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Heidelberg Cement rechnet mit Kartellbuße

Der Bauzulieferer Heidelberg Cement erwartet wegen des Vorwurfs von Preisabsprachen auf dem deutschen Zementmarkt in Kürze eine Kartellstrafe und sieht 2003 zudem keine wesentliche Belebung seiner Geschäfte.

Reuters FRANKFURT. Bereits 2002 verbuchte der Zementhersteller angesichts der inländischen Baukrise Rückgänge bei Umsatz und operativen Gewinn. Das Nettoergebnis konnte indes infolge einer geringeren Steuerlast gesteigert werden. In diesem Jahr will der Konzern nun weiter Kosten senken und die Schulden reduzieren, wie Vorstandschef Hans Bauer am Montag in Frankfurt ankündigte.

Heidelberg Cement äußerte sich bei der Vorlage der Geschäftszahlen auch erstmals näher zu den Untersuchungen der Bundeskartellamtes über angebliche Preisabsprachen auf dem deutschen Zementmarkt. Das Unternehmen erwarte im April einen Bußgeldbescheid und habe dafür "angemessen und ausreichend" Vorsorge getragen, sagte Bauer. Zahlen wollte er nicht nennen. Bauer wiederholte die Einschätzung des Unternehmens, in dem Verfahren nur eine "untergeordnete Rolle" zu spielen, und bekräftigte die Absicht, gegen eine etwaige Strafe rechtlich vorgehen zu wollen.

"Wir werden vor Gericht marschieren", unterstrich der Vorstandsvorsitzende. "Und vor Gericht zählen Beweise und keine Behauptungen." Zugleich warf er dem Kartellamt vor, sich "sehr früh und viel zu weit aus dem Fenster gelehnt" zu haben. Die Bonner Wettbewerbshüter verdächtigen führende Zementfirmen, jahrelang Regionen untereinander aufgeteilt und Zementpreise festgelegt zu haben. Die Summe aller Bußgelder könnte sich auf rund eine Milliarde Euro und damit auf eine bislang nie erreichte Größenordnung belaufen. Heidelberg Cement droht dabei möglicherweise eine Buße von bis zu 400 Millionen Euro, wie Reuters aus Branchenkreisen erfahren hatte.

Operativer Gewinn im Rahmen der Erwartungen

2002 bekam Heidelberg Cement insbesondere den schwachen deutschen Baustoffmarkt bei zugleich hartem Preiswettbewerb zu spüren. Auf den wichtigen internationalen Märkten habe das Unternehmen hingegen wachsende oder zumindest stabile Erträge erzielt, hieß es. Der Konzernumsatz sank um 1,8 Prozent auf 6,57 Milliarden Euro. Das operative Ergebnis schrumpfte um 11,5 Prozent auf 500 Millionen Euro, womit das Unternehmen aber im Rahmen der Erwartungen von Analysten lag. "Ohne Deutschland hätte der Konzern im Umsatz neun Prozent zugelegt", sagte Bauer.

Die Nettoverschuldung reduzierte Heidelberg Cement gemäß der Planungen um 500 Millionen auf 4,3 Milliarden Euro - eine Größenordnung, um die die Schulden auch in diesem Jahr gesenkt werden sollen, wie Bauer sagte. Dafür wolle der Konzern weiter Kosten senken und kräftig desinvestieren. "Wir werden uns weiter Zurückhaltung auferlegen bei den Investitionen." Zugleich wolle Heidelberg Cement aber durch gezielte Zukäufe weiterhin zur Nummer Eins auf dem deutschen Zementmarkt - vor der Wiesbadener Dyckerhoff AG - aufsteigen, fügte Bauer hinzu.

Wie bereits 2002 sieht Heidelberg Cement in diesem Jahr keine Belebung der Inlandsgeschäfte bei zugleich konstanten oder wachsenden Auslandsaktivitäten. "Wir müssen wieder die schwache Entwicklung in Deutschland mit dem internationalen Geschäft auffangen", sagte Bauer. Er sehe einen Absatzrückgang im Inland von sieben bis acht Prozent. "Wir werden in Deutschland sicherlich keine Kapazitäten ausbauen, sondern müssen sie weiter zurückführen." Besonders belastend wirke sich der Preisverfall aus: "Das, was sich im Moment abspielt, ist ruinös." Den Angaben zufolge sank in Deutschland der Preis für eine Tonne Zement im vergangenen Jahr bereits auf weniger als 50 Euro. "Wir werden uns in diesem Jahr den 40 Euro annähern", hieß es.

Für die ausländischen Märkte - auf denen HeidelberCement den bei weitem größten Umsatzanteil erzielt - zeigte sich Bauer indes zuversichtlich bis optimistisch. Allerdings erwarte er auf dem wichtigen nordamerikanischen Markt eine leicht rückläufige Nachfrage. In Osteuropa würden erneut zum Teil deutliche Wachstumsraten angepeilt und auch Asien dürfte weiter zulegen. Insgesamt sei es jedoch zu früh, eine konkrete Prognose für den Konzern abzugeben. "Meine Erwartungen sind aber ähnlich wie für 2002", unterstrich der Vorstandschef. Die Aktie des Unternehmens verlor in einem schwachen Gesamtmarkt am Montag rund 2,7 Prozent auf 28,85 Euro.

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