Grausamer Ritualmord in London
Okkultismuspolizei ist letzte Hoffnung

Südafrikas Okkultismuspolizisten sind die Spezialisten im Kampf gegen grausame Ritual-Verbrechen. "Jeden Monat dürfte in Südafrika wohl ein Mensch den "Mushonga" genannten rituellen Tötungen zum Opfer fallen", schätzt der Chef der Ermittlungsbehörde in Pretoria, Gerard Lambuschagne.

dpa JOHANNESBURG/PRETORIA. Andere Experten sprechen von monatlich mehr als zehn Ritual-Morden, viele davon an Kindern. Lambuschagnes Einheit hat einen so guten Ruf, dass nun auch Großbritanniens Scotland Yard seine Ermittler ans Kap beordert hat. Sie sind dem mysteriösen Tod eines afrikanischen Jungen auf der Spur, dessen Leichnam - ohne Arme, Beine und Kopf - am 21. September 2001 bei London aus der Themse gefischt worden war.

Nur mit einer in Deutschland gekauften kurzen Hose war er bekleidet. Der Kopf war "auf ungewöhnliche Weise abgetrennt worden", so das Polizeiprotokoll. Um den Unbekannten wenigstens benennen zu können, haben ihm britische Polizisten den Namen "Adam" gegeben. Nun ist Adams Torso in Afrika, wo südafrikanische Gerichtsmediziner den Leichnam erneut obduziert haben.

Ihr Urteil stimmte mit dem der britischen Kollegen überein: Der Leichnam weist Spuren eines Ritualmordes auf. Die britischen Ermittler sollen nun mit der weltweit einzigartigen Spezialeinheit für Okkultismusverbrechen der südafrikanischen Polizei in Pretoria ein "biologisches Bild" von Adam zeichnen. Es soll Auskunft über Herkunft und Todesumstände geben.

An diesem Freitag will auch Ex-Präsident Nelson Mandela öffentlich zur Mithilfe bei Adams Identifizierung aufrufen. Mandela, der sich nicht als abergläubig bezeichnet, setzt sich seit langem gegen die schwarzen Schafe der Wunderheiler-Branche ein. Doch auch er musste sich schon mit einem vermeintlichen Zauber auseinander setzen, als er 1998 von einem Bienenschwarm angegriffen und mehrmals gestochen wurde. Die "Sangomas" behaupteten, es sei ein Zeichen für "Unfrieden mit den Vorfahren", Bienen seien deren klassische Repräsentanten. Doch Mandela praktizierte keinen Gegenzauber. Dafür hätte er eine Kuh und eine Ziegen schlachten, einen Zaubertrank trinken und die Frauen der Familie Bier brauen lassen müssen, lautete ein Sangoma-Rat.

Die Experten von Südafrikas "Occult Unit" kennen sich mit den dunklen Praktiken der schwarzen Schafe unter den Sangoma oder Inyanga genannten Sehern und Heilern aus. Sie sollen ihre englischen Kollegen nun mit der Tradition des so genannten Muti-Zaubers vertraut machen. Muti ist ein Begriff aus der Zulu-Sprache und steht eigentlich für nichts anderes als Medizin. Inyangas benutzen aber mitunter Hände, Füße, Geschlechtsteile oder auch innere Organe, um Muti-Zauber zu erzeugen. Die meisten der rund 200 000 Naturheiler in Südafrika sind mehr oder weniger harmlos; viele setzen auf überlieferte Kräuterrezepte, Affenpfoten oder Hühnerkrallen.

Doch für Zaubersprüche mit angeblich starken Kräften werden besonders schwer zu beschaffende Zutaten benötigt. Organe oder Extremitäten von Kindern gelten in bestimmten Kreisen als sehr wertvoll, da sie als rein angesehen werden. Kunden zahlen dafür oft viel Geld. Der Glaube an die Wirksamkeit des Muti-Zaubers ist in Afrika allgemein weit verbreitet - selbst Fußball-Nationalspieler oder Zeitungsredaktionen setzen auf übersinnliche Unterstützung. In Johannesburg lassen selbst Taxifahrer ihre Autos so gegen böse Fahrgäste schützen.

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