Gore beugt sich historischem Urteil des Supreme Court
Kommentar: Nach 36 Tagen sind die Würfel gefallen

Zwölf Stunden nach einer historischen Entscheidung des Obersten Gerichtshofs der USA sind am Mittwoch die Würfel bei der Präsidentenwahl endgültig gefallen: Vizepräsident Al Gore gab sich nach 36 Tagen eines beispiellosen Wahlkrimis geschlagen. Er machte damit seine frühere Zusage wahr, sich dem Urteil des Supreme Courts in jedem Falle zu beugen. Damit ist für Gores republikanischen Rivalen George W. Bush nun der Weg frei für den Einzug ins Weiße Haus am 20. Januar.

ap WASHINGTON. Gore folgte mit der für ihn schmerzlichen Entscheidung dem Rat von Parteifreunden, die ihm unmittelbar nach dem nächtlichen Gerichtsurteil nahe gelegt hatten, seine Niederlage einzugestehen. "Er sollte jetzt handeln und sich geschlagen geben", sagte der Generalsekretär der Demokratischen Partei, Ed Rendell, in einem Fernsehinterview.

Ähnlich äußerte sich der demokratische Senator aus New Jersey, Robert Torricelli: "Das Rennen um die Präsidentschaft ist zu Ende, das steht fest." Diejenigen, die wie Bürgerrechtler Jesse Jackson Gore zum Durchhalten aufriefen, waren deutlich in der Minderheit. Das Oberste Gericht hatte zuvor einen Antrag Gores auf weitere Kontrollzählungen umstrittener Stimmbezirke in Florida zurückgewiesen.

Bush zunächst zurückhaltend

Der texanische Gouverneur Bush verhielt sich in Erwartung einer offiziellen Erklärung Gores zunächst zurückhaltend. Auf die Frage, ob er seinen Sieg nach der Entscheidung des Verfassungsgerichts für endgültig halte, antwortete er am Mittwoch bei seiner Ankunft im Kapitol von Austin lediglich mit einem "Ha ha". Wie seine Berater erklärten, bereitete sich Bush darauf vor, sich nach Gore mit einer Versöhnungsansprache an die Bevölkerung zu wenden. Er wolle Gore einen würdevollen Rückzug ermöglichen, bevor er selbst an die Öffentlichkeit trete.

Gore hatte sich zuvor mit seiner Familie auf seinen Amtssitz zurückgezogen, wo er mehr als 33 quälende Stunden auf die Entscheidung der Verfassungsrichter warten musste. Doch auch nachdem diese schließlich gefallen war, blieb der Vizepräsident von der Bildfläche verschwunden. Vor dem Gebäude demonstrierten unterdessen Anhänger der Republikaner, die Gore aufforderten, die Residenz für Bushs Vizepräsidentschaftskandidaten Dick Cheney zu räumen. "Verlassen Sie Cheneys Haus", skandierten die Demonstranten.

Vorsintflutliche Wahlgeräte haben Gore tausende Stimmen gekostet

Für alle Zeit ungeklärt bleiben wird wohl, ob für Bush wirklich die Mehrheit der Wähler in Florida gestimmt hat. Nach Angaben von Bürgerrechtsgruppen wurden zahlreiche schwarze Wähler bei der Stimmabgabe eingeschüchtert, und vorsintflutliche Wahlgeräte wurden bevorzugt in Stimmbezirken mit schwarzer Mehrheit eingesetzt. Da die Schwarzen statistisch gesehen mit fast 90 % für Gore gewählt haben, dürften dem demokratischen Kandidaten allein im mit diesen Wahlmaschinen ausgestatteten Bezirk Miami-Dade der Zeitung zufolge 7 000 Stimmen verloren gegangen sein.

Wegen der Patt-Situation in den anderen US-Staaten reicht Bush ein hauchdünner Vorsprung von 537 Stimmen in Florida, um als 43. Präsident die Nachfolge von Bill Clinton anzutreten. In den USA insgesamt erzielte Gore jedoch etwas über 300 000 Stimmen mehr als Bush - bei 209 Mill. Wahlberechtigten. Entscheidend sind jedoch die Wahlmänner, bei denen Bush nach dem Sieg in Florida (25 Wahlmänner) mit 271 zu 267 knapp führt. Die Wahlmänner kommen am 18. Dezember in den Hauptstädten ihrer jeweiligen Staaten zusammen und bestimmen dann endgültig den Präsidenten. Für die Wahl zum Präsidenten sind die Stimmen von mindestens 270 Wahlmännern notwendig. Ausgezählt werden die Stimmen aber erst am 6. Januar vom neugewählten Kongress in Washington.



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