Grand Prix kontra „Superstar“
Zwei TV-Shows im Kampf um die Quote

Dem traditionellen Grand Prix fehlt die charismatische Figur. Die "Superstar"-Show hingegen hat es geschafft, über lange Zeit das Interesse der Menschen zu steigern. Wer mitreden will, muß informiert sein. Es fehlt jedoch das Flair des internationalen Wettbewerbs.

HB/dpa HAMBURG/KÖLN. Während die deutsche Vorentscheidung zum Grand Prix Eurovision jedoch diesmal mit deutlich weniger Schlagzeilen und Skandalen im Vorfeld in der ARD (7. März) über die Bühne geht, werden Millionen Deutsche seit Wochen täglich in der Boulevardpresse auf das Finale des RTL-Erfolgs "Deutschland sucht den Superstar" (8. März) eingestimmt. Kritiker des traditionsreichen Schlager-Wettbewerbs sahen bereits das Ende des Grand Prix gekommen, doch Musik- und Medienexperten bezweifeln, dass der Schatten des "Superstars" von Dauer ist.

"Das "Superstar'-Format wird sich wie andere Unterhaltungsformate, die anfangs unglaublich erfolgreich waren, wieder abnutzen und zu einem Übersättigungseffekt führen", sagt Joan Bleicher vom Hans- Bredow-Institut für Medienforschung an der Universität Hamburg. "Der Grand Prix dagegen hat ja auch den Reiz des internationalen Vergleichs, während der "Superstar" deutlich national orientiert ist." Dafür biete die RTL-Show ihren Zuschauern eine ganz andere Möglichkeit: "Sie können die Karriere von ganz normalen Menschen verfolgen, mit Prominenten geht man emotional anders um als mit Laien."

Was dem Grand Prix, den gewöhnlich bei der nationalen Vorausscheidung etwa zehn Millionen Zuschauer verfolgen, nach Ansicht der Medienforscherin diesmal fehlt, ist das "Element der Selbstironie". "Mit den Parodisten der vergangenen Jahre haben es ungewöhnliche Personen geschafft, die Aufmerksamkeit auf sich zu lenken." Auch Zeitgeistforscher Andreas Steinle vom Hamburger Trendbüro sieht darin das Problem: "Der Grand Prix hat immer dann Kultcharakter bekommen, wenn man einen Menschen hatte, um den man einen Kult machen konnte. Um ein Format allein lässt sich kein Kult machen." Die "Superstar"-Show hingegen habe es geschafft, über lange Zeit das Interesse zu steigern und eine "magische Schwelle" überschritten. "Die Leute interessieren sich mittlerweile dafür, weil sich die Leute dafür interessieren."

Tradition kontra Moderne

Doch schon mit der nächsten Staffel verliere die RTL-Show, die am vergangenen Samstag knapp zwölf Millionen Menschen sahen, einen großen Vorteil gegenüber dem Grand Prix, meint Steinle, "denn es ist nie mehr so spannend wie beim ersten Mal." Ähnlich sieht es der Grand Prix-Experte Jan Feddersen, der ein umfassendes Werk zur Grand- Prix-Geschichte herausgebracht hat und für die Berliner Tageszeitung "taz" über den Contest berichtet: "Wenn man den ersten Sex vor sich hat, dann findet man das auch alles irgendwie ganz spannend. Der Grand Prix aber hat Tradition."

Im Gegensatz zu kurzzeitigem Starruhm durch solche Shows wie "Big Brother", etwa bei Zlatko, könnten Künstler beim Eurovisions- Wettbewerb nachhaltigen Erfolg ernten, ist Feddersen überzeugt. "Wer hier eine glänzende Show hingelegt und den Auftritt nicht nur als Promo-Möglichkeit genutzt hat, ist nach wie vor ein Star." Der Grand- Prix-Experte bezweifelt, dass die Menschen jemanden wie "Superstar"- Kandidat Daniel Küblböck im Juli noch hören wollen. "Das ist jetzt eine große Human-Touch-Geschichte, aber künstlerisch mit minderer Substanz."

Schafft es Elmar Brandt die Leute zu begeistern ?

Dass es dem Grand Prix, unter dessen 14 Teilnehmern Kanzler- Imitator Elmar Brandt der einzig Prominente ist, diesmal am Medienrummel um einen Superstar mangelt, liegt nach Feddersens Meinung in Brandts Person selbst. "Das Erstaunliche für mich ist, dass er offenbar wie ein Mann ohne Eigenschaften funktioniert. Da waren natürlich solche Leute wie Michelle, Guildo Horn, Stefan Raab oder Rudolph Moshammer ganz anders, die hatten auch Glamour um sich." Welcher Sieger nach den beiden Shows am Wochenende sowohl in den Medien als auch musikalisch länger für Gesprächsstoff sorgen wird, ist nach Einschätzung des Musikexperten Manfred Gellig noch überhaupt nicht abzusehen. "Es kann beiden Gewinnern wie Zlatko ergehen, aber es kann auch anders funktionieren", meint der Chefredakteur der "Musikwoche". Nach Jahren der Bedeutungslosigkeit und dann dem Hype um die deutsche Vorentscheidung - ähnlich wie jetzt beim "Superstar" - sei es ganz natürlich, dass eine gewisse Normalität einkehre. Wer nach den Wettbewerben auf dem Plattenmarkt das Rennen mache, bleibe abzuwarten. "Der Grand Prix bietet diesmal viele Sachen von guter Qualität und der "Superstar', das ist eben Dieter Bohlen."

Der bei Hamburg lebende Erfolgsproduzent Bohlen weiß jedenfalls beide Wettbewerbe für sich gut zu nutzen: Vor dem Finale "seiner" Show am Samstag (8. März um 21.15 Uhr auf RTL) tritt er am Freitag (20.15 Uhr) mit Modern Talking bei der Kieler Vorentscheidung auf - sinnigerweiße mit dem Titel "TV Makes The Superstar".

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