Grenzwerte um das 6000-fache überschritten
Atommüllskandal von Geesthacht: Weitere Fässer werden 2001 geöffnet

dpa GEESTHACHT. In Zusammenhang mit dem Atommüllskandal von Geesthacht (Schleswig-Holstein) will die Staatsanwaltschaft weitere Fässer aus dem Lagerbestand erst öffnen lassen, wenn alle Unterlagen gesichtet sind. "Vor dem 8. Januar werden wir keine Fässer mehr öffnen, um den Inhalt zu sichten und neu zu verpacken", sagte Hans- Friedrich Christiansen, Sprecher des GKSS- Forschungszentrums, am Montag auf Anfrage.

In der vergangenen Woche war ein Betrug bei der Entsorgung des Atommülls bekannt geworden. Hoch radioaktiver Abfall war in der nur für schwach radioaktiven Müll gedachten Landessammelstelle der Bundesländer Schleswig-Holstein, Niedersachsen, Hamburg und Bremen beim GKSS aufgetaucht.

Das ehemalige Braunschweiger Unternehmen "Amersham & Buchler" hatte vor mehr als 20 Jahren insgesamt 77 Fässer nach Geesthacht geliefert. "Davon sind 36 mit Beton vergossen. 16 davon haben wir bereits geprüft und alle 16 sind nicht entsprechend den Angaben und Vorschriften gefüllt", sagte Christiansen. Auf dem GKSS-Gelände an der Elbe stehen in einer gesicherten Halle noch 127 Fässer mit jeweils 200 Litern Fassungsvermögen. Zurzeit wird untersucht, welche Straftatbestände durch die illegale Entsorgung vorliegen.



Grenzwerte um das 6000-fache überschritten

Bei der Anlieferung der Fässer wurden damals Grenzwerte illegal und nicht messbar teilweise um das 6000-fache überschritten, noch immer wird hier lebensgefährliches Cäsium-137 gelagert. Eine verbotene Bleiummantelung verhinderte den Austritt der Strahlung. Wegen der Abschirmung konnte damals auch der TÜV keine erhöhten Werte registrieren und gab seine Zustimmung für die Lagerung.

In den noch verbleibenden Fässern des Unternehmens befürchten die Strahlenschutz-Experten des Forschungszentrums weitere brisante Funde anstelle - wie angegeben - von Papier und Kleingeräten. "Zumindest da, wo Beton den Inhalt umgibt, gehen wir von nicht erlaubtem Inhalt aus", sagte Christiansen. "Jetzt muss umgehend eine Prüfung erfolgen, in welche Sammelstellen das Unternehmen ebenfalls radioaktiven Abfall geliefert hat", sagte GKSS-Sprecher Christiansen. Es könne durchaus sein, dass der Müll durch ganz Deutschland verteilt ist und unbemerkt in Hallen lagert.

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