Gothaer und Signal Iduna dementieren Fusionspläne
Bei Versicherern steigt der Fusionsdruck

Auf Ertragsdruck reagieren viele Versicherer mit Kooperationen und Fusionsvorhaben. Das Geschäft mit der betrieblichen Altersvorsorge können kleinere Versicherer kaum ohne Partner bewältigen. Ein Blick nach Großbritannien zeigt, am Ende könnten nur wenige Anbieter von der Altersvorsorge profitieren.

DÜSSELDORF. Steht der fragmentierte deutsche Versicherungsmarkt vor einer Fusionswelle? "Wir befinden uns bereits mitten in einem Konsolidierungsprozess", sagt Volker Kudszos, Versicherungsanalyst bei WestLB-Panmure. Ursachen seien der schärfere Wettbewerb und der anhaltende Ertragsdruck, ausgelöst durch die schwache Kapitalmarktentwicklung, geschrumpfte stille Reserven und renditeschmälernde Gesetzesänderungen.

Vor diesem Hintergrund verwundert es wenig, dass fast alle Versicherer durch Kooperationen und zwei von fünf Unternehmen mit Fusionen gegensteuern wollen, so das Ergebnis einer Befragung der Unternehmensberatung Mummert + Partner unter Führungskräften der Versicherungsbrranche.

"Alle sprechen mit allen", kommentiert eine Sprecherin der Kölner Gothaer-Versicherungsgruppe den Branchentrend. Und so rede Gothaer auch mit Signal-Iduna. "Ein konkretes Fusionsvorhaben beider Gesellschaften gibt es aber nicht." Mit einer Umstrukturierung hatte der neue Gothaer-Vorstandsvorsitzende Werner Görg vergangenen Sommer die rechtlichen Möglichkeiten für Zusammenschlüsse seines Hauses vereinfacht. Das gleiche Modell plant auch die Dortmunder Signal-Iduna umzusetzen. Ihr Führungswechsel erleichtere Gothaer Fusionen, heißt es in der Branche. Für viele Versicherer sei eine Fusion mit Gothaer unter dem als "schwierig angesehenen" ehemaligen Chef Wolfgang Peiner "unvorstellbar gewesen".

Als "Spekulation" bezeichnete ein Sprecher der Signal-Iduna eine Fusion mit Gothaer. Über Zweck und Dauer ihrer Gespräche machten beide Unternehmen am Dienstag keine Angaben. Beide Versicherer gehören zu den zehn größten Marktteilnehmern in Deutschland, beide sind aus Fusionen hervorgegangen: Parion entstand aus Gothaer und Berlin Kölnischer, Signal Iduna aus Signal und Iduna. Die Aktivitäten der beiden Versicherer überlappen sich, sie sind in allen drei Sparten Leben, Kranken und Schaden/Unfall aktiv. Ausschlaggebend für Fusionsüberlegungen seien wohl Größeneeffekte, heißt es in der Branche.

Gescheitert ist die anvisierte Fusion der VHV-Gruppe in Hannover mit den Mannheimer Inter Versicherungen zu einem Gleichordnungskonzern. Bei der Umsetzung hätten sich "unüberbrückbare Schwierigkeiten ergeben", teilte die Inter-Versicherung mit. Geplant war, rückwirkend zum 1. Januar 2002, die drei Versicherungsvereine Inter Kranken, Inter Leben und den Sachversicherer VHV zu fusionieren. Geplatzte Zusammenschlüsse wie dieser, oder die von HDI und HUK Coburg oder Alter Leipziger mit Parion (heute Gothaer) belegen wie schwierig Fusionen in der Praxis umsetzbar sind.

"Der Teufel steckt im Detail", sagt Heijo Hauser, Geschäftsführer bei dem Versicherungsberater Tillinghast-Towers Perrin. Trotzdem erwartet er künftig mehr Kooperationen und Fusionen. "Es gibt ein Umdenken, wirklich ernst zu machen." So gebe es Druck auf kleinere Versicherer, die selbst in das Geschäft mit der betrieblichen Altersvorsorge einsteigen wollen.

"Dafür brauchen Gesellschaften eine Mindestgröße", erklärt Christoph Sönnichsen, Geschäftsführer bei der Ratingagentur Assekurata. "Das kann kein kleiner Versicherer alleine machen." Hauser verweist auf die Entwicklung in Großbritannien. Die Einführung riesterähnlicher Produkte habe dort den Konsolidierungsdruck erhöht. Heute spielten nur noch acht bis neun Gesellschaften eine Rolle in dem Geschäftsfeld Altersvorsoge. "In Deutschland wird es auch auf einige wenige große Spieler in dem Geschäft herauslaufen", erwartet er. Noch engagieren sich zwei Drittel aller Versicherer in Deutschland mit eigenen Riesterprodukten. Während große Anbieter wie Allianz/Dresdner bei lukrativen Geschäften wie dem IG-Metall-Versorgungswerk den Zuschlag erhielten, bliebe für kleinere Gesellschaften nur das sehr viel mühsamere Geschäft mit Privatkunden und kleineren Unternehmen.

Zusätzlicher Fusionsdruck enstünde durch steigende Kosten bei Produktentwicklung und EDV sowie hohen Anforderungen bei der Kapitalanlage der Kundengelder, sagt Hauser.

Eine allgemeine "Fusionitis" erwartet Sönnichsen nicht. Zudem gebe es Fusionsalternativen; so könnten Versicherer Bereiche wie ihr Kapitalmanagment auslagern. Einige große Anbieter würden sich derzeit dafür positionieren, heißt es in der Versicherungsbranche.

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