Kürzung der Jahresboni scheint jedoch bereits beschlossen. "Ein erheblicher Teil unserer Vergütungen ist variabel", sagte Stephen Crawford, Finanzchef bei Morgan Stanley, und deutete damit auf Einsparmöglichkeiten hin.

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