Graumarkt verursacht jährliche Schäden von 40 Mrd. DM
Hochkonjunktur für Abzocker

"Betrüger haben am Kapitalmarkt derzeit Hochkonjunktur", sagt Medard Fuchsgruber. "Die fallenden Aktienkurse sorgen dafür, dass Anleger mit vermeintlich renditestarken Angeboten geködert werden, die sich bei genauem Hinsehen als reine Abzockerei erweisen."

ap HAMBURG. Fuchsgruber muss es wissen, denn er ist Vorsitzender beim Bund der Kapitalanleger (bdka). Der Verein mit Sitz im saarländischen Ottweiler ist die einzige Anlegerschutzgemeinschaft in Deutschland, die sich auf den sogenannten grauen Markt spezialisiert hat.

Der bdka, der vor zehn Jahren gegründet wurde, will Anlegern Orientierung in diesem besonders undurchsichtigen Marktsegment bieten. Denn der freie Kapitalmarkt wird nicht von Banken, Versicherungen oder Fondsgesellschaften bedient und unterliegt keiner Kontrolle. Das hat Folgen: "Der graue Markt verursacht jährlich Schäden von über 40 Mrd. DM, und man muss davon ausgehen, dass der weitaus größte Teil der Angebote unseriös ist", sagt Fuchsgruber.

Selbst für Experten ist das Angebot im freien Finanzmarkt nur schwer zu überblicken, zumal viele Finanzberater sowohl staatlich kontrollierte Produkte als auch Graumarkt-Angebote im Programm haben. Allein die Stiftung Warentest führt in ihrer aktuellen Warnliste rund 300 Firmen auf, in jüngster Zeit negativ aufgefallen sind. Das Spektrum reicht von wertlosen Aktien bis zu unseriösen Alters-Vorsorgeplänen. Die Warentester betonen, dass ein vollständiger Überblick kaum möglich sei, da die Firmen Namen, Adressen und Angebote oft sehr schnell wechselten.

Anbieter überteuerter Immobilien besonders aktiv

Besonders aktiv sind laut Fuchsgruber derzeit Anbieter überteuerter Eigentumswohnungen. Deren Preise enthielten oft bis zu 50 % an "Weichkosten", also Gebühren und Provisionen, die für den Anleger nicht erkennbar seien. Ein `Revival" erlebten auch Warentermingeschäfte per Telefon. Dabei machten sich die Anbieter den schwachen Aktienmarkt zu Nutze, indem sie Anlegern suggerierten, sie könnten gerade bei fallenden Kursen viel Geld verdienen.

Auch windige Steuersparmodelle, wie atypisch stille Beteiligungen an Firmen, bei denen der Anleger sich mit einer festen Summe engagiere, würden vermehrt angeboten. "Das Argument, man könne Steuern sparen, zieht derzeit besonders gut und wird für viele betrügerischen Angebote genutzt", sagt Fuchsgruber.

Der Bund der Kapitalanleger bietet seinen Mitgliedern die kostenlose Prüfung von Anlageangeboten und prüft im Schadensfall, ob sich eine Klage lohnt. Dazu arbeitet der Verein bundesweit mit Fachanwälten zusammen. Über jüngste Entwicklungen am grauen Markt wird mit einer Vereinszeitschrift und in Rundschreiben informiert. Der jährliche Mitgliedsbeitrag beträgt 120 DM plus eine Aufnahmegebühr von 50 DM (Kontaktadresse: Bund der Kapitalanleger e.V., Postfach 1217, 66558 Ottweiler).

"Leider kommen die meisten Leute erst zu uns, wenn sie bereits einen Schaden erlitten haben", sagt Fuchsgruber. In Geldangelegenheiten sei die Vorsorgementalität der Kleinanleger offenbar nicht besonders ausgeprägt. Dabei sei gerade am grauen Markt eine Absicherung äußerst wichtig, denn hier seien Betrüger wegen der mangelnden Kontrolle `auf der besseren Seite". Der Experte befürchtet, dass die Zahl der Geschädigten schon bald sprunghaft steigen könnte. Verantwortlich dafür sei die geplante Rentenreform. `Wenn die erst einmal beschlossen ist, werden ganze Kompanien dubioser Berater ausrücken und Interessenten mit angeblich staatlich geförderten Produkte ködern".

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