Gore gibt sich geschlagen
Bush wird neuer Präsident

Mehr als fünf Wochen nach der Präsidentenwahl in den USA steht das Ergebnis fest: Der demokratische Kandidat Al Gore zog sich am Mittwoch aus dem Rennen um die Präsidentschaft zurück, nachdem er im Rechtsstreit um die Stimmenauszählung in Florida erfolglos geblieben war. Damit wird der Republikaner George W. Bush 43. Präsident der Vereinigten Staaten von Amerika.

ap WASHINGTON. Wegen der Patt-Situation in den anderen US-Staaten reicht Bush ein hauchdünner Vorsprung von 537 Stimmen in Florida, um als 43. Präsident die Nachfolge von Bill Clinton anzutreten. In den USA insgesamt erzielte Gore jedoch etwas über 300 000 Stimmen mehr als Bush - bei 209 Mill. Wahlberechtigten. Entscheidend sind jedoch die Wahlmänner, bei denen Bush nach dem Sieg in Florida (25 Wahlmänner) mit 271 zu 267 knapp führt.

Rede an die Nation angekündigt

"Das Rennen ist vorbei", sagte ein führender Berater Gores am Mittwochmorgen nach einem Gespräch mit dem bisherigen Vizepräsidenten. Gore wies das Stimmenzählkomitee am Mittwoch an, seine Aktivitäten zu beenden. Er werde sich am Mittwochabend in einer Ansprache an die Nation wenden, sagte sein Berater William Daley. Vorher wollte Gore dem Vernehmen nach ein Telefongespräch mit Bush führen.

Die Entscheidung fiel zwölf Stunden nachdem das Oberste Gericht der USA Gores Antrag auf weitere Kontrollzählungen umstrittener Stimmbezirke in Florida zurückgewiesen hatte. Die Verfassungsrichter verwarfen in der Nacht zum Mittwoch ein Urteil des Obersten Gerichts in Florida, das die manuelle Nachzählung von Stimmen zugelassen hatte. Zugleich erklärten die Richter mit knapper Mehrheit, weitere Nachzählungen seien innerhalb des vorgegebenen Zeitrahmens nicht mehr verfassungskonform durchzuführen. Damit traf der Supreme Court eine Vorentscheidung nach 36 aufreibenden Tagen eines bisher einmaligen Streits um die Auszählung einer US-Präsidentenwahl. Die Innenministerin Floridas, Katherine Harris, hatte am 26. November als offizielles Ergebnis für diesen Staat einen Wahlsieg Bushs mit einem Vorsprung von 537 Stimmen verkündet.

Bush will seinem Gegner würdigen Ausstieg ermöglichen

Nach der Entscheidung des Obersten Gerichts wurde Gore innerhalb seiner eigenen Partei verstärkt mit der Forderung bedrängt, seine Niederlage einzugestehen. Am Mittwochmorgen traf er sich dann mit seiner Frau Tipper und führenden Beratern. Dabei billigte er eine offizielle Erklärung, wonach er die Bemühungen um die Nachzählung umstrittener Stimmen einstellen werde.

Bush hielt sich am Mittwoch zunächst in seinem Heimatstaat Texas auf. Offenbar wollte er Gore die Gelegenheit zu einem würdigen Ausstieg aus dem Präsidentschaftsrennen geben. Bushs Kandidat für das Amt des Vizepräsidenten, Dick Cheney, führte unterdessen Gespräche mit den republikanischen Führern des Kongresses in Washington.



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