Goldserie geplatzt: Pechstein verpasst Gold-Wunder

Goldserie geplatzt
Pechstein verpasst Gold-Wunder

Die neun Jahre währende Goldserie der deutschen Eisschnellläuferinnen ist gerissen: Die durch eine Schnittwunde gehandicapte Claudia Pechstein hat trotz einer großartigen Aufholjagd das "Wunder" verpasst und ist an ihrem zweiten WM-Titel im Allround- Mehrkampf nach 2000 nur knapp vorbeigeschrammt.

HB/dpa GÖTEBORG. In der windanfälligen Rudhallen-Arena von Göteborg ging der Titel durch Cindy Klassen erstmals seit 1994 nicht nach Deutschland. Die Kanadierin durfte sich über das Preisgeld von 27 500 Dollar freuen, Claudia Pechstein tröstete sich mit dem fünften WM-Silberrang im Mehrkampf und 16 500 Dollar.

Für eine Überraschung sorgte die Erfurterin Daniela Anschütz, die mit großer Ausgeglichenheit Bronze gewann und damit ihre erste internationale Medaille erkämpfte. Titelverteidigerin Anni Friesinger (Inzell) hatte das Championat am Montag wegen eines Magen-Darm-Virus absagen müssen. Sie befindet sich inzwischen auf dem Wege der Besserung und bereitete sich am Wochenende in Erfurt auf die bevorstehenden Weltcuprennen vor.

Claudia Pechstein, die viermalige Olympiasiegerin, biss trotz der Schmerzen in ihrem linken Bein auf die Zähne, gewann am Samstag die 3000 m (4:19,99) und war am Sonntag auch über 1500 m (2:04,99) sowie auf ihrer Spezialstrecke über 5000 m in 7:29,50 Minuten als jeweilige Zweite schneller als die Top-Rivalin. Dagegen konnte die neue Weltmeisterin keine der vier Distanzen für sich entscheiden. Die Vierkampf-Weltrekordlerin zehrte bis zum großen Finale von ihrem gehörigen Vorsprung über 500 m, auf der sie als Zweite ihrer deutschen Konkurrentin in 40,16 mehr als eine Sekunde abgenommen hatte.

"Ich bin sehr zufrieden, dass es so gut gelaufen ist. Meine volle Konzentration gilt nun der Einzelstrecken-WM in Berlin. Dort möchte ich auf den langen Strecken vorn sein", sagte die 30-Jährige, die sich auf der Schluss-Strecke völlig verausgabte und deren Start noch bis zum Freitag in Frage gestanden hatte. "Schon nach den ersten Schritten wusste ich, dass die Wunde hält. Zuvor hatte ich Befürchtungen, dass sie aufreist. Auf den langen Strecken haben die Beine nachher schlimmer geschmerzt als die Naht am Knöchel", fügte Pechstein hinzu.

"Claudia hat eine fantastische Leistung geboten. Um mit diesen Belastungen der letzten Tage fertig zu werden, muss man schon eine großartige Persönlichkeit sein. Sie hat das hervorragend gelöst", lobte ihr Coach Joachim Franke. Erst am Mittwoch hatte sich die erfolgreichste Winter-Olympionikin Deutschlands mit der Schlittschuh- Kufe die 1,5 Zentimeter lange Schnittwunde im Training zugezogen.

Die 23-jährige Cindy Klassen gilt spätestens als Universaltalent, seit sie in Calgary den zweiten Platz bei der Sprint-WM belegt hatte. Vor fünf Jahren, als Claudia Pechstein Olympia-Gold über 5000 m in Nagano erkämpfte, war ihre kanadische Rivalin noch Eishockey- Spielerin. Erst als sie das Olympia-Ticket verpasste, wechselte sie die Kufen.

Anni Friesingers Bruder Jan schaffte als einziger deutscher Läufer erstmals den Sprung in das Herren-Finale der besten Zwölf. Heißer Favorit auf den Titel war nach drei Strecken der Niederländer Gianni Romme. Der Europameister hatte am Samstag die 5000 m klar für sich entschieden.

Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%