Gore kann bei den Nachzählungen leichte Stimmengewinne verzeichnen
US-Wahlen: Amerikaner warten auf Gerichtsentscheidung

Zwei Wochen nach der Präsidentenwahl warten die Amerikaner mit Spannung auf das möglicherweise ausschlaggebende Urteil des Obersten Gerichts von Florida.

dpa TALLAHASSEE. Zwei Wochen nach der Präsidentenwahl warten die Amerikaner mit Spannung auf das möglicherweise ausschlaggebende Urteil des Obersten Gerichts von Florida. Mit der Entscheidung über die Gültigkeit der Auszählung von Hand wurde spätestens im Laufe des Mittwochs gerechnet, bevor in den USA das lange Erntedankfest- Wochenende beginnt. Unterdessen verbuchte der Demokrat Al Gore bei der manuellen Auszählung leichte Stimmengewinne.

Die Richter beschäftigen sich seit Montag mit der Frage, ob die in drei Bezirken laufenden Stimmen-Nachzählungen per Hand in das Endresultat der Wahl in Florida einbezogen werden sollen. Sie hatten am Montag zweieinhalb Stunden lang die Argumente der Demokraten und der Republikaner für und gegen eine Anerkennung der laufenden Nachzählung von Stimmzetteln in dem Bundesstaat gehört.

Die Anwälte des demokratischen Kandidaten Al Gore bestanden darauf, dass nur so alle in dem Bundesstaat abgegebenen Stimmen auch gewertet werden können. Die Anwälte seines Gegenkandidaten George W. Bush wiederholten ihren Standpunkt, dass die Frist am vergangenen Dienstag abgelaufen und das ganze Verfahren unzuverlässig sei.

Beobachter schlossen aus der Art der Fragen, dass die Richter grundsätzlich nichts gegen die Wertung der Nachzählungen per Hand einzuwenden haben. Sie äußerten aber die Sorge, ob dann noch eine weitere gesetzliche Einspruchsfrist gegen das Wahlergebnis eingehalten werden kann, bis am 12. Dezember die Wahlmänner und - frauen des Bundesstaates zusammentreten. Dieser Termin ist gesetzlich vorgeschrieben. "Die wirklich entscheidenden Interessen in diesem Streit sind die der Wähler", unterstrich der Vorsitzende Richter Charles Wells.

Nach ersten Angaben aus den demokratischen Hochburgen Palm Beach, Miami-Dade und Broward County konnte Gore bei den manuellen Nachzählungen zunächst nur leichte Zugewinne verbuchen. Demnach gewann er bei der Auswertung in ersten Wahlkreisen knapp 170 Stimmen dazu. Bush führt nach offiziellen Angaben ohne Berücksichtigung der von Hand überprüften Wahlzettel in Florida mit 930 Stimmen vor Gore.

Die Demokraten erhoffen sich von den Nachzählungen deutliche Zugewinne für ihren Kandidaten durch die Wertung von Stimmzetteln, die bei der Maschinenauszählung aus technischen Gründen nicht berücksichtigt worden sind. Wer immer von den beiden Politikern die Wahl in Florida gewinnt, hätte damit genügend Stimmen für die Wahl zum Präsidenten.

Ein weiterer Streit drehte sich um etwa 1 400 Stimmen aus Übersee, die bei der Auswertung der Briefwahlstimmen nicht berücksichtigt wurden, weil sie unter anderem keinen Poststempel trugen. Dabei handelte es sich meistens um Stimmen der Soldaten, die traditionell republikanisch wählen. Die Republikaner warfen den Demokraten vor, diese Stimmen bewusst missachtet zu haben. Inzwischen hat der demokratische Justizminister Floridas, Robert Butterworth, die Wahlkommissionen angewiesen, die für ungültig erklärten Überseestimmen neu zu prüfen und unter bestimmten Voraussetzungen doch zu berücksichtigen.

Unterdessen sind mehrere Bürger mit ihrer Forderung gescheitert, die Wahl im Bezirk Palm Beach wegen verwirrender Wahlzettel zu wiederholen. Ein Richter entschied am Montag dagegen. Als dritter Bezirk begann Miami-Dade am Montag mit der manuellen Auszählung der fast 650 000 Stimmen.

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