Gossenspreis für Ockenfels
Ökonomie in der Mensa

Auszeichnungen gehören für Axel Ockenfels fast zum Arbeitsalltag. Schließlich gilt der Kölner Professor als einer der international renommiertesten Ökonomen aus Deutschland. Am Mittwoch kam nun eine weitere Ehrung hinzu: Der 37-Jährige erhielt den Gossenpreis des Vereins für Socialpolitik - die mit 10 000 Euro dotierte Auszeichnung des Ökonomen-Verbandes.

BAYREUTH. Seine wirtschaftswissenschaftliche Karriere begann im Herbst 1994 in der Bonner Uni-Mensa. Dort veranstaltete der damals 25-jährige Axel Ockenfels ein Gewinnspiel. Seine Kommilitonen brauchten nur zu würfeln, zu gewinnen gab es zehn Mark. Die Spieler teilte er jeweils in Dreier-Gruppen ein und fragte vorher jeden, ob und wie viel seines möglichen Gewinns er mit Mitspielern teilen würde, die leer ausgehen.

Fast 80 Prozent der Studenten waren dazu bereit. Fast die Hälfte aller Teilnehmer offerierten Verlierern zwei Mark oder mehr - ein Verhalten, das dem traditionellen Menschenbild der Ökonomen widerspricht. Darin ist der Mensch ein "homo oeconomicus", der stets rein egoistisch handelt. Ockenfels veröffentlichte seine Ergebnisse im angesehenen "Journal of Economic Behavior and Organisation" - mit niemand Geringerem als Nobelpreisträger Reinhard Selten als Co-Autor.

Heute ist Ockenfels selbst einer der international renommiertesten Ökonomen aus Deutschland. Am Mittwoch erhielt er den Gossenpreis des Vereins für Socialpolitik (VfS). Die mit 10 000 Euro dotierte Auszeichnung des Ökonomen-Verbandes geht jedes Jahr an einen Volkswirt unter 45 Jahre, der mit seinen Arbeiten internationales Ansehen erworben hat. "Ockenfels versucht in seiner Forschung, Brücken zwischen moderner Wirtschaftstheorie und Praxis zu schlagen", lobte der VfS-Vorsitzende Friedrich Schneider.

Ehrungen gehören bei Ockenfels fast zum Arbeitsalltag: 2005 erhielt er als erster Ökonom seit 18 Jahren den mit 1,55 Mill. Euro dotierten Leibniz-Preis der Deutschen Forschungsgesellschaft. Im Handelsblatt-Ökonomenranking rangiert er in der Top 10 der forschungsstärksten Volkswirte unter 40 Jahren. Fairness, Solidarität, soziales Verhalten - um diese Themen kreisen große Teile seiner Arbeit. Mit ökonomischen Rollenspielen hat der Kölner Forscher gezeigt: Menschen agieren in der Realität nicht immer so eigennützig, wie es die traditionelle Ökonomie annimmt. Unter bestimmten Rahmenbedingungen aber handeln sie durchaus wie ein "homo oeconomicus". Als "Marktdesigner" untersucht der Kölner Ökonom zudem, wie die optimalen Rahmenbedingungen etwa für effiziente Auktionen aussehen. Er bedient sich dabei der Spieltheorie, der experimentellen Wirtschaftsforschung und der Psychologie.

"Menschen haben ihre eigene Rationalität", sagt Ockenfels. Seinen Studenten führt er das stets mit einem einfachen Experiment vor Augen: Er versteigert ein mit Kleingeld gefülltes Marmeladenglas. "Im Durchschnitt liegen die Gebote immer recht nah am tatsächlichen Wert", sagt Ockenfels. "Aber derjenige, der den Zuschlag erhält, zahlt immer viel zu viel." Der Ökonom spricht vom "Fluch des Gewinnens".

Derzeit steht Ockenfels aber nur selten im Hörsaal: Mit einem Teil seines Leibniz-Preisgelds stellte er einen Professor ein, der ihm die Lehrverpflichtungen abnimmt. In den vergangenen beiden Semestern war dies der Innsbrucker Ökonom Matthias Sutter, der im Handelsblatt-Ranking sogar knapp vor Ockenfels liegt. Sutter: "Ich bin nach Köln gegangen, weil ich mit Axel forschen will."

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