"Google Message Continuity"
Schleichangriff auf Microsoft

Google verspricht Unternehmen mehr E-Mail-Sicherheit bei Nutzung von Outlook. Mit "Google Message Continuity", einer Art Cloud-E-Maildienst, können Unternehmen ihre Systeme im Notfall absichern. Das könnte dazu verleiten, später ganz auf Microsoft-Produkte zu verzichten.
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DÜSSELDORF. Der Dienst "Google Message Continuity" verspricht eine automatische und kostengünstige Lösung, um Microsoft-basierte E-Mailsysteme eines Unternehmens bei Ausfällen abzusichern und ein nahtloses Weiterarbeiten zu ermöglichen. Dabei werden E-Mails, Kontakte und Kalender auf Google-Server ins Internet übertragen und steht bei einem Ausfall der Exchange-Rechner des Unternehmens per Internet-Zugriff bereit. Arbeiten die Microsoft-Server normal, wird der Google-Account lediglich im Hintergrund laufend aktualisiert. Bei einem Ausfall des Hauptsystems übernimmt Google, bis der Schaden behoben ist. Der Mitarbeiter wechselt von seinem PC-Outlook auf den Webbrowser und öffnet sein Google-Postfach.

Der Hintergrund ist so einfach wie bestechend - zumindest aus Sicht des kalifornischen Web-Riesen. Eine Firma, die den Dienst nutzt, hat sozusagen nebenbei automatisch den Umzug seiner E-Mail-Infrastruktur schon vollzogen. Die Mitarbeiter haben alle ein Zugangskonto für type="person" value="? Apps, Google">Google-E-Mail und die Bürolösung Google Apps. Eine spätere Entscheidung, ganz auf die Microsoft-Produkte zu verzichten, könnte wesentlich leichter fallen.

Strategiewechsel bei Bürosoftware

Google schlägt damit eine neue Richtung in seinem Business-Geschäft ein. Statt mit Bürosoftware wie Apps oder der web-basierten Google-Mail konsequent auf die Ablösung von Microsoft-Produkten hinzuarbeiten, verspricht Google zunehmend eine bessere Nutzung von Microsoft-Software durch die Integration seiner Web-Dienste. Das ist der Machtposition Microsofts geschuldet: Exchange-E-Mail ist heute nicht nur Standard auf Unternehmens-PCs, sondern auch auf Smartphones wie iPhones oder Nokias Symbian-Geräten. Selbst Googles Android-Geräte und Apples iPad haben Exchange ab Werk integriert, neben Blackberry ist Exchange die dominierende E-Mailplattform im mobilen Netz. Mit "Exchange Online" baut Microsoft zudem eine Konkurrenz zu Google-Mail im Businessbereich auf.

Es gibt Bedenken gegen reine Web-Services wie Google-Mail: Die Analysten von Gartner etwa warnen: "Cloud-E-Maildienste sind noch nicht reif". Trotzdem könnten sie als Teil einer Notfall-Absicherung aber gute Dienste leisten.

Großunternehmen sind nicht die Zielgruppe des neuen Dienstes.Sie haben eigene, gegen Ausfall abgesicherte E-Mailserver oder Verträge mit Rechenzentren, die eine Verfügbarkeitsgarantie beinhalten. Kleine Unternehmen mit eigenen Mail-Servern hingegen riskieren oft lieber kurzfristige Ausfälle, um die Kosten einer Sicherheits-Infrastruktur zu sparen. Hier setzt Google an.

Handelsblatt-Korrespondent Axel Postinett
Axel Postinett
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