Greenpeace kritisch
Schlechte Zeiten für Spritsäufer

Auf der IAA werden 140 verbrauchsarme Autotypen vorgestellt, die die Gunst der Käufer erwerben sollen. Umweltschützer kritisieren dennoch die Industrie und kreiden Zusatzausstattungen an, die sie als unnötige Energiefresser betiteln. Sie fordern ein Umdenken in der automobilen Branche.

afp FRANKFURT/MAIN. "Sprit-Säufer" dürften bei den deutschen Autofahrern angesichts der hohen Benzinpreise zuletzt rapide im Kurs gefallen sein. Die Kunden werden stattdessen beim nächsten Autokauf wohl verstärkt nach Modellen suchen, die mit verbrauchsarmen Motoren den Schock an der Zapfsäule zumindest ein wenig dämpfen. Ihre jüngsten Fortschritte in diesem Bereich will die Branche bei Internationalen Automobil-Ausstellung IAA vorstellen. Im Vorfeld teilte der Branchenverband VDA stolz mit, dass bereits 140 Typen deutscher Hersteller weniger als sechs Liter Kraftstoff auf hundert Kilometer verbrauchen. Umweltschützer halten der Industrie dennoch mangelnde Anstrengungen vor. Und von allen Seiten werden die Autofahrer ermahnt, mit ihrer Fahrweise den Spritverbrauch zu verringern.

7,2 Liter Kraftstoff auf 100 Kilometer verbrauchte ein Neuwagen laut VDA im vergangenen Jahr, 18 % weniger als 1990. Der Verband hatte der damaligen Bundesregierung 1995 freiwillig zugesagt, bis 2005 eine Drosselung um 25 % zu erreichen. Da auf den Straßen aber auch noch zehn Jahre alte Autos mit entsprechend schlechteren Werten unterwegs sind, liegt der Verbrauch im Gesamtbestand höher: Nach Einschätzung des ADAC-Verkehrsexperten Jürgen Albrecht bewegte er sich im vergangenen Jahr bei etwa 8,5 Liter. Mitte der 80er Jahre habe er sogar noch um die zehn Liter gelegen.

Kritik der Umweltschützer

Umweltschützer sehen allerdings auch bei den Neuwagen eine Lücke zwischen den Hersteller-Angaben und dem tatsächlichen Verbrauch klaffen: Mindestens ein Liter müsse auf die Ergebnisse der Verbrauchstests aufgerechnet werden, sagt Günter Hubmann von der Umweltorganisation Greenpeace. Dieser Unterschied entstehe etwa dadurch, dass die Wagen bei den Testfahrten nur minimales Gewicht hätten und dadurch weniger verbrauchten. Auch zusätzlich Energie verbrauchende Ausstattungen wie Klimaanlagen seien noch nicht eingerechnet.

Technik-Experte Hubmann ist überzeugt, dass die Industrie ihre Möglichkeiten noch längst nicht ausgeschöpft hat. Bei Mittelklasse-Autos sei "ohne riesige Anstrengungen" ein Verbrauch um 4,5 Liter möglich. Dabei denkt der Umweltschützer nicht einmal an zukünftige Antriebssyteme wie die Brennstoffzelle, deren Einsatz er frühstens in zehn bis 15 Jahren erwartet. Helfen würden nach Ansicht Hubmanns bereits bekannte Verbesserungen an den Motoren, aber auch ein geringeres Gewicht der Autos. Der Verkehrs-Experte vom Wuppertal-Institut für Klima, Umwelt, Energie (WI), Karl-Otto Schallaböck, pflichtet bei: "Jedes Kilo, das durch die Gegend geschleppt wird, kostet Treibstoff".

Komfort als unnötige Energiefresser

Zu den Energiefressern im Auto gehört aber auch die Zusatzausstattung, die heute in kaum einem Wagen fehlen darf. So erhöhen etwa Klimaanlagen Schallaböck zufolge je nach Einsatz den Benzindurst um bis zu einen Liter auf hundert Kilometer. Aber auch elektrische Fensterheber oder Sitzverstellungen verschlechtern die Energiebilanz. Greenpeace-Experte Hubmann fordert daher auch ein Umdenken bei den Kunden: Das Auto sollte im 21. Jahrhundert weniger als Statussymbol und mehr als reines Fortbewegungsmittel gesehen werden.

Wer auf Komfort nicht verzichten will, kann mit einfachen Maßnahmen zumindest die nächste Fahrt zur Tankstelle ein wenig herauszögern: Der ADAC mahnt, Autofahrer könnten allein durch entsprechende Fahrweise den Spritverbrauch um 15 bis 25 % reduzieren. Der Verband rät etwa, zügig zu beschleunigen und dabei schnell hochzuschalten. Zurückschalten sei dagegen auch bei Geschwindigkeiten nicht notwendig: Selbst im Stadtverkehr könne jeder im fünften Gang gut mitfahren, betont der ADAC.

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