Grieche mit Tritten lebensgefährlich verletzt
Skinheads wegen Mordversuchs in München vor Gericht

Wegen versuchten Mordes an einem Griechen müssen sich drei Skinheads seit Donnerstag vor dem Landgericht München verantworten.

ap MÜNCHEN. Die Anklage wirft den beiden Lehrlingen und der Schülerin vor, den 31-Jährigen im Januar vor einer Kneipe mit Schlägen und Tritten lebensgefährlich verletzt zu haben. Sie hätten "aus ausländerfeindlichen Motiven in Tötungsabsicht" gehandelt. Nur weil mehrere Türken dem Opfer zu Hilfe geeilt seien, habe der Mann überlebt.

Die Jugendkammer schloss die Öffentlichkeit vom weiteren Verfahren aus. Das große Medieninteresse könnte den 18 bis 20 Jahre alten Hauptangeklagten den Lebensweg verbauen und sie zu falschen Aussagen aus Imponiergehabe verleiten. Mit ihnen stehen zwei weitere Rechtsextremisten wegen gefährlicher Körperverletzung vor Gericht. Das Urteil wird Ende Oktober erwartet.

Am Rande einer Geburtstagsfeier mit rund 60 Skinheads und Neonazis soll die 18-jährige Maria von P. den Griechen auf der Straße provoziert und geschlagen haben. Darauf seien ihr 20-jähriger Freund Christoph S. und der 18-jährige Dominic B. auf den Mann losgestürmt und hätten ihn brutal zusammengetreten. Unter Rufen wie "Du musst jetzt sterben, Kanak!" hätten sie dem bewusstlos am Boden liegenden Opfer mit ihren Springerstiefeln gegen den Kopf getreten, heißt es in der Anklage. Einer der fünf Angeklagten sei ihm mit beiden Stiefeln ins Gesicht gesprungen, und das Mädchen habe ihm den Kopf mehrfach aufs Straßenpflaster geknallt.

Der Grieche erlitt schwere Gesichts- und Augenverletzungen und schwebte zeitweilig in Lebensgefahr. Als zehn Türken aus einem anderen Lokal zu Hilfe eilten, kam es zu einer Massenschlägerei mit rund 15 Skinheads. Sechs von ihnen wurden bereits zu Haftstrafen verurteilt.

Laut Staatsanwaltschaft hatte Maria von P. in der Tatnacht 2,3 Promille Alkohol. Der Neonazi Christoph S. war bei der Massenschlägerei k.o. gegangen, von Burschenschaftlern versteckt worden und schließlich nach dreiwöchiger Fahndung in Rotterdam verhaftet.

Die Hauptangeklagten hatten sich bis zur Verhandlung wieder die Haare wachsen lassen. Immer wieder schauten sie grinsend auf die überfüllten Zuschauerbänke. Noch vor Verlesung der Anklage schloss die Jugendstrafkammer die Öffentlichkeit aus. Der Vorsitzende Richter erklärte, die 18-jährige habe in abgefangenen Briefen beklagt, dass durch das bundesweite Medieninteresse ihre ganze Familie in den Fall hineingezogen und sie selbst wohl nie mehr eine Stelle bekommen werde. Drei weitere Angeklagte seien Heranwachsende.

Einer der Türken, die dem Griechen geholfen hatten, wurde am vergangenen Sonntagmorgen vor seinem Haus von zwei Skinheads angegriffen. Er erlitt Schlag- und Stichverletzungen. Die Täter konnten flüchten.

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