Goodwill-Abschreibungen verzerren die Bilanz optisch
Evotec verschreckt die Anleger

Auf den ersten Blick alarmiert der Verlust der Evotec. Er wird sich 2001 auf einen dreistelligen Millionenbetrag erweitern. Grund sind aber nur nicht liquiditätswirksame Abschreibungen auf Goodwill.

beu HAMBURG. Die hohen Verluste der Hamburger Biotechnologiefirma Evotec Biosystems AG sind auf den ersten Blick erschreckend. Bei einem von 9,8 Mill. Euro auf 28,3 Mill. Euro gestiegenen Umsatz weist das Unternehmen für das Jahr 2000 einen von 9,5 Mill. Euro auf 47,1 Mill. Euro gestiegenen Jahresfehlbetrag aus. Der Neue Markt reagierte bei hohen Umsätzen mit einem Abschlag von knapp 9 % auf 17,80 Euro.

Beim zweiten Hinsehen entpuppt sich das Zahlenwerk als deutlich weniger erschreckend, denn ein großer Teil der Verluste geht auf das Konto der nach dem Bilanzierungsstandard US-GAAP erforderlichen Einbeziehung der Goodwillabschreibungen für ein Quartal auf den Erwerb der Oxford Asymmetry International (OAI) und der Genion. Ohne diesen Sondereffekt belief sich der Fehlbetrag lediglich auf 12,5 Mill. Euro. Der operative Verlust stieg planmäßig von 10,2 Mill. Euro auf 14,3 Mill. Euro.

Analysten sind von Unternehmenszahlen nicht überrascht

Sofern die amerikanische Wertpapieraufsichtsbehörde SEC diese Bestimmung nicht ändert, wird Evotec 434 Mill. Euro Firmenwert in 3 Jahren abschreiben, sagte Finanzvorstand Jörn Aldag am Donnerstag in Hamburg. Damit werden auf das Jahr 2001 Abschreibungen von knapp 145 Mill. Euro entfallen. Diese Goodwillabschreibungen haben jedoch keine Auswirkungen auf die Liquidität. Die zum Jahresende zur Verfügung stehenden 48,9 Mill. Euro erlaubten die planmäßige Weiterentwicklung des Unternehmens.

Vor Zinsen, Steuern und Abschreibungen (Ebitda) belief sich der Verlust auf 9,5 Mill. Euro. Das entspricht einem im Vergleich zum Vorjahr um 30 % verbesserten Verlust je Aktie von 0,35 Euro. Im Jahr 2001 soll ein Umsatzsprung auf 70 Mill. Euro erzielt werden und beim Ebitda die Gewinnschwelle genommen werden.

Den erheblichen Umsatzanstieg im abgelaufenen Geschäftsjahr erklärt das seit Ende 1999 börsennotierte Unternehmen zum einen mit einem starken organischen Wachstum. Darüber hinaus habe sich die erstmalige Konsolidierung der zugekauften OAI im 4. Quartal bereits deutlich niedergeschlagen. Dank dieser Akquisition kann Evotec den Pharmaunternehmen ein Komplettangebot für die präklinische Entwicklung von Wirkstoffen bieten.

Die jetzt veröffentlichten Zahlen überraschen die Analysten nicht. Anke Peters von der Vereins und Westbank - rät weiterhin zum Übergewichten der Aktie. Meng Si, Analystin bei der Bankgesellschaft Berlin, belässt ihre auf "Halten" lautenden Bewertung ebenfalls.

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