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Goldschätze und Krieger: «Die Thraker» in Bonn

Bonn (dpa) - Sie sind eine zu Unrecht vergessene Zivilisation: Die Thraker - eines der ältesten und größten indoeuropäischen Völker - schufen im Südosten Europas über Jahrtausende eine reiche und hoch entwickelte Kultur.

Bonn (dpa) - Sie sind eine zu Unrecht vergessene Zivilisation: Die Thraker - eines der ältesten und größten indoeuropäischen Völker - schufen im Südosten Europas über Jahrtausende eine reiche und hoch entwickelte Kultur.

Ihre legendären Gold- und Silberschätze stehen im Zentrum einer neuen Ausstellung in der Bonner Bundeskunsthalle. «Die Thraker - Das goldene Reich des Orpheus» ist dort bis zum 28. November zu sehen.

Gefürchtet als Krieger, berühmt für ihre Furchtlosigkeit, lebten die Thraker am Einfallstor Europas, dem heutigen Bulgarien als ihrem Kernland, und spielten ab etwa 7000 v. Chr. bis ins 2. Jahrhundert n. Chr. eine wichtige Rolle für den Kontinent. «Bulgarien war Durchgangspunkt jedweder zivilisatorischer Leistung, die sich nördlich der Alpen niederschlug», sagt Wenzel Jacob, Intendant der Bundeskunsthalle. Der bulgarische Staatspräsident Georgi Parwanow hob bei der Eröffnung der Schau hervor: «All dies ist ein bescheidener, doch sichtbarer Beitrag (Bulgariens) zur europäischen Zivilisation und Kultur.»

Präsentiert werden in Bonn etwa 2900 Ausstellungsstücke, die vom Ruhm der Thraker zeugen, darunter Statuen, Alltagsgegenstände, rituelle Gaben an die Götter und Kriegswerkzeuge. Letztere geben einen Eindruck vom Kampfgeist dieses Volkes, der ihm bis ins alte Rom vorauseilte. Die Thraker waren als Gladiatoren bei den Römern besonders begehrt - der bis heute berühmte Gladiator und Anführer eines Sklavenaufstands, Spartacus, war ein Thraker.

Aber sie kämpften nicht nur, sie betrieben auch regen Handel und kulturellen Austausch mit benachbarten Zivilisationen, etwa den Griechen und Persern, Kelten und Römern sowie Skythen und anderen Bewohnern der eurasischen Steppe. Auf diese Weise wuchs das Staatsgebilde der Thraker von der frühen Jungsteinzeit über 7000 Jahre - eine wahre «Drehscheibe» der Kulturen. «Dass sie für uns ein wenig als verschollenes Volk gelten, liegt daran, dass sie keine eigene Schriftsprache hatten und wir daher keine Quellen der Thraker selbst haben», erläutert Jacob. Einen Höhepunkt der Bonner Ausstellung bilden die erst vor wenigen Jahren entdeckten Wandgemälde aus der Grabkammer von Aleksandrowo aus dem 4. Jahrhundert v. Chr. - sie werden jetzt erstmals einem breiten Publikum vorgestellt.

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