Golf-Klasse im Rampenlicht
Kasse mit der Masse machen

Luxuslimousinen wie Bentley, Bugatti oder auch Maybach tragen zwar viel zum Prestige eines Unternehmens bei, den größten Wert für die Umsatzentwicklung eines Autokonzerns haben aber die Volumenmodelle. So wundert es nicht, dass auf der diesjährigen IAA die Golf-Klasse im Rampenlicht steht.

Reuters HAMBURG. Luxus ist out, jetzt rücken auch bei Autos die Modelle für die Masse der Bevölkerung ins Blickfeld. Sie müssen nicht nur den breiten Geschmack treffen und praktisch sein, sondern zunehmend auch eine hohe Ausstattung aufweisen. Der Preis steht dabei nicht im Mittelpunkt, denn die auf der Internationalen Automobil-Ausstellung (IAA) ab nächste Woche in Frankfurt gezeigten Modelle der Golf-Klasse ähneln nicht nur äußerlich immer mehr ihren größeren Brüdern. Je nach Ausstattung der Volumenmodelle muss der Kunde auch vergleichbar tief in die Tasche greifen.

"Es kommt wieder mehr Realismus ins Autogeschäft, weg von den hochtrabenden Spielereien für Vorstandsvorsitzende wird die Marktsicht wieder wichtiger", sagt der Gelsenkirchener Automobilexperte, Ferdinand Dudenhöffer. "Wenn für Volkswagen etwas wichtig ist, dann ist das nicht der Bugatti, sondern der Golf." Dudenhöffer spielt damit auf den von Volkswagen entwickelten Luxussportwagen Bugatti Veyron mit über 1000 PS und einer Spitzengeschwindigkeit von mehr als 400 Stundenkilometern an, der bei vergangenen Autoschauen die Blicke auf sich zog. Diesmal steht nach einhelliger Meinung der Fachleute Deutschlands meist gefahrenes Auto, der von VW in fünfter Generation aufgelegte Golf, im Rampenlicht. Aber auch die Konkurrenz in der unteren Mittelklasse vom neuen Astra über den Mazda3 bis hin zum kleineren C2 von Citroen warten auf der IAA mit Modellen auf, die den breiten Geschmack treffen sollen.

Volumenmodelle sollen es richten

Die Hoffnungen der Branche richten sich dabei vor allem auf die Kompakt- oder Golf-Klasse. Wegen der großen Stückzahlen von Golf , Focus, Peugeot 307 und Astra könnte die Automobilbranche nach fast vier Jahren Durststrecke endlich wieder an Fahrt gewinnen. Von der Automobilschau werde das erhoffte Signal zum Aufbruch der Konjunktur ausgehen, erwartet der Branchenverband VDA.

In besseren Jahren wie 1999 wurden allein von den beiden Modellen der Erzrivalen VW und Opel, Golf und Astra, in Deutschland knapp 540 000 Stück verkauft. 2002, in der Endphase der Modellzyklen der beiden, waren es Dudenhöffer zufolge gerade noch 350 000. Gleichzeitig gebe es einen hohen Ersatzbedarf, weil das Durchschnittsalter der auf Deutschlands Straßen fahrenden Autos sich acht Jahren nähere. "Damit wird das Markt-Potenzial der beiden Neuen deutlich", sagt Dudenhöffer, der an der Fachhochschule Gelsenkirchen das Forschungsinstitut CAR (Center of Automotive Research) leitet.

"Golf kann erstmal abräumen"

"Das wird eine Golf-IAA", erwartet Thomas Marwick vom Essener Marktforschungsinstitut R.L. Polk Marketing Systems. Etwa alle sechs Jahre dominiere der Wolfsburger Konzern die Frankfurter Automobilausstellung, wenn der in diesen Zeiträumen überarbeitete Golf präsentiert werde. Dadurch werde automatisch das Interesse auch auf die Modelle der Golf-Konkurrenz gelenkt. Opel habe diesmal "ein Problem", weil der neue Astra zwar bereits der Öffentlichkeit präsentiert werde, der Kunde das Modell aber erst sechs Monate später bei den Händlern kaufen könne. Geschickter wäre es aus Marwicks Sicht, wenn Opel den Astra gleichzeitig mit dem Golf auf den Markt brächte, oder versetzt zur Halbzeit des Lebenszyklus seines Hauptkonkurrenten.

So aber warte der Kunde womöglich mit dem Kauf eines neuen Astra, das aktuelle Auslaufmodell könnte dann auf den Höfen der Händler stehen bleiben. "Das wird für Opel nicht einfach. Da werden Marketingmaßnahmen nötig", sagt Marwick. Dieses Problem könne auch auf Ford zutreffen, dessen Modell Focus erst im Herbst nächsten Jahres erneuert werden soll. "Der Golf kann erstmal abräumen", sagt Marwick.

"Nicht allzuviel erwarten"

Dagegen warnt der Leiter des Nürtinger Instituts für Automobilwirtschaft, Willi Diez, davor, von der IAA schon allzu viel Anschub zu erwarten. Der für einen erwarteten Aufschwung ins Feld geführte Ersatzbedarf sei gar nicht so groß wie behauptet. Außerdem müsse die Marktzyklik anders verstanden werden, Fahrzeuge würden heute länger gefahren als früher und seien zudem relativ teurer. "Heute müssen die Leute mehr von ihrem Einkommen für ein Auto aufwenden. Es muss länger halten", sagte Dietz. Die Qualität der Fahrzeuge sei heute besser: "Nach fünf Jahren sind das noch keine alten Kisten." Deswegen werde die Rabattschlacht der Hersteller erst einmal weitergehen. "Jeder will mehr verkaufen, als der Markt hergibt", sagt Diez. Diez geht davon aus, dass das Geschäft erst im kommenden Frühjahr anspringen wird. Von dieser Warte aus betrachtet käme der neue Astra genau zum richtigen Zeitpunkt.

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