Graupner hat seit einem halben Jahrhundert Freude am "kleinen Uhu": Zu Land, zu Wasser und in der Luft

Graupner hat seit einem halben Jahrhundert Freude am "kleinen Uhu"
Zu Land, zu Wasser und in der Luft

Seit mehr als 70 Jahren ist Graupner eine der ersten Adressen im Modellbau. Das schwäbische Familienunternehmen produziert ferngesteuerte Autos, Schiffe und Flugzeuge.

KIRCHHEIM/TECK. So ganz hat sich selbst Firmenchef Stefan Graupner noch nicht an den riesigen Karton gewöhnt, in dem der mächtige Hubschrauber steckt: Der NH-90 Jet ist seit vergangenem Jahr das Aushängeschild der schwäbischen Modellbaufirma Graupner. Ein High-tech-Gerät, das mit einem kraftvollen Turbinenantrieb die Luft zum Vibrieren bringt und so groß ist, dass die Verpackung die Maße eines Sargs bekommen hat.

Stefan Graupner mag den Vergleich nicht. Und doch: Der 1,80 Meter lange und knapp einen halben Meter breite Transporthubschrauber sticht aus den Hunderten von Flugzeugen, Autos und Schiffen heraus, die das mehr als 70 Jahre alte Unternehmen im Programm hat. Und das nicht nur wegen der für ein Modell außergewöhnlichen Größe, sondern auch vom Preis her: Das zehn Kilogramm schwere Profi-Gerät kostet so viel wie ein Kleinwagen, etwa 8 000 Euro.

Graupner ist Spezialist für alles, was mit ferngesteuerten Modellen zu tun hat - und sieht sich hier zu Lande als Marktführer vor zahlreichen Wettbewerbern aus Fernost und dem deutschen Konkurrenten Robbe. 40 Mill. Euro hat die Firma aus Kirchheim/Teck im vergangenen Jahr umgesetzt, Tendenz steigend. Wie es sich für ein schwäbisches Familienunternehmen gehört, hat der Mittelständler einen Gewinn erwirtschaftet. Die genaue Summe will Stefan Graupner aber nicht verraten.

Der Name Graupner ist für viele Modellsport-Begeisterte die erste Adresse für ihr Hobby. Gewiss: Für Kinder haben die Schwaben eine ganze Reihe einfacher Flugzeug-Modelle für eine Hand voll Euro im Programm. Selbst aufwendigere Autos, Flieger und Schiffe gibt es samt Fernsteuerung bereits für 150 Euro. Doch die Produkte stammen nicht aus eigener Produktion, sondern werden fix und fertig von Fabriken aus Fernost angeliefert. "Wir kommen um die Fertigmodelle aus Vietnam und China nicht herum", rechtfertigt sich Firmenchef Stefan Graupner, "die Leute wollen die vormontierten Modelle. Den Menschen ist es einfach zu viel, vier Wochen an einem Auto oder Schiff zu basteln." In der eigenen Fabrik mit den 220 Mitarbeitern in Kirchheim/Teck - ganz in der Nähe von Stuttgart - lassen sich die Modelle so günstig nicht bauen, deshalb wird importiert.

Der 35-jährige Firmenchef kann seine Abneigung gegenüber den einfachen, zugekauften Artikeln aber kaum unterdrücken. Sein Herz schlägt ganz für die technisch ausgefeilten Profi-Angebote, von denen der fast 1 000 Seiten dicke Katalog geradezu überquillt. Ein Beispiel: Mit einem Strahltriebwerk ausgestattet, beschleunigen die Jets von Graupner auf 200 bis 300 Stundenkilometer. Im Katalog weist die Firma extra darauf hin, die Flugzeuge nur mit "besonderen Fachkenntnissen" in die Lüfte zu lassen. Selbst die Autos sind eine Wissenschaft für sich: Öldruckstoßdämpfer, Scheibenbremsen und Allradantrieb gehören zum Standard. Hobby-Modellbauer verbringen jede freie Minute damit, die Fahrzeuge zusammenzubauen und für Rennen aufzurüsten.

Graupner hat Erfahrung wie kaum ein anderes Unternehmen auf dem Gebiet: Bereits in den 30er Jahren übernahm Stefan Graupners Großvater Johannes die Abteilung Laubsägearbeiten seines bisherigen Arbeitgebers im Stuttgarter Stadtteil Bad-Cannstatt. Die Produkte waren aber hauptsächlich im Winter gefragt, und auf seiner Suche nach einem Umsatzbringer für den Sommer entdeckte der Unternehmer den Modellbau. Schon seit 1935 liefert die Firma konsequent an den Fachhandel. In den großen Supermarkt- Ketten und Spielzeug-Discountern ist Graupner nicht zu finden.

Laubsägearbeiten spielen heute kaum eine Rolle mehr, Holz hingegen schon. In Equador beschäftigt Graupner 80 Mitarbeiter in einer Plantage, die Balsaholz produziert. Das extrem leichte Holz ist der ideale Baustoff für viele Modelle. Die Schwaben nutzen ihr Holz deshalb nicht nur für die eigene Produktion, sondern vertreiben es an Modellbau-Unternehmen auf der ganzen Welt.

Graupner sieht sich nicht als Spielzeug-Anbieter, sondern als Hobby-Ausrüster. Der stagnierende deutsche Spielwarenmarkt konnte den Umsatzzuwachs in den vergangenen Jahren deshalb nicht bremsen. "Wir leben in einer stabilen Nische", freut sich Stefan Graupner. Doch auch seine Firma leidet darunter, dass den Deutschen das Geld nicht mehr so locker sitzt. Graupner: "Wir spüren die harte Konkurrenz im Freizeitbereich." Der Hubschrauber für 8 000 Euro, da ist er ganz sicher, findet dennoch seine Abnehmer.

Joachim Hofer
Joachim Hofer
Handelsblatt / Korrespondent München
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