Gore wird den Wohlstand erhalten
Bill Clinton genießt den Applaus der Massen

Zwei Wochen nach dem Kongress der Republikaner erwarteten die 5 000 Delegierten sowie je 15 000 Journalisten und Gäste mit Spannung den Abschiedsauftritt von Präsident Bill Clinton, bevor dann am Donnerstag der derzeitige Vizepräsident Al Gore zum demokratischen Präsidentschaftskandidaten gewählt werden soll. 3000 Menschen widersetzten sich allerdings der Feierstimmung. Sie protestierten gegen die geplante Hinrichtung des schwarzen Journalisten Mumia Abu-Jamal.

afp LOS ANGELES. US-Präsident Bill Clinton hat auf dem Konvent der Demokraten in Los Angeles die Errungenschaften seiner Amtszeit verteidigt und die Wähler davor gewarnt, sie leichtfertig aufs Spiel zu setzen. Die sozialen und wirtschaftlichen Fortschritte der vergangenen acht Jahre seien kein Zufall, sondern das Ergebnis von Entschlusskraft und Führungsstärke, sagte Clinton am Montagabend (Ortszeit) vor den Delegierten, die seinen Vize Al Gore am Mittwoch zum Präsidentschaftskandidaten nominieren sollen. Anders als die Republikaner habe Gore einen realistischen Plan, den derzeitigen Wohlstand zu erhalten. Clinton stand zum letzten Mal als Präsident auf der Bühne eines demokratischen Parteitages. Vor der Kongresshalle setzte die Polizei Pfefferspray gegen Demonstranten ein.

Clinton attackierte den republikanischen Präsidentschaftsbewerber George W. Bush nicht namentlich. Er wies jedoch dessen Vorwurf zurück, seine Amtszeit verschwendet zu haben. "Amerikas Erfolg war nicht eine Frage des Glücks, sondern bewusster Entscheidungen", sagte er. Gore und sein Vize-Kandidat Joseph Lieberman hätten vor, die Staatsschulden abzuzahlen, in Bildung und Gesundheit zu investieren und die Steuern für Familien in einem Maße zu senken, "das wir uns leisten können". "Wenn wir Kurs halten, dann können wir Amerika zum ersten Mal seit 1835 schuldenfrei machen", erklärte er.

In bewusster Abgrenzung zu Bush spickte Clinton seine Rede mit Zahlen und Details. Unter seiner Führung seien 22 Millionen neue Jobs geschaffen worden; die Arbeitslosenquote in der schwarzen und spanischsprachigen Bevölkerung sei die niedrigste in der Geschichte der USA. 7,5 Millionen frühere Sozialhilfe-Empfänger hätten Arbeit. 95 Prozent der US-Schulen seien ans Internet angeschlossen. Statt der größten Defizite erwirtschafte der Staatshaushalt heute die größten Überschüsse. "Wir haben unsere Brücke ins 21. Jahrhundert gebaut", sagte Clinton in Anspielung auf seinen Wahlslogan von 1996. "Wir haben sie gemeinsam überquert. Und wir werden nicht umdrehen."

Vor den Türen des Konvents hinderte die Polizei eine Gruppe von Demonstranten daran, eine Absperrung niederzureißen. Zuvor hatten 8000 bis 10.000 Menschen auf einem Platz in der Nähe des Kongresszentrums an einem Konzert der Heavy-Metal-Band "Rage Against the Machine" teilgenommen. Bei einer Kundgebung am Nachmittag wurden mindestens neun Demonstranten festgenommen. Die Proteste galten unterschiedlichsten Anliegen, wie dem Kampf gegen die Todesstrafe, der Globalisierung und den schwindenden Unterschieden zwischen den großen politischen Parteien.

Neben Clinton standen am ersten Tag des Konvents vor allem Politikerinnen im Rampenlicht, allen voran seine Frau Hillary, die sich für einen Senatsposten im Bundesstaat New York bewirbt. "Wir sind ein stärkeres, ein besseres Land als 1992", sagte die "First Lady", die von hunderten Plakaten mit ihrem Namen und dem Song "New York, New York" empfangen wurde. Frau Clinton erinnerte daran, dass Bushs Slogan, "Kein Kind darf auf der Strecke bleiben", schon vor Jahren von einer Organisation benutzt worden sei, der sie angehört habe. Gore und Lieberman seien die Kandidaten, die diesen Spruch verwirklichen könnten, sagte sie.



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