Goodyear und Michelin nutzen ihre Markenmacht
Reifenhersteller fordern von Autoherstellern höhere Preise

Die Reifenhersteller Goodyear und Michelin nutzen den Imageverlust ihres Wettbewerbers Bridgestone, um gegenüber großen Autokonzernen höhere Preise durchzusetzen.

HB/wsj/sia WESTPORT. Trotz angespannter Marktlage, in der die Autohersteller ihren Lieferanten Preiszugeständnisse abringen, können die beiden Reifenanbieter ihre Forderungen zumindest gegenüber einigen Autokonzernen durchsetzen, bestätigte der französische Reifenhersteller Michelin dem Wall Street Journal.

Unternehmenschef Edouard Michelin führte die Preiserhöhungen auf eine "Flucht zur Qualität" nach dem Bridgestone-Skandal zurück. Bridgestone hatte nach einer Serie schwerer Unfälle vor zwei Jahren in den USA Millionen Reifen zurückrufen müssen. Nach einem öffentlich ausgetragenen Streit mit Ford hatte sich der Autokonzern nach langjähriger Partnerschaft von Bridgestone getrennt. Michelin räumte allerdings ein, die Bereitschaft, für Qualitätsreifen mehr zu zahlen, sei unter den Autoherstellern unterschiedlich groß.

Für den US-Reifenkonzern Goodyear sagte ein Unternehmenssprecher: "Wir haben den Automobilherstellern mitgeteilt, dass wir alle Möglichkeiten untersuchen, unsere Rentabilität und den Service zu verbessern". Dies schließe auch Preiserhöhungen ein.

Die Autokonzerne bestätigten den Preisdruck. "Wir sehen, dass die Reifenhersteller mehr verlangen", sagte ein Ford-Sprecher, äußerte sich aber nicht dazu, inwieweit Ford auf die Forderungen eingeht. Ein Sprecher von General Motors sagte, man reagiere nicht. Die Markenmacht der Reifenproduzenten gegenüber den Autoherstellern ist größer als die anderer Zulieferer, weil Autokunden den Reifen beim Kauf viel Bedeutung schenken.

Der neue Preisdruck erklärt sich allerdings auch - abgesehen vom Imageverlust des Wettbewerbers Bridgestone - durch ein Umdenken der Reifenhersteller beim Neuwagengeschäft. Lange Zeit umwarben sie die Autokonzerne, Neuwagen mit ihren Reifen auszurüsten, da Autokunden sich später beim Kauf neuer Reifen häufig für dieselbe Marke entscheiden. Dafür nahmen die Reifenanbieter in Kauf, an der Erstausrüstung kaum zu verdienen. "Der Gewinn kam später, wenn die Autobesitzer drei oder viermal die Reifen austauschten", erklärt David Bradley, Analyst bei J.P. Morgan.

Von dieser Verkaufspolitik rücken die Autohersteller nun ab, da die Lebensdauer der Reifen sich verlängert hat und Erstbesitzer oft nur einen Reifenwechsel vornehmen, bevor sie den Wagen ganz verkaufen. Nach den schweren Unfällen vor zwei Jahren werden neue Sicherheitsauflagen die Renditen der Reifenhersteller allerdings verringern.

Quelle: Handelsblatt

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