Green Cards für Fachkräfte: Bedarf an ausländischen IT-Experten sinkt

Green Cards für Fachkräfte
Bedarf an ausländischen IT-Experten sinkt

Der Branchenverband der Informations- und Kommunikationswirtschaft (Bitkom) sieht das Urteil des Bundesverfassungsgerichts kritisch und bleibt bei seiner Meinung: "Die Green Card ist für unsere Branche ein großer Erfolg und ein wichtiger Standortfaktor", sagte Bitkom-Vizepräsident Jörg Menno Harms bei der Bilanz des ersten Jahres mit der Green Card im Juli 2001.

FRANKFURT. Daran habe sich bis heute nichts geändert, bestätigt der Verband. Denn die IT-Branche brachte damals den Stein ins Rollen. 1999 suchten IT-Unternehmen auf dem Höhepunkt des Internet-Booms nach Fachkräften. Gesucht wurden vor allem Programmierer und Datenbankspezialisten. Denn die Zahl deutscher Hochschulabsolventen war viel zu niedrig, um die steigende Nachfrage der boomenden Branche zu befriedigen.

Aus diesem Mangel erwuchs die Idee einer vereinfachten Aufenthalts- und Arbeitserlaubnisregelung für ausländische Spezialisten - die Green-Card-Regelung. Rund 13 000 ausländische IT-Spezialisten vor allem aus Osteuropa und Indien sind seit August 2000 ins Land gekommen. Der Bedarf war groß, denn nicht nur Internet- und Telekommunikationsfirmen, sondern auch Banken und Finanzdienstleister brauchten Experten für Internet-Marktplätze, Online-Banking und den Aktienhandel über das Internet.

Mit der Umstellung der Computer auf den Jahrtausendwechsel wuchs auch in der übrigen Wirtschaft die Nachfrage. Doch bereits mit dem Start der Green-Card-Initiative im Jahr 2000 begann der Markt zu kippen. Zuerst verflog die Internet-Euphorie an den Finanzmärkten. Es folgte eine Welle von Unternehmenspleiten, da vielen der defizitären Internet-Startups wegen ausbleibender Anschlussfinanzierung die Mittel ausgingen. So dauerte es mehr als ein Jahr, bis das Kontingent der ersten 10 000 Green Cards tatsächlich ausgeschöpft war.

Trotz der sich abzeichnenden Krise beauftragte aber der damalige Bundesarbeitsminister Walter Riester die zuständige Bundesanstalt für Arbeit mit der Erteilung weiterer 10 000 Green Cards. Dieses Kontingent wurde aber bis heute nicht annähernd ausgeschöpft. Denn die Krise nach dem Internet-Boom trifft die gesamte IT-Branche bis heute. "Noch bis Mitte des Jahres 2001 war es unser größtes Problem, qualifiziertes Personal zu finden, um den wachsenden Auftragsbestand abzuarbeiten", sagt Peter Strabel, Vorstandsvorsitzender des IT-Dienstleisters CSC-Ploenzke.

Seither hat sich allerdings einiges verändert: Um bis zu 50 Prozent kürzten Konzerne ihre IT-Budgets vergangenes Jahr. Branchenkenner rechnen damit, dass ein Teil dieser Ausgaben auch nach einer konjunkturellen Erholung nicht zurückkommen wird. Inzwischen gibt es mehr IT-Berater und Softwareentwickler, als gebraucht werden. So scheint das Jobwunder Informationstechnologie nach Jahren stürmischer Expansion zunächst einmal verraucht. 2002 werden die Beschäftigtenzahlen der Branche erstmals rückläufig sein. Der Branchenverband rechnet mit einem Minus von 3,4 Prozent. Damit fallen in der Branche in diesem Jahr 28 000 Arbeitsplätze weg. Das Beschäftigungsvolumen werde im Jahresverlauf voraussichtlich von rund 820 000 auf 790 000 Beschäftigte sinken.

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