Gontard-Chef Lothar Mark hat sich mit Börsengängen und Krediten verzockt
Der Neue Markt frisst seine Väter

Zunächst sah es so aus, als ob Gontard-Chef Lothar Mark eine goldene Nase hat. Den Neuer-Markt-Boom nahm der frühere Aktienhändler voll mit. Doch letztlich hat er sich mit Börsengängen und Krediten verzockt.

FRANKFURT/M. 1999 ist die Welt noch in Ordnung. Die Geldmaschine Neuer Markt läuft wie geschmiert, die Gontard & Metallbank bringt ein Unternehmen nach dem anderen an die Börse und verdient glänzend am High-Tech-Boom. Das Selbstvertrauen des charismatischen Bankchefs Lothar Mark steigt in diesen euphorischen Monaten mindestens so schnell wie die Kurse der Wachstumswerte. In Interviews sagt er schon einmal Sätze wie: "Unser Geschäft brummt, wir beißen schon morgens in Zitronen, um nicht den ganzen Tag grinsend durch die Gegend zu laufen."

Drei Jahre später ist Mark nicht nur das Grinsen vergangen, es ist auch klar, dass er mit Zitronen gehandelt hat. Als einer der Ersten hatte der Bankchef das Potenzial des Neuen Markts erkannt und sein Institut konsequent auf die Wachstumsbörse ausgerichtet. Doch am Ende muss der ehemalige Aktienhändler erkennen: Er hat sich gründlich verzockt.

Das Geschäftsmodell, das Mark der traditionsreichen Frankfurter Privatbank verordnete, war zwar höchst lukrativ - aber auch äußerst gefährlich. Das Institut brachte nicht nur Firmen an die Börse, vor allem an den Neuen Markt, es vergab auch Kredite an die Gründer, besichert mit deren eigenen Aktien an den Unternehmen.

Ein doppeltes Risiko - denn als die Kurse schließlich ins Trudeln gerieten, versiegte nicht nur das attraktive Geschäft mit den Börsengängen, auch die als Kreditsicherheit dienenden Aktien waren plötzlich sehr viel weniger wert. Die Bank glitt in eine gefährliche Schieflage ab.

In immer schnellerer Folge musste das Institut in den vergangenen Monaten den Wert seines Kreditportfolios nach unten korrigieren. Der drastischen Wertberichtigung von knapp 63 Mill. Euro für das Geschäftsjahr 2000/2001 (30.9.) folgten Ende April weitere 25 Mill. Euro und am vergangenen Freitag noch einmal rund 20 Mill. Euro. Dann war die Hälfte des Eigenkapitals aufgebraucht.

Im Niedergang der Gontard & Metallbank spiegelt sich die Krise an der Börse fast eins zu eins wider. Die 27 Unternehmen, die Mark und seine Kollegen im Laufe der Jahre als Konsortialführer an den Markt brachten, haben im Schnitt inzwischen knapp drei Viertel ihres Wertes verloren. Zwölf dieser Aktien kosten mittlerweile weniger als einen Euro, sind also zu so genannten Penny-Stocks verkommen. Andere Firmen wie Heyde, Prodacta oder Refugium mussten sogar Insolvenz anmelden.

Auch der Verdacht auf Bilanzmanipulation beim Computerspielproduzenten Phenomedia ging an der Frankfurter Bank nicht spurlos vorbei. Genauso wenig wie die Diskussion um den verspäteten Jahresabschluss des Medienunternehmens In-Motion, dem der Verweis vom Neuen Markt droht. Beide Aktien brachen ein. Die Folge: neue Wertberichtigungen im Kreditportfolio der Gontard & Metallbank.

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