Grenzüberschreitende Master-Programme sollen das Profil schärfen
EU will Hochschulen an die Weltspitze führen

US-Hochschulen verweisen europäische Unis in internationalen Vergleichen regelmäßig auf hintere Plätze. Ausnahmen bilden die London School of Economics und die Pariser Eliteschmiede Insead. Künftig sollen aber mehr europäische Lehrangebote Studenten fit für die globalisierte Berufswelt machen.

BRÜSSEL. Führende europäische Universitäten und die EU-Kommission wollen das europäische Hochschulwesen international konkurrenzfähiger machen und die Identität der europäischen Hochschulausbildung weltweit aufwerten.

Interessierte Studenten und Diplomaten sollen mit grenzüberschreitenden Studiengängen an die Arbeit in der globalisierten Berufswelt herangeführt werden. Die EU-Kommission will gleichzeitig die Attraktivität europäischer Universitäten bei Studenten aus Drittstaaten steigern und so verhindern, dass diese weiter in die USA strömen. Bislang mangelt es den Hochschulen aber am Willen, Lehrangebote aufeinander abzustimmen, und am gegenseitigen Vertrauen, Teilleistungen anzuerkennen.

Die EU-Kommission sieht dringenden Handlungsbedarf. Europas Image als Zentrum der Intelligenz entspreche nicht der globalen wirtschaftlichen Stärke der EU, heißt es in einem Bericht der Behörde.

Fakultätsübergreifend hat die in Genf und Brüssel ansässige Vereinigung Europäischer Universitäten (EUA) jüngst einen Sprung nach vorne gewagt. 73 Universitäten haben elf Master-Programme aufgelegt - unter anderem die grenzüberschreitenden Studiengänge Internationales Recht, Internationales Management, European Construction Engineering und Internationales Gesundheitswesen. Im Mai 2003 soll eine erste Analyse der Kooperationen vorliegen.

Die Master-Programme bauen auf Kooperationen von Universitäten auf, die zum Teil schon Jahre laufen. Einen einheitlichen Abschlusstitel kann die EUA noch nicht bieten. In der Regel vergeben die Universitäten neben ihren herkömmlichen Titeln Zeugnisse, die den erfolgreichen Besuch eines grenzüberschreitenden Programms belegen.

Die "Gemeinschaft der Europäischen Management Schulen" (CEMS) ging vor wenigen Wochen einen Schritt weiter. Die derzeit vom Kölner Betriebswirtschaftsprofessor Werner Delfmann geleitete Kooperation von acht Hochschulen verleiht den "CEMS Master in International Management".

Bis zur Vereinheitlichung der Abschlüsse - etwa einem "European Master", von dem sich die Unis eine internationale Aufwertung erhoffen - ist es noch ein weiter Weg. "Wir müssen ein hohes und vergleichbares Qualitätsniveau sowie die gegenseitige Anerkennung der Prüfungsergebnisse sicherstellen. Zudem müssen die Strukturen der Studiengänge stimmen", sagt EUA- Experte David Crosier.

Die Vereinigung Europäischer Unis strebt eine enge Abstimmung der Bewertung der Studieninhalte an. Als Grundlage soll das von der EU-Kommission entwickelte "European Credit Transfer System (ETCS)" dienen, das von den Hochschulen aber nur schleppend angenommen wird. "ECTS bietet eine gute Basis für die grenzüberschreitende Anerkennung von Teilleistungen", urteilt Delfmann. "Wir in Köln sind aber noch nicht so weit. Wir arbeiten noch mit den herkömmlichen Scheinen", ergänzt der Kölner Professor.

Die Einführung des ECTS geschieht auf freiwilliger Basis. "Es mangelt am Vertrauen der Universitäten, die Testate ausländischer Hochschulen anzuerkennen", stellt ein Experte der EU-Kommission fest. Das werde sich in der nahen Zukunft aber sicher ändern, hofft er. Letztendlich erleichtere ECTS die Mobilität der Studenten. 2004 sollen die rechtlichen Grundlagen stehen, hofft die EU-Behörde. Dann will die EU-Kommission das von ihr im vergangenen Sommer vorgestellte Programm "Erasmus World" starten. Die EU plant, zwischen 2004 und 2008 rund 250 grenzüberschreitende "Master"-Studiengänge anzubieten. Mindestens drei Universitäten sollen sich zu einem "Master"-Studiengang zusammenschließen. Der "European Union Masters Course" wird ein zweijähriges Aufbaustudium sein. Teilnehmer müssen mindestens zwei Universitäten besuchen. Bildungskommissarin Viviane Reding will 200 Mill. Euro bereitstellen. "Die Mittel sind knapp", so Reding. Sie werden aber ausreichen, um ein Netzwerk interessierter Unis aufzubauen. Bis 2008 sollen rund 4 000 europäische Studenten teilnehmen. Darüber hinaus wird Reding Stipendien für Studenten und Gastprofessoren aus Drittstaaten anbieten.

Die Mitgliedstaaten zeigen laut Reding großes Interesse an Erasmus World. Dennoch nehmen sich die EU-Regierungen mit der Verabschiedung des Brüsseler Vorschlags Zeit. Die Kommission rechnet im Herbst kommenden Jahres mit der Annahme durch den Ministerrat. Bereits jetzt zeichnet sich ab, dass die von der EUA ausgewählten elf Pilotprojekte in die Master-Programme der EU eingehen werden.

Quelle: Handelsblatt

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