Green Card gebilligt
Die Inder kommen ab August

Bis zu 20 000 IT-Profis aus Staaten außerhalb der EU koennen zeitlich beschränkt in Deutschland arbeiten. Tausende aus Indien, Pakistan und Osteuropa stehen bereit

dpa BONN. Der Bundesrat hat am Freitag die Green Card-Pläne der Bundesregierung gebilligt. Damit können ab 1. August ausländische Computer-Spezialisten außerhalb der Europäischen Union angeworben werden. Hoch qualifizierte ausländische Experten der Informations- und Kommunikationstechnologie erhalten eine zeitlich beschränkte Aufenthaltserlaubnis.

Die Deutsch Handelskammer-Indische begrüßte die Entscheidung. Die Green Card werde das Ansehen Deutschlands verbessern, hieß es in Bombay. In der indischen Software-Industrie zeigte sich jedoch Skepsis. "Deutschen Unternehmen werden die indischen Fachleute zu teuer sein", meinte der Vertreter einer Software-Firma in Kalkutta. Die Betriebe in Indien sind aber an Zusammenarbeit mit deutschen Firmen interessiert.

Durchsetzung in vier Monaten

Die Debatte um eine so genannte Green Card nach amerikanischem Vorbild war von Bundeskanzler Gerhard Schröder (SPD) Ende Februar bei der Eröffnung der weltgrößten Computermesse CeBIT ausgelöst worden. Inzwischen haben sich schon 15 000 ausländische Computer-Spezialisten nach der deutschen Regelung erkundigt, darunter sind Tausende aus Indien und Pakistan.

Auf Grundlage dieser Verordnung können bis zu 20 000 Spitzenkräfte der Informationstechnologie (IT) aus Staaten außerhalb der Europäischen Union eine Arbeitserlaubnis erhalten. Zunächst soll die Erlaubnis für 10 000 Experten erteilt werden. Danach soll geprüft werden, ob ein weiterer Bedarf besteht.

Die Verordnung fordert von den Bewerbern einen Hochschulabschluss oder den Verdienst eines Jahresgehalts von mindestens 100 000 DM. Der Vorschlag des Bundesrates, die Einkommensgrenze mit Blick auf den Mittelstand auf 75 000 DM herabzusetzen, wurde abgelehnt. Die auf fünf Jahre befristete Aufenthaltserlaubnis kann aber verlängert werden. Die Experten könnten Ehegatten und Kinder mitbringen.

75 000 Stellen in der IT-Branche unbesetzt

In der kurzen Debatte des Bundesrats wies der Parlamentarische Innen-Staatssekretär Fritz Rudolf Körper (SPD) darauf hin, dass in Deutschland in der IT-Branche etwa 75 000 Stellen unbesetzt seien. Ohne Green Card verliere Deutschland bei der stürmischen Entwicklung in diesem Bereich den Anschluss. Zu dem Vorstoß Bayerns für eine auch in anderen Bereichen geltende "Blue Card" sagte Körper: "Die Wirtschaft braucht nicht 16 verschiedene uneinheitliche Länderregelungen, sondern eine bundeseinheitliche Grundlage."

Der niedersächsische Ministerpräsident Sigmar Gabriel (SPD) forderte zum Wettbewerb um die besten Köpfe auf. Baden-Württembergs Ministerpräsident Erwin Teufel (CDU) kritisierte die Green Card- Initiative als Insellösung. Man dürfe sich nicht darauf verlassen, "dass andere für uns die Ausbildung übernehmen". Der Schlüssel sei vielmehr "Bildung, Ausbildung und Weiterbildung". Der bayerische Innenminister Günther Beckstein (CSU) nannte die Blue Card seines Landes vernünftiger.

Bisher 15 000 Anfragen aus aller Welt

Rund 15 000 Computerspezialisten aus aller Welt haben sich in den vergangenen Wochen nach der Green Card-Aktion erkundigt. Allein aus Indien und Pakistan meldeten sich 4 500 IT- Spezialisten, berichtete die Zentralstelle für Arbeitsvermittlung (ZAV) in Bonn. Auch in den osteuropäischen Ländern gebe es großes Interesse. Selbst aus den USA seien mehr als 100 Anfragen gekommen.

Die Bundesanstalt für Arbeit hat im Internet eine Börse unter "www.arbeitsamt.de" eingerichtet. Dort wurden über 2 700 Bewerbungen verzeichnet. Weitere 6 300 Interessenten hätten sich ein Passwort geben lassen, um ihr Angebot in die elektronische Stellenbörse einstellen zu können. Der Präsident der Bundesanstalt für Arbeit, Berhard Jagoda, und Arbeitgeberpräsident Dieter Hundt rieten den Betrieben, schon jetzt an die Bewerber in der Stellenbörse heranzutreten.

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