Greenspan-Rede am Mittwoch
Verbrauchervertrauen belastet Wall Street

Das US-Verbrauchervertrauen ist schwächer ausgefallen als der Markt erwartet hatte und bremst den jüngsten Optimismus im Markt. Unmittelbar nach Meldung des aktuellen Standes drehen die beiden großen Indizes, die den Tag mit freundlicher Tendenz begonnen hatten. Der Dow Jones notiert mit 55 Zählern im Minus, die Nasdaq rutscht einstellig ins rote Terrain.

Nach drei Monaten mit steigender Tendenz spiegelt das schwächere Verbrauchervertrauen der Amerikaner im Februar unter anderem das Misstrauen in Bilanz-Unstimmigkeiten nach der Enron-Krise und die schwache Entwicklung des Aktienmarkts seit Jahresbeginn wieder. "Bei guten konjunkturellen Nachrichten und fallenden Kursen wissen die Leute nicht, woran sie wirklich sind", sagt Delos Smith, Mitglied der Forschungsgruppe "The Conference Board", die den Index ermittelt.

Wie sich die Wall Street weiter entwickelt hängt weiterhin von einer Rede ab, die Notenbankchef Alan Greenspan am Mittwoch vor dem Kongress halten wird, und die Marktteilnehmer für ebenso wichtig halten wie das Verbrauchervertrauen. Die Mehrheit der Börsianer rechnet damit, dass das Konjunktur-Orakel die Rezession für beendet erklärt.

Chip-Riesen legen zu

Auf die Stimmung am Parkett drückt am Morgen auch Robertson Stevens. Das Brokerhaus hat, wie bereits die ABN Amro am Vortag, die Erwartungen für die Kollegen gekürzt. Für Bear Stearns , Goldman Sachs , Lehman Brothers, Merrill Lynch und Morgan Stanley sehe man anhaltende Schwäche im laufenden Quartal.

Vertrauen hin oder her - einige Tech-Aktien stützen den Markt nach wie vor. Die Chipriesen Intel und Advanced Micro Devices, die Netzwerker Cisco und Juniper Networks und die Software-Marktführer Microsoft und Oracle legen um etwa 1 Prozent zu.

Anders ergeht es Flextronic. Der Netzwerk- und Telekomausstatter hat gewarnt, dass man bei einem Umsatz im Rahmen der Erwartungen die Gewinnprognosen im laufenden Quartal nicht einhalten werde. Die Investitionen der Unternehmen, so CEO Michael Marks, seien nach wie vor gering. Dennoch ist Marks auf Jahressicht optimistisch: Mit einem Gewinnwachstum von 13 Prozent für die nächsten 3 Quartale sei man auf dem rechten Weg. Die Analysten der Credit Suisse First Boston setzen ihre Erwartungen für Flextronic ebenfalls herunter, die Aktie gibt 4 Prozent.

Kulturelle Schwierigkeiten und Integrierungsrisiken

Für Hewlett-Packard , einen der Techwerte im Dow, steht nach wie vor der Kampf um die Fusion mit Compaq im Vordergrund. Zwar wird darüber erst in einer Aktionärsabstimmung am 19. März entschieden, doch der Kampf um jede Stimme ist bereits entfacht. Am Morgen erklärt Brandes Investment, ein Fond der 25 Millionen oder 1,3 Prozent der HP-Aktien hält, man werde der Fusion nicht zustimmen. Man befürchtet erhebliche kulturelle Schwierigkeiten und Integrierungsrisiken. Die Analysten bei Goldman Sachs sehen die Lage zuversichtlicher. Hewlett-Packard verbessert sich um 2,5 Prozent, Compaq steht mit 1 Prozent im Plus.

Zahlen wiederum gibt es von Home Depot . Die größte US-Baumarktkette hat in 2001 dank eines Bau-Booms in den USA 3 Milliarden Dollar verdient, das ist eine Gewinnsteigerung von 18 Prozent. Der Anteilsgewinn lag mit 30 Cent pro Aktie 2 Cent über den Erwartungen des Marktes. Der Trend scheint vorerst auch nicht abzubrechen. So teilte das Management mit, dass die Analystenschätzungen für das nun angebrochene erste Quartal erreicht werden sollten. Goldman Sachs hält die Aktie für kaufenswert. Home Depot notiert am Morgen dennoch leicht im Minus, ebenso wie Konkurrent Lowe?s, der bereits am Montag Ergebnisse über den Erwartungen der Analysten gemeldet hatte und am Morgen ein Downgrade von Prudential Securities auf "Halten" einstecken muss. Die Aktie des Heimausstatters Pier 1 Imports hingegen legt um 11 Prozent zu. Das Unternehmen setzt die Gewinnerwartungen deutlich herauf, nachdem die Verkaufszahlen im Februar unerwartet hoch gewesen seien.

Toll Brothers profitiert von Bau-Boom

Ebenfalls vom Bau-Boom profitiert das Bauunternehmen Toll Brothers, eines der größten der Branche. Man hat mit einem Gewinn von 1,20 Dollar pro Aktie die Erwartungen des Marktes deutlich übertroffen und erwartet, auch das Jahr 2002 über den Schätzungen beschließen zu können. "Toll Brothers und einige andere Unternehmen der Branche scheinen die Rezession übersprungen zu haben - vom Aufschwung werden sie dennoch profitieren", sagt ein Analyst am Morgen. Die Aktie legt 7 Prozent zu.

Der Kosmetik-Konzern Revlon steht vor einer schwierigen Hürde. Kostensenkungen würden sich zwar positiv auf die Ertragslage auswirken, doch werde der Turnaround des angeschlagenen Konzerns lange dauern. Revlon muss an den hohen Marketingausgaben festhalten, um in dem hart umkämpften Geschäft nicht Marktanteile zu verlieren. Goldman Sachs stuft den Wert nur mit "halten" ein. Ein konsistent haltbares und robustes fundamentales Umfeld werde noch lange auf sich warten lassen. Revlon handelt am Dienstagmorgen unverändert.

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