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Gottschalk und Co.

Neue Bücher, rezensiert von der Handelsblatt-Redaktion.

Gert Heidenreich: Thomas Gottschalk - Die Biographie. Deutsche Verlags-Anstalt, München 2004, 317 Seiten, 19,90 Euro."Ein Stück Glotze" nennt sich Thomas Gottschalk längst selber. Der unerschrockene, lebensfrohe Franke ist zur Ikone des deutschen Fernsehens avanciert. Eine ernsthafte Biographie über den Aufstieg des einstigen Radiomoderators des Bayerischen Rundfunks zu Europas mächtigstem Showmaster war längst überfällig. Mit leichter und dennoch präziser Sprache, die bei aller Sympathie auf Kritik und Ironie durchaus nicht verzichtet, erzählt Gert Heidenreich den Aufstieg und die wenigen Niederlagen seines früheren Nachbarn am Ammersee. Der Leser erfährt vieles über die Lebens- und Arbeitswelt des "Wetten, dass...?"-Moderators und über das raue Fernsehbusiness. Dieses Buch ist ein Lesegenuss. Hans-Peter Siebenhaar

Juli Zeh: Spieltrieb. Verlag Schöffling & Co., Frankfurt am Main 2004, 576 Seiten, 24,90 Euro. Das nächste Spiel ist immer das schwerste: Nach ihrem preisgekrönten Debüt "Adler und Engel" zog sich Juli Zeh (Jahrgang 1974) mit einem lesenswerten Reisebericht über Bosnien aus der Affä-re. Jetzt hat sie wieder einen Roman geschrieben: 576 Seiten stark, klassisch erzählt, dabei voller aktueller Bezüge. Und genau hierin besteht der Reiz des Buches. Im allwissenden, kommentierenden Stil in der Tradition von Thomas Mann wird berichtet, wie zwei Schüler der 11. Klasse eines Bonner Gymnasiums ihren Deutschlehrer in ein Spiel um Macht und Verführung verwickeln - und parallel dazu, wie die Zeitungen erst den Beginn des Irakkriegs, dann die Hitzewelle des Sommers und schließlich das Attentat von Madrid vermelden. "Spieltrieb" ist zwar weniger elegant erzählt, dafür genauso spannend wie Juli Zehs Debüt. Julia Emmrich

Hans-Jürgen Jakobs/Wolfgang R. Langenbucher (Hrsg.): Das Gewissen ihrer Zeit - Fünfzig Vorbilder des Journalismus. Picus Verlag, Wien 2004, 280 Seiten, 19,90 Euro.Nicht ganz von A bis Z, aber immerhin von Rudolf Augstein bis zu Theodor Wolff reicht das Spektrum. Es geht um fünfzig Journalisten, die uns als "Vorbilder des Qualitätsjournalismus" und als "Gewissen ihrer Zeit" nahe gebracht werden sollen. Der Journalist Hans-Jürgen Jakobs und der Publizistik-Wissenschaftler Wolfgang R. Langenbucher haben dieses Buch gemeinsam geschrieben.Der Band vereint eine Schar renommierter Autoren. Illustrer noch sind freilich die Gewürdigten. Über deren Auswahl wird man im Einzelfall streiten können. Bei einigen, die der Bildungsnormalbürger wohl eher als Dichter und Schriftsteller kennt, lohnte vielleicht die Nachfrage, wo und wie sie spezifisch im Journalismus Maßstäbe gesetzt haben. Die Gesamtschau ist gleichwohl überzeugend. Das Buch eine geniale Idee. Stephan Russ-Mohl

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