Golfemirat ist ab Freitag Gastgeber der WTO-Konferenz
Strenge Sicherheitsvorkehrungen in Katar

Katar hat darum kämpfen müssen, Gastgeber der am Freitag beginnenden WTO-Konferenz zu bleiben. Denn das Emirat liegt auf der arabischen Halbinsel und damit - nicht nur geographisch - manch einem zu nah am Krieg in Afghanistan.

ap DOHA. Wenn die Delegierten in den kommenden Tagen zu den Verhandlungen der Welthandelsorganisation in Doha eintreffen, dann werden sie strenge Sicherheitsvorkehrungen vorfinden. Katar sei "gut vorbereitet" auf das Treffen, sagte Innenminister Scheich Hamad bin Nasser el Thani.

Nach den Terroranschlägen vom 11. September wurden aus Sorge um die Sicherheit der Delegierten Rufe nach einer Verlegung der WTO-Konferenz laut. "Es ist kein Geheimnis, dass Doha in der Nähe dessen liegt, was heute als Kriegsgebiet erachtet wird", sagte EU-Handelskommissar Pascal Lamy im Oktober. Doch die WTO hielt am geplanten Verhandlungsort fest.

Im Gegensatz zu anderen arabischen Ländern hat es in Katar keine lautstarken Proteste gegen die US-Angriffe auf Afghanistan gegeben. Demonstrationen sind selten in dem kleinen Emirat, in dem es weder Parteien, noch Gewerkschaften oder ein gewähltes Parlament gibt, das aber den unabhängigen arabischen Fernsehsender El Dschasira beheimatet.

Schon befürchten Globalisierungsgegner, das WTO-Treffen in Katar könnte zu ruhig verlaufen. Der Verhandlungsort sei in erster Linie gewählt worden, um Ausschreitungen wie bei der Welthandelskonferenz in Seattle vor zwei Jahren schon im Keim zu ersticken, sagen Kritiker. Katars Regierung hat allerdings versprochen, Debatten nicht zu unterdrücken - solange sie friedlich seien. Vorsorglich wurde aber bis zum 15. November die Ausgabe von Visa an all jene Besucher gestoppt, die nichts mit der WTO zu tun haben.

"Rainbow Warrior" im Hafen von Doha

Die Umweltorganisation Greenpeace, so sagte ein Regierungsvertreter, habe die vorläufige Erlaubnis erhalten, während der WTO-Konferenz zu demonstrieren. Mit seinem Schiff "Rainbow Warrior" darf Greenpeace im Hafen von Doha ankern. Die Organisation möchte dort eine Plattform für Diskussionen über die Welthandelspolitik bieten. Katar ist in der Vergangenheit immer wieder eigene Wege gegangen. Es war der erste Golfstaat, der Beziehungen zu Israel aufgenommen hat. Nach dem Golfkrieg war es das erste arabische Land unter den US-Verbündeten, das einen Außenminister nach Irak geschickt hat. Das Emirat unterhält gute Kontakte zu all seinen arabischen Nachbarn und zu Iran, lehnt aber eine Einmischung in die Berichterstattung des Fernsehsenders El Dschasira ab, der mit seinem Programm Politiker von Saudi-Arabien bis Ägypten verärgert hat.

Wie andere Öl exportierende Länder in der Region hat sich Katar schnell gewandelt und ist von einem Perlentauchzentrum zu einem wichtigen Produzenten von Erdöl und Erdgas geworden. Das Pro-Kopf-Einkommen ist mit umgerechnet rund 17 000 Dollar (37 100 Mark/19 000 Euro) eines der höchsten der Welt. Nur etwa 200.000 der 740 000 Einwohner haben die katarische Staatsbürgerschaft, der Rest kommt überwiegend aus anderen arabischen Ländern und aus Asien. In Vorbereitung auf die WTO-Konferenz wurden der Flughafen erweitert, die wichtigsten Straßen neu asphaltiert und in der Hauptstadt Blumen gepflanzt. Doha ist eine ruhige Stadt, und das soll auch vom 9. bis 13. November so bleiben.

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