Greenspan: Verkraften Schocks besser als früher
Jüngste US-Daten dämpfen Sorgen um Konjunktur

Neue Konjunkturdaten haben am Freitag in den USA Sorgen um die Stärke der wirtschaftlichen Erholung gedämpft.

Reuters CHICAGO/NEW YORK. Der viel beachtete Konjunkturindex der Einkaufsmanager aus dem Großraum Chicago legte im August überraschend deutlich zu. Aktienmärkte in den USA und Europa reagierten mit Kursgewinnen auf die Nachricht. Auch der Dollar festigte sich. Die Vereinigung der Chicagoer Einkaufsmanager teilte mit, ihr Index sei im laufenden Monat auf 54,9 nach 51,5 Punkten im Juli gestiegen. Von Reuters befragte Analysten hatten lediglich 52,0 Punkte vorausgesagt. Ein Indexstand von mehr als 50 Punkten signalisiert eine wirtschaftliche Expansion, ein Stand darunter eine abnehmende Wirtschaftsleistung.

Nach Veröffentlichung der Daten drehte an der Wall Street der Dow-Jones-Index umgehend ins Plus. Der unerwartet starke Anstieg des Konjunkturbarometers schwäche die Sorgen der Anleger um das Tempo des wirtschaftlichen Aufschwungs ab, sagte Weston Boone, Aktienhändler bei Legg Mason Wood Walker. Auch Carol Stone, Volkswirtin bei Nomura Securities International, zeigte sich erleichtert. Sie relativierte die Zahlen allerdings zugleich als sehr unbeständig.

Joseph Lavorgna von Deutsche Bank Securities in New York warnte ebenfalls davor, den Chicagoer Index überzubewerten. Gegenbewegungen zu deutlichen Rückgängen wie im Juli seien bei diesem Indikator häufig und bedeuteten nicht, dass der nationale Einkaufsmanager-Index ebenfalls steigen werde. Das Institute of Supply Management (ISM) veröffentlicht den landesweiten Index kommenden Dienstag. Analysten prognostizieren hier einen geringen Anstieg auf 50,8 von 50,5 Zählern im Juli.

Andere Konjunkturdaten zeigten am Freitag ein leicht gesunkenes Vertrauen der US-Verbraucher in die wirtschaftliche Entwicklung ihres Landes. Der entsprechende Index der Universität Michigan fiel im August nach endgültigen Berechnungen auf 87,6 von 88,1 Punkten im Vormonat, wie aus New Yorker Finanzkreisen verlautete. Volkswirte hatten einen höheren Indexstand von 88,3 Punkten vorausgesagt. Börsianer sehen allerdings insgesamt eine Stabilisierung des Verbrauchervertrauens.

Die Erholung der US-Wirtschaft lahmte zuletzt wieder, nachdem die Konjunkturindikatoren in der ersten Jahreshälfte auf eine weitaus schnellere Erholung hatten schließen lassen. Im vergangenen Jahr war es in den USA zu einer leichten Rezession gekommen, die noch durch die Anschläge vom 11. September verstärkt wurde. Auch der Abwärtstrend an der Wall Street hatte zuletzt Sorgen aufgekommen lassen, dass die Wirtschaft nach kurzer Erholungsphase erneut in die Rezession ("Double Dip") abrutschen könnte.

US-Notenbank-Chef Alan Greenspan äußerte unterdessen die Einschätzung, dass die US-Wirtschaft mittlerweile Schocks besser verkraften könne als in früheren Jahrzehnten. Er wandte sich zugleich gegen Erwartungen, die Notenbank müsse Übertreibungen am Aktienmarkt erkennen und ihnen entgegenwirken. Es gebe keinen eindeutigen Indikator, der das Entstehen einer Aktienmarktblase anzeige, sagte Greenspan am Freitag laut Redetext auf einer Veranstaltung in Jackson Hole im US-Bundesstaat Wyoming.

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