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Google-Börsengang droht ins Stottern zu geraten

Hamburg (dpa) - Seit Wochen fiebert die Branche dem mit Spannung erwarteten Großereignis entgegen, doch inzwischen scheint der Internetsuchmaschinen-Betreiber Google über immer mehr Steine auf dem geplanten Weg an die Börse zu stolpern.

Hamburg (dpa) - Seit Wochen fiebert die Branche dem mit Spannung erwarteten Großereignis entgegen, doch inzwischen scheint der Internetsuchmaschinen-Betreiber Google über immer mehr Steine auf dem geplanten Weg an die Börse zu stolpern.

Branchenbeobachter bezweifeln unterdessen sogar, dass das Internet-Vorzeigeunternehmen genügend Interessenten für den bis zum 3,3 Milliarden schweren Gang an die Börse finden wird.

Inzwischen hat auch noch eine kalifornische Regulierungsbehörde Untersuchungen eingeleitet, ob das Internet-Unternehmen im Zeitraum zwischen September 2001 und Juni 2004 möglicherweise gegen amerikanisches Aktienrecht verstoßen hat. Der für kommenden Dienstag von der Branche erwartete Börsengang könnte nach Spekulationen des «Wall Street Journal» allerdings auch allein auf Grund rein technischer Probleme in Verzug geraten.

Google will nach eigenen Angaben möglicherweise nicht rechtmäßig an hunderte Angestellte und Berater ausgegebene Aktien für einen Preis von 25,9 Millionen US-Dollar zurückkaufen. Die Aktien seien nicht registriert worden, ebenso wenig wie die 5,6 Millionen ausstehenden Aktienoptionen, meldete das Unternehmen der US- Börsenaufsicht SEC. Die nun von einer kalifornischen Regulierungsbehörde eingeleiteten Untersuchungen könnten den Börsengang nach Darstellung der Wirtschaftsnachrichtenagentur Bloomberg um einige Wochen verzögern.

Dabei sollte der Börsengang der 1998 von den Studenten Larry Page und Sergey Brin gegründeten Firma eines der bedeutendsten Börsenereignisse der vergangenen Jahre werden und ein Signal für das Ende der Internet-Krise geben.

Eine Verzögerung des Börsengangs ist nach einem Bericht des «Wall Street Journal» jedoch allein aus technischen Gründen sehr wahrscheinlich geworden. Für die geplante Zuteilung der Aktien per Internet-Auktion sei eine Zusammenarbeit mit Maklern erforderlich, die jeweils verschiedene Technologien einsetzten, schreibt die Zeitung. Auch die Registrierung der Bieter würde längere Zeit in Anspruch nehmen als ursprünglich geplant. Einige Inkompatibilitätsprobleme seien jedoch inzwischen ausgebügelt, hieß es.

Für seine Börsenpläne wählte Google die bislang recht unübliche Form der Online-Auktion. Dabei sollen Bieter ihre individuellen Gebote abgeben und mitteilen können, wie viele Aktien zu welchem Preis sie haben möchten. Auf Grundlage dieser Daten wird ein Ausgabepreis ermittelt, zu dem alle Aktien verkauft werden. Über die Vor- und Nachteile dieser Form des Börsengangs ist in den vergangenen Wochen viel diskutiert worden. Am vergangenen Donnerstag rügten Vertreter von drei Hedge-Fonds, dass sie ihre Gebote bisher nicht platzieren konnten. Kritisiert wurde zudem, dass Bieter nur zugelassen werden, wenn sie eine US-amerikanische Steuernummer oder eine Sozialversicherungsnummer (Social Security Number) besitzen.

Doch neben allen technischen und logistischen Problemen bei der Vorbereitung des Börsengroßereignisses werden auch pessimistische Einschätzungen über die weiteren Aussichten des Senkrechtstarters laut. Viele potenzielle Investoren im Silicon Valley befürchten erst recht durch einen hohen Ausgabepreis, Geld zu verlieren, wenn sie zu den ersten Bietern gehören.

Er habe sogar seine Mutter davor gewarnt, Google-Aktien zu kaufen, sagte laut «New York Times» Jerry Kaplan, der sich bereits in den 80er Jahren im Silicon Valley als Technologe und Unternehmer einen Namen gemacht hatte. Google habe sich stets den Anschein des Besonderen zulegen wollen - zuletzt durch die ungewöhnliche Form der Online-Auktion. «Meine Erfahrung ist, das man sich auf sehr gefährliches Territorium begibt, wenn man die Grenzen des Normalen überschreitet», sagte Kaplan.

Schließlich schläft unterdessen auch die Konkurrenz nicht. Mit Investitionen in Millionenhöhe, Firmen-Zukäufen und der Entwicklung eigener Suchtechnologien und weiterer publikumswirksamer Dienste rüsten sich der Softwarehersteller Microsoft und der Portalbetreiber Yahoo! für den Kampf um Marktanteile im mittlerweile sehr lukrativ gewordenen Suchmaschinen-Geschäft. Ob sich Google dabei auch weiterhin als unbestrittener Marktführer wird behaupten können, bleibt abzuwarten.

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