Goldman Sachs verweist auf Risiken
Zweifel über Zukunft belasten Daimler-Aktie

Nach Kursgewinnen als Reaktion auf überraschend gute Quartalszahlen am Freitag sind die Aktien der Daimler-Chrysler AG am Montag wieder unter Druck geraten. Händler begründeten den Kursrückgang mit Zweifeln unter Marktteilnehmern über die langfristigen Aussichten des Unternehmens.

Reuters FRANKFURT. Nachdem die Daimler-Aktien am Freitag nach besser als erwarteten Quartalszahlen zugelegt hatten, gab ihr Kurs am Montag zeitweise um fast drei Prozent nach. Am Nachmittag wurde die Aktie wieder für 57,25 Euro gehandelt, ihr Kurs lag damit aber immer noch um rund ein Prozent im Minus.

"Auf den ersten Blick sahen die (Quartals-) Zahlen sehr gut aus am Freitag, aber nun realisieren Marktteilnehmer, dass der Turnaround noch nicht vollzogen ist", sagte ein Händler. Analysten sagten, obwohl der Verlust der US-Sparte Chrysler im zweiten Quartal deutlich niedriger ausgefallen sei als im Quartal zuvor, sei eine Erholung noch nicht offensichtlich.

Auch die Investmentbank Goldman Sachs verwies auf die unverändert bestehenden Risiken bei Daimler-Chrysler. Außerdem werde die Produktion von Chrysler im dritten Quartal aus saisonalen Gründen wieder deutlich niedriger und der Verlust damit größer ausfallen. "Wir glauben nicht, dass vor 2002 Klarheit über die Entwicklung besteht", teilten die Analysten von Goldman Sachs mit.

Für zusätzlichen Druck auf die Daimler-Chrysler-Aktie sorgte nach Angaben von Händlern ein Bericht des Nachrichtenmagazins "Der Spiegel", wonach die US-Lkw-Tochter Freihgtliner in diesem Jahr voraussichtlich einen Verlust von mehr als einer Milliarde Mark machen werde. Eine Quelle für diese Verlustzahl hatte das Magazin nicht genannt. Ein Daimler-Chrysler-Sprecher hatte eine Stellungnahme dazu abgelehnt.

Daimler-Chrysler setzt derzeit ein milliardenschweres Sanierungsprogramm bei seiner US-Tochter Chrysler und beim japanischen Partner Mitsubishi um. Im zweiten Quartal 2001 war Daimler-Chrysler wieder in die Gewinnzone zurückgekehrt und hatte einen überraschend hohen bereinigten operativen Gewinn von 725 Millionen Euro ausgewiesen. Auch der operative Verlust von Chrysler war mit 148 Millionen Euro geringer als erwartet ausgefallen. Die Ertragszahlen fielen insgesamt um einige hundert Millionen Euro besser aus als von den Finanzmärkten erwartet. Gemessen an früheren Ergebnissen des Stuttgarter Konzerns - im Geschäftsjahr 1999 hatte das Unternehmen einen bereinigten Betriebsgewinn von 10,3 Milliarden Euro ausgewiesen - waren die Abweichungen von den Prognosen jedoch relativ klein.

Die US-Lkw-Tochter Freightliner war vor allem wegen eines drastischen Einbruchs des Lkw-Marktes in den USA in die Verlustzone geraten. Probleme bereitet Freightliner unter anderem, dass bei einem großen Teil der Lkw-Verkäufe vor einigen Jahren den Abnehmern der Rückkauf der Fahrzeuge zu einem festen Preis nach einer gewissen Zeit vereinbart worden war. Da der Markt für schwere Lkw in den USA binnen zweier Jahre um rund die Hälfte eingebrochen ist, gelten diese Preise nun beim Wiederverkauf als nicht mehr erzielbar. Nach Firmenangaben hatte Freightliner einschließlich der Bestände bei Händlern zuletzt 19 000 Neu- und 25 000 Gebrauchtfahrzeuge auf Halde. Bis Herbst soll ein Sanierungskonzept ausgearbeitet werden.

Bei der Vorstellung der Quartalsergebnisse am Freitag hatte Daimler-Chrysler mitgeteilt, vor allem durch den Markteinbruch in Nordamerika werde der operative Gewinn der gesamten Nutzfahrzeug-Sparte 2001 im Vergleich zum Vorjahr deutlich abnehmen. Allerdings werde die Sparte insgesamt immer noch schwarze Zahlen schreiben. Im Jahr 2000 hatte die Sparte trotz der beginnenden Probleme bei Freightliner einen bereinigten operativen Gewinn von 1,15 Milliarden Euro ausgewiesen.

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