Grid-Netze helfen Kosten senken: Alles im Netz

Grid-Netze helfen Kosten senken
Alles im Netz

Intelligente Computernetze sollen künftig die in einem Unternehmen anstehenden Rechenaufgaben selbstständig auf die verbundenen Computer verteilen. Ihren Kunden versprechen die Anbieter dadurch eine bessere Auslastung ihrer IT-Ressourcen - und sich selbst neue Märkte.

HB DÜSSELDORF. In der IT-Industrie spricht man derzeit die Sprache der Elektrizitätswirtschaft: Grid-Engine heißt eines der populärsten Softwareprodukte von Sun Microsystems, Palo Alto. Grid ist der englische Begriff für Stromnetz. Und gleich nebenan in der Konzernzentrale von HewlettPackard setzt man auf das "Utility Data Center" als das Konzept der Zukunft. Utility ist ein öffentlicher Versorgungsbetrieb. Die beiden IT-Schwergewichte offerieren Hard- und Software für neuartige Rechnerverbünde, für so genannte Grids.

Auch IBM ist auf diesem Gebiet stark engagiert. Für den Konzern arbeitet neben vielen anderen auch die IT-Ikone Boas Betzler, der Mann, der Linux für IBMs Großrechner umprogrammiert hat, an der Entwicklung von Grids. "Man kann es sich vorstellen wie ein Stromnetz. Der Anwender möchte Rechenleistung quasi aus der Steckdose beziehen, ohne dass er viel darüber nachzudenken braucht. Danach müssen sich in Zukunft immer mehr Anbieter richten", sagt Betzler.

Die verbalen Anleihen aus der Elektrizitätsbranche rühren daher, dass bei Grids ähnlich wie bei den Versorgungsbetrieben sehr viel bereits im Netz erledigt wird und nicht wie bei traditionellen Computer-Verbünden vom Administrator oder vom Anwender.

Der Nutzer soll in Zukunft seine Rechenaufgabe nur noch in das Netz einspeisen. Welche Maschine aber den Job letztendlich abarbeitet, das entscheiden Rechner, auf denen die Grid-Software läuft. Dazu muss die Software natürlich genau Buch führen, welche Programme auf welchen Netzrechnern installiert und wie die einzelnen Maschinen ausgelastet sind.

Die intelligente Arbeitsverteilung ist der wesentliche Unterschied zwischen einem Grid und einem herkömmlichen Computernetz. Außerdem werden an die Kompatibilität der beteiligten Programme höhere Anforderungen gestellt. Je besser diese nämlich Daten austauschen können, desto feiner können anstehende Aufgaben und Teilaufgaben im Netz verteilt werden.

Manche Systeme leisten darüber hinaus noch Übersetzungsarbeit: Aufgaben werden so umformuliert, dass der Zielrechner sie versteht. Und schließlich ermöglicht es ein Grid auch noch, vorab festzulegen, wie die Rechenlast auf die beteiligten Maschinen verteilt werden soll. Wenn beispielsweise in einem Autokonzern alle PC zu einem Grid verbunden sind, so kann der Administrator etwa bestimmen, dass während der Kernarbeitszeit mindestens die Hälfte ihrer Leistung dem jeweiligen Anwender zur Verfügung stehen muss, dass aber nachts die ganze Rechen-Power für eine verteilte Crash-Simulation eingesetzt wird.

Die Firmen können mit den Grids Ausgaben für Hard- und Software einsparen. Nach Untersuchungen sind in Unternehmen die vorhandenen Rechnerkapazitäten nämlich nur zu 25 Prozent ausgelastet. Die brachliegenden Ressourcen jedoch ließen sich mit einer cleveren Netzsoftware sehr wohl nutzen.

Im wissenschaftlichen Bereich, wo das Geld chronisch knapp, aber der notwendige Rechenaufwand umso größer ist, sind Grids schon seit längerem im Einsatz. "Wir machen sie jetzt für den kommerziellen Bereich nutzbar", beschreibt Dev Mukherjee, der zuständige Vice-President bei IBM, die Rolle der IT-Schwergewichte in der Entwicklung des Grid-Computing. Für den Einsatz in der Wirtschaft müssten allerdings spezielle Standards entwickelt werden.

IBM selbst möchte künftig weniger Rechner als vielmehr Rechenleistung verkaufen. Mit seinen hauseigenen Produkten will der Konzern groß dimensionierte Rechenzentren ausstatten und betreiben. Eingesetzt werden sollen dabei IBM-Großrechner, die die für so ein Geschäft notwendige Ausfallsicherheit mitbringen.

Als Betriebssystem sehen die Planungen Linux vor, auf dem alle gängigen Anwendungsprogramme gefahren werden können und für das die meiste neue Software entwickelt wird. Die Unternehmen würden in diesem Szenario nicht mehr für Hard- und Software, sondern nur noch für Dienstleistungen bezahlen. Und IBM hätte dann diese in der vereinbarten Qualität zu erbringen.

Allerdings werden derzeit noch die meisten Grids unternehmensintern eingerichtet. Bei Sun ist Peter Jeffcock weltweit dafür zuständig. "Jede Woche installieren wir 70 neue Grids", sagt er.

Auch IT-Firmen, die eher wenig mit den Unternehmens-Rechenzentren zu tun haben, erschließen sich das neue Geschäftsfeld. So will der PC-Bauer Gateway die Ausstellungsstücke in seinen Läden zu einem Grid vernetzen. Die 8000 PC brächten es dann nach Ladenschluss auf eine Rechenleistung, die einem starken Supercomputer entspricht.

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