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Griechen ehren Otto RehhagelDPA-Datum: 2004-07-06 14:43:08

Athen (dpa) - In Griechenland hat nach dem gigantischen Empfang für die hellenischen Fußball-Helden das große Rätselraten um die Zukunft von Trainer Otto Rehhagel eingesetzt.

Athen (dpa) - In Griechenland hat nach dem gigantischen Empfang für die hellenischen Fußball-Helden das große Rätselraten um die Zukunft von Trainer Otto Rehhagel eingesetzt.

Der Europameister-Coach soll völlig irritiert gewesen sein über ein angebliches Vertrags-Angebot des griechischen Fußball-Verbandes (EPO). «Der Präsident der EPO sagt mir, ich hätte bis 2008 unterschrieben. Aber ich weiß davon gar nichts», sagte Rehhagel zum griechischen Ministerpräsidenten Kostas Karamanlis. Teile des Gesprächs während des Empfangs waren von Mikrofonen des staatlichen Fernsehens eingefangen worden.

Karamanlis riet Rehhagel davon ab, deutscher Bundestrainer zu werden. «Ein Ballack bringt nicht den Fußball-Frühling», sagte der Ministerpräsident. Und die stellvertretende Kulturministerin Fani Palli-Petralia meinte gar verschmitzt: «Notfalls werden wir Sie am Dach des Olympiastadions festbinden, damit Sie nicht weggehen.» Rehhagels aktueller Vertrag mit dem Europameister läuft bis 2006.

Unterdessen ging die «Hellas-Party» munter weiter. Nach dem triumphalen Empfang durch 350 000 Menschen, die ihre Lieblinge im alten Olympiastadion von Athen begeistert feierten, ehrte der griechische Staatspräsident Konstantinos Stefanopoulos die stolzen Portugal-Rückkehrer. «Otto Rehhagel, Sie sind zwar kein Grieche gewesen, Sie sind aber etwas mehr als nur ein einfacher Grieche geworden», sagte Stefanopoulos zu dem 65 Jahre alten Fußball-Lehrer aus Deutschland.

Er wisse nicht, wie der als deutscher Wunschtrainer gehandelte Rehhagel seine Zukunft plane. «Ich will ihm aber sagen: Selbst wenn er weggeht, werden wir immer an ihn denken, ihn lieben und ihn respektieren», betonte das Staatsoberhaupt. Stefanopoulos schenkte Rehhagel eine Anstecknadel mit dem griechischen Staatswappen und erklärte: «Wir werden stolz sein, wenn Sie es manchmal tragen und sich daran erinnern, dass Sie auch Mitglied dieser Mannschaft gewesen sind.» Sichtlich gerührt antwortete Rehhagel: «Ich danke Ihnen herzlich. Griechenland kann ganz stolz sein. Und das Motto muss sein: kontrollierte Offensive.»

Hunderttausende Athener hatten Rehhagel & Co. einen einmaligen Empfang bereitet. Die Busfahrt über etwa 30 Kilometer vom Flughafen nach Athen dauerte rund drei Stunden. Die Menschenmenge stand so dicht, und die Begeisterung war so groß, dass der Bus immer wieder stoppen musste. Im und um das Panathinaikón-Stadion hatten sich rund 100 000 Menschen versammelt. Sie riefen immer wieder: «Er ist verrückt, er ist verrückt, der Deutsche».

Die Stimmung schwappte über, Fans durchbrachen die Absperrungen der Polizei. Am Ende mischten sich Prominente wie Ministerpräsident Karamanlis, mehrere Politiker sowie der Erzbischof und Zuschauer in die wild feiernde Menge. Größere Randale oder Zwischenfälle gab es nach Angaben der Polizei nicht. «Die Menschen haben einfach aus dem Herzen heraus und ohne einen Schluck Alkohol gefeiert. Für uns war diese Nacht die einfachste und sorgenfreiste unseres Berufslebens», sagte ein Polizist. Wie der griechische Rundfunk meldete, seien mehr als 100 Einladungen für das Team aus allen Landesteilen in den Büros des griechischen Verbandes eingegangen. «Die Feiern werden offenbar kein Ende nehmen», sagte ein Mitglied des Fußballverbandes.

Derweil hat Rehhagel ausführlich seine Erfolgstaktik erklärt. Nach dem Treffen mit Staatsoberhaupt Stefanopoulos sagte er im Fernsehen: «In den Medien findet eine Diskussion statt, ob wir defensiv oder offensiv waren. Ich kann nur sagen, dass wir mit Seitaridis einen der offensivsten Verteidiger der EM gehabt haben», meinte Rehhagel. Es komme darauf an, wie man das Spiel einer Mannschaft interpretiere. In Dellas habe gegen Tschechien ein Abwehrspieler das Siegtor geköpft», sagte Rehhagel. Dies zeige, das sein Team nicht defensiv agiert habe.

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