Goodwill-Behandlung und aktivierte Entwicklungskosten können Milliarden umlenken
Immaterielle Werte versprechen mannigfaltige Show-Effekte

In der "alten" Bilanz nach dem deutschen Handelsgesetzbuch (HGB) standen sie zwar an erster Stelle, fristeten dort aber nur ein Schattendasein als Sammelposten: die immateriellen Vermögensgegenstände. In der Bilanz nach den neuen internationalen Regeln zur Rechnungslegung (IFRS) stehen sie immer noch ganz vorn. Jetzt aber mit höherem Stellenwert.

FRANKFURT/M. Jetzt können Bilanzpolitiker ihre gestalterischen Ambitionen austoben. Da sind zunächst die Firmenwerte (Goodwill), also die Differenzen zwischen Kaufpreis und Buchwert von Beteiligungen. Dabei geht es nicht um Peanuts, wie der Blick in einige Konzernbilanzen rasch zeigt.

Beim Reise- und Logistikkonzern TUI mit seinen 52 Inlands- und 350 Auslandstöchtern standen Ende September 3,8 Mrd. Euro Goodwill in der Bilanz - 42 Prozent des gesamten Anlagevermögens und 19 Prozent mehr als das Eigenkapital. Die Bilanz 2003 des Flugzeugbauers EADS weist 9,4 Mrd. Euro Goodwill aus, 37 Prozent des Anlagevermögens und 58 Prozent des Eigenkapitals. Solche Goodwill- Werte wurden - auch nach IAS - bisher linear abgeschrieben, also über eine bestimmte Laufzeit unter gleichmäßiger Belastung des Konzerngewinns auf Null gebracht.

Nach den neuen Regeln gibt es eine jährliche Werthaltigkeitsprüfung (Impairment Test), die sich an der künftigen Ertragskraft einer Geschäftseinheit ausrichtet. Damit entfällt ein dicker Brocken in der Kostenrechnung, der Gewinnausweis steigt. Bei der Darmstädter Software AG zum Beispiel entfallen in der Rückrechnung der 2003er Zahlen auf IFRS runde 22 Mill. Euro Goodwill-Abschreibungen - der HGB-Abschluss hatte nur einen Vor-Steuer-Gewinn von 670 000 Euro ausgewiesen.

Effekte verspricht auch die Möglichkeit, Entwicklungskosten partiell zu aktivieren. Nach bisheriger HGB-Vorschrift ging der Kostenblock "Forschung und Entwicklung" (F&E) voll zu Lasten des Jahresergebnisses. Nach IFRS sollen die Unternehmen den Teil der Entwicklungskosten, dem sie künftige Umsätze zurechnen können, als immateriellen Vermögenswert in der Bilanz aktivieren.

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