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Gratiszeitung soll ab 2002 bundesweit erscheinen

Mit einer Neugestaltung seiner Kölner Gratis-Zeitung «20 Minuten» bereitet der norwegische Schibsted Verlag eine bundesweite Expansion des Blattes vor.

dpa KÖLN. Die überarbeitete Zeitung, die am Freitag in Köln vorgestellt wurde, soll «Speerspitze» für die Anfang 2002 geplante Ausweitung in weitere deutsche Großstädte sein, sagte Verlagssprecher Ekkehard Kuppel am Freitag in Köln. Die neue Ausgabe werde ab Montag in der Domstadt verteilt. Die Verleger großen Kölner Boulevard-Zeitungen klagten unterdessen über Auflageneinbußen durch die kostenlose Konkurrenz.

«20 Minuten» habe mit 24 Seiten einen größeren Umfang als bisher und solle zudem als «Multimedia-Portal zur Verzahnung von Off- und Online-Aktivitäten» dienen. Neben den traditionellen Schwerpunkten Nachrichten, Lokales, Sport und Service biete die zu einer Art zweiten Titelseite umgestaltete Rückseite den Einstieg für eine «Entertainment-Welt» mit Partytipps, Flirt-Ecken und interaktiven Spielen. Durch diese Strategie der «Zwei-Eingangs-Zeitung» werde den Lesern die Auswahl zwischen Information und Unterhaltung gegeben, so Kuppel. Zudem biete ein «Webcenter» im Internet die Möglichkeit, sich den ganzen Tag mit aktualisierten Nachrichten zu versorgen. Per SMS sollen Neuigkeiten und Tipps auch aufs Handy geliefert werden.

Schibsted sucht neue Partner

Für die geplante bundesweite Expansion will Schibsted neue Partner anwerben. Man könne sich neue Wege im Vertrieb - etwa wie bereits in der Schweiz praktiziert über Schnellrestaurants - vorstellen. Gemeinsame Aktionen seien aber auch mit Radiosendern, Zeitschriften oder Online-Medien wünschenswert. Der Axel Springer Verlag hatte seine ebenfalls kostenlose «Extra-Zeitung» bereits vor einem Monat überarbeitet, der Verlag M. DuMont Schauberg will Mitte Mai einen «Relaunch» seines kostenlosen «Kölner Morgen» präsentieren.

Unterdessen müssen die Kölner Ausgaben der Zeitungen «Bild» und «Express» nach eigenen Angaben gravierende Auflagenverluste durch die kostenlose Konkurrenz hinnehmen. So sei die Auflage der «Bild»- Zeitung in direkter Nähe der Gratis-Verteilkästen im ersten Quartal 2001 um mehr als zehn Prozent zurückgegangen, obwohl sie im gesamten Köln-Bonner Raum etwa ein Prozent hinzu gewonnen habe, sagte eine Sprecherin des Axel Springer Verlags. Auch der Verlag M. DuMont Schauberg führt das Minus bei seiner Zeitung «Express» von rund einem Prozent im Köln-Bonner Raum auf die kostenlose Konkurrenz zurück.

In Köln hatte der Schibsted Verlag mit seiner ersten kostenlos abgegebenen, über Anzeigen finanzierten Tageszeitung «20 Minuten Köln» Ende 1999 den Markt aufgewirbelt. DuMont Schauberg und Axel Springer Verlag reagierten mit eigenen «Abwehrblättern» und zogen gleichzeitig vor Gericht, weil sie Gratiszeitungen grundsätzlich für wettbewerbswidrig halten. Im Gegenzug hatte Schibsted die beiden etablierten Verlagshäuser wegen angeblicher «Dumpingpreise» bei deren Gratisblättern verklagt. Die Handelskammer des Kölner Landgerichts will darüber am 28. Juni verhandeln.

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